Pflegekinder: ein wunderschönes Abenteuer

Pflegekinder: ein wunderschönes Abenteuer

St. Wendel. Als der große Tag der Weihnachtsfeier für die Pflegefamilien im Kreis St. Wendel gekommen ist, flitzen die Kinder gut gelaunt im Kulturzentrum umher. Sie kennen sich untereinander und genießen das gemeinsame Spiel, während die Pflegeeltern zusammensitzen und ihre Erfahrungen austauschen. Christa Becker ist seit acht Jahren Pflegemama

St. Wendel. Als der große Tag der Weihnachtsfeier für die Pflegefamilien im Kreis St. Wendel gekommen ist, flitzen die Kinder gut gelaunt im Kulturzentrum umher. Sie kennen sich untereinander und genießen das gemeinsame Spiel, während die Pflegeeltern zusammensitzen und ihre Erfahrungen austauschen. Christa Becker ist seit acht Jahren Pflegemama. Bei ihr und ihrem Mann leben die 17-jährige Jenny und der neunjährige Kevin. "Mein Mann sagt immer, der Kleine ist mein Herzschrittmacher", erzählt Christa Becker lächelnd. Es war ihr Mann, der auf die Idee kam, Pflegekinder bei sich aufzunehmen. Viele Jahre lang hatte er die Eltern seiner Frau gepflegt. Als diese gestorben war, herrschte eine plötzliche Leere im Haus und er suchte nach einer neuen Aufgabe. "Pflegekinder sind eine Herausforderung. Man muss ein Gespür für sie entwickeln, viel geben. Aber es kommt auch viel zurück", sagt Becker. Die Weihnachtsfeier sei jedes Jahr ein Höhepunkt für die Kinder - und das nicht wegen der Geschenke. Das sieht Judith Mess genauso: "Es ist schön, dass man am Ende des Jahres noch mal alle sieht." Sie betreut seit 21 Jahren Pflegekinder. "Der Älteste ist inzwischen 33 Jahre alt und hat selbst Kinder". Aktuell leben drei Kinder bei Judith Mess. Zur Weihnachtsfeier sind der vierjährige Calvin und die 17-jährige Anna mitgekommen. Sich auf ein Pflegekind einzulassen, sei immer ein wunderschönes Abenteuer.

Wunschkind mit 37 Jahren

Auf dieses Abenteuer hat sich auch Sabine Koslik 2001 eingelassen und folgte damit dem Wunsch ihrer leiblichen Tochter. Mit 37 Jahren hat sie ihr Wunschkind bekommen. Das Risiko einer zweiten Schwangerschaft war ihr zu groß. "Weil mein Kind aber Geschwister so sehr vermisst hat, habe ich ihr versprochen, ein Pflegekind aufzunehmen, wenn ich nicht mehr arbeite", erzählt Koslik. 2001 kam schließlich Sarah zu ihr. "Leider musste ich mich nach drei Jahren von ihr trennen. Ich war zu unerfahren." Sabine Koslik steht noch immer mit Sarah in Kontakt, die ebenfalls bei der Feier ist. Heute lebt die neunjährige Eva bei Familie Koslik. "Sie ist mit zwei Jahren zu uns gekommen und wie unser eigenes Kind", sagt Koslik.

Eine Tanzeinlage junger Nachwuchstänzer und der Auftritt des Zauberers Wolfgang Goethe verkürzen für die Kinder die Wartezeit auf den Nikolaus. Als der schließlich das Kulturzentrum betritt, versammeln sich alle Kinder schnell auf der Bühne. Sie singen mit dem Nikolaus und sagen kleine Gedichte auf. Dann ist Zeit zur Bescherung. Stolz bringen die Kinder ihre Tüten zu den Eltern. Die ersten Teddys werden geknuddelt und die Spiele prompt ausprobiert. "Ich finde es schön, dass die Großen auch noch etwas geschenkt kriegen", sagt die 17-jährige Anna und freut sich über ihren Shopping-Gutschein in St. Wendel.

Zufrieden schaut Monika Sartorius auf die Kinder mit ihren Präsenten. "Es ist jedes Jahr ein Höhepunkt."

Zwar sei dieser auch mit viel Aufwand verbunden, aber der lohne sich allemal. "Wir machen doch alles für unsere Pflegekinder und um es mit den Worten des Landrats zu sagen: Das ist wie eine große Familie", sagt Sartorius. Landrat Udo Recktenwald ist ebenfalls gekommen, um mit der großen Familie aus Pflegekindern und Pflegeeltern zu feiern. > siehe Bericht Seite C1

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