Pflegekräfte am Boden

Pflegekräfte am Boden

Personalmangel, chronische Überlastung, zu wenig Zeit für die Patienten und schlechte Bezahlung: Mit ihrer Aktion wollten Schwestern, Pfleger und Azubis auf die Nöte in Pflegeberufen aufmerksam machen.

Angehörige der Berufsgruppe Pflege wirklich am Boden zu sehen, ist ein eher seltener Anblick. Doch am vergangenen Samstag bot sich dieser Anblick den Passanten gleich in 80 deutschen Innenstädten (die SZ berichtete). Auch in Merzig hatten sich Pflegefachkräfte und Unterstützer zu einem zehnminütigen Flashmob verabredet, um die Öffentlichkeit auf die Not der Pflege in Deutschland aufmerksam zu machen. Von 16 Uhr bis 16.10 Uhr legten sich bei winterlichen Temperaturen etwa 30 meist jüngere Schwestern und Pfleger, darunter auch viele Auszubildende, vor dem alten Merziger Rathaus auf das kalte Pflaster. In den Händen hielten sie Schilder mit der Aufschrift "Pflege am Boden".

Mit dieser Aktion wollten sie ihrem Anliegen Aufmerksamkeit verschaffen: dass es der beruflichen Pflege in Deutschland schlecht geht. Es fehle allerorten an ausreichend Personal. Die wenigen Pflegenden vor Ort seien daher chronisch überlastet und könnten oft nur noch unzureichend für die pflegebedürftigen Menschen sorgen, hieß es von Seiten der Pflegekräfte. Wie gerade eine Studie gezeigt habe, bleibe auch kaum mehr Zeit für die oft so wichtigen Gespräche. "Damit wird den pflegenden und den pflegebedürftigen Menschen ein Teil ihrer Menschenwürde vorenthalten", erklärten die Protestierenden. Die Aktion fand viel Zustimmung und ermunternden Zuspruch durch Passanten. Auf die Frage: "Wogegen demonstriert ihr?" lautete eine Antwort: "Wir demonstrieren nicht gegen etwas oder jemanden. Wir demonstrieren dafür, dass pflegebedürftige Menschen in unserem wohlhabenden Land anständig pflegerisch versorgt, unterstützt und begleitet werden können. Und wir kämpfen dafür, dass die Pfleger ihren anspruchsvollen Beruf so ausüben können, dass sie nach der Arbeit zufrieden nach Hause gehen können und dann auch langfristig in ihrem Beruf bleiben."

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