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Pflegeproblematik stärker ins Bewusstsein rücken

Pflegeproblematik stärker ins Bewusstsein rücken

Merzig. "Über Stuttgart 21 redet die ganze Republik, aber über Pflege, ein Problem, von dem 15 bis 20 Millionen Deutsche direkt und indirekt betroffen sind, redet keiner." Armin Lang, Landesvorsitzender des VdK, spart auf der Kreispflegekonferenz am vergangenen Montag nicht mit Kritik

Merzig. "Über Stuttgart 21 redet die ganze Republik, aber über Pflege, ein Problem, von dem 15 bis 20 Millionen Deutsche direkt und indirekt betroffen sind, redet keiner." Armin Lang, Landesvorsitzender des VdK, spart auf der Kreispflegekonferenz am vergangenen Montag nicht mit Kritik.Die große Resonanz auf die Veranstaltung belegt: Auch in Merzig-Wadern gibt es viel Gesprächsbedarf zu Themen wie Pflegebedürftige und ihre Angehörigen. Lang, der VdK-Kreisvorsitzende Lutwin Scheuer und die Mitarbeiter zahlreicher Organisationen versuchen keine Frage unbeantwortet zu lassen.

Getreu dem Motto der Kreispflegekonferenz "Wer hilft, wenn Hilfe gebraucht wird?" sind die Info-Stände der Kooperationspartner prall gefüllt mit Broschüren zur Unterstützung Betroffener. Den Veranstaltern ist es wichtig, die im Landkreis vorhandenen Hilfsorganisationen und Hilfesuchende möglichst schnell und für beide Seiten unkompliziert zusammen zu bringen. Laut VdK gibt es schließlich, rein statistisch gesehen, rund 30 000 pflegende Angehörige allein im Landkreis Merzig-Wadern.

Pflegearbeit ist nicht nur ein Massenphänomen, sondern obendrein auch noch ein vorwiegend weibliches. "Für die Frauen, von denen die meisten selber über 55 Jahre alt sind, ist die Arbeit als Vollzeit-Pflegekraft auch eine 'Garantie' für Armut", betont Armin Lang. Umgerechnet sieben Euro pro Tag bei einem 24-Stunden-Job, das ist der Maximallohn eines Menschen, der einen demenzkranken Angehörigen pflegt. Da sei ein erhöhtes Armutsrisiko pflegender Angehöriger die traurige Konsequenz.

Was der Landesvorsitzende dabei besonders bedauert, ist die Tatsache, dass die privaten Krankenversicherungen rund 1,3 Milliarden Euro zu viel jährlich einnehmen und es für das Geld keine direkte Verwendung gibt. "Mit diesem Geld könnte vielen gesetzlich Versicherten geholfen werden", meint Lang und bezeichnet die Situation als "sozialpolitischen Skandal". Gesetzlich Versicherte stehe also nicht nur weniger Unterstützung im Fall einer Pflegebedürftigkeit zur Verfügung, sie hätten auch schon im gesunden Zustand ein drei- bis viermal höheres Risiko, pflegebedürftig zu werden.

Neben dem Ruf nach einer verbesserten Pflegeversicherung, formuliert der Landesvorsitzende noch zwölf weitere Forderungen zur Reform der Pflege. Schließlich bestehe Handlungsbedarf in der Demenzforschung, der geriatrischen Ausbildung aller Gesundheits- und Pflegeberufe und bei der häuslichen Versorgung Betroffener. Aber nicht nur der VdK stellt an diesem Abend seine Arbeit vor, auch die Kooperationspartner des Sozialverbands sind zahlreich angereist. Der DRK-Landesverband stellt beispielsweise sein Demenz-Café Vergissmeinnicht vor, der ambulante Palliativ- und Hospizdienst gibt Informationen über die Unterstützung betroffener Familien und die Arbeitsgemeinschaft Altenhilfe klärt über ihr Angebot des Kreis-Senioren-Telefons auf.

Mit viel Information und Beratung wurde das Ziel des VdK, auf dieses elementare Thema der Pflege aufmerksam zu machen, erreicht und Armin Lang fügt hinzu: "Ich bin sehr zufrieden, ich hoffe, die Teilnehmer sind es auch." "Pflegende Angehörige haben ein erhöhtes Armutsrisiko."

Armin Lang, Landesvorsitzender des Sozialverbandes VdK

Hintergrund

Das Senioren-Mobil und die Ehrenamtsbörse sind Projekte des Seniorenbüros in Merzig. Das Senioren-Mobil bietet unbeschwertere Einkaufsfahrten in die Kreisstadt Merzig. Die Fahrgäste werden an ihrer Haustür abgeholt, bei den Einkäufen von einem ehrenamtlichen Mitarbeiter begleitet und beim Ein- und Ausladen der Taschen unterstützt. Menschen, die gerne eine ehrenamtliche Tätigkeit übernehmen wollen, wenden sich an die Ehrenamtsbörse. Diese bringt Freiwillige und Organisationen, die ehrenamtliche Mitarbeiter suchen, zusammen und berät, wo wer das Passende findet.

Weitere Infos: Seniorenbüro, Friedrichstraße 1, Merzig, oder Tel. (0 68 61) 7 87 50.

Der Pflegestützpunkt Merzig-Wadern hilft denjenigen, die pflegebedürftig sind und Informationen und Beratung benötigen. Wo gibt es welche Hilfeleistungen? Wer hilft bei der Antragstellung? Wer hilft meinen Angehörigen, damit sie mich unterstützen können? Um diese und andere Fragen kümmern sich die Mitarbeiter des Pflegestützpunktes auch in der eigenen Wohnung des Hilfesuchenden. Sie beraten persönlich, vertraulich und vor allem kostenlos.

Weitere Infos: Pflegestützpunkt, Bahnhofstraße 27, Merzig, oder Tel. (0 68 61) 8 04 77.

Das Angebot des DRK mit dem "Demenz-Café Vergissmeinnicht" richtet sich insbesondere an die Angehörigen, die durch die Arbeit der ehrenamtlichen Mitarbeiter eine stundenweise Entlastung erhalten. Diese "freie Zeit" kann für die Bewältigung des Alltags mit einer pflegebedürftigen Person eine wichtige Stütze darstellen und den bestehenden Druck vermindern. Daneben bietet das DRK kostenlose Kurse zur "Pflege und Betreuung demenzkranker Menschen" und Gesprächskreise für pflegende Angehörige demenzkranker Menschen. sko

Weitere Infos: Sylvia Thome, Tel. (0 68 72) 75 43.

www.lv-saarland.drk.de