1. Saarland

Petition: Frauenbeauftragte fordern im Saarland Verbot von Bordellwerbung.

Petition startet am Weltfrauentag : Prostitutions-Werbung soll verboten werden

Zum Weltfrauentag an diesem Freitag starten die Frauenbeauftragten eine Petition. Einige Politiker haben bereits unterschrieben.

Aufreizende Posen, nur mit Dessous bekleidet, lasziv blickend – auch das gehört zum Stadtbild. Mit meterhohen Werbeplakaten oder Leuchtreklamen, die halbnackte Frauen zeigen, wird in vielen saarländischen Städten für Bordelle geworben. Damit soll nun Schluss sein. Die Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) kommunale Frauenbeauftragte startet am Weltfrauentag diesen Freitag die Petition „Bordellwerbung – Nein Danke!“. Das Saarland soll als erstes Bundesland flächendeckend Bordellwerbung verbieten. In gewissen Stadtteilen von Großstädten wie München, Köln und Trier gibt es bereits ähnliche Verordnungen. „Das Saarland hat die Chance, mit gutem Beispiel voran zu gehen und zu zeigen, dass Frauenrechte nicht nur in Ballungsräumen respektiert werden“, sagt Heike Neurohr-Kleer, die Sprecherin der LAG.

Bordellwerbung sei ein Angriff auf die Würde von Frauen. Sie verschleiere die Realität des Gewerbes und mache Prostitution glamourös. Tatsächlich aber befänden sich die arbeitenden Frauen regelmäßig in Notlagen. In der Petition heißt es, die Werbung „läuft einem der wichtigsten Inhalte des Prostituiertenschutzgesetzes, dem Selbstbestimmungsrecht der Sexarbeiterinnen und dem Schutz vor Zwang, Ausbeutung und gesundheitsgefährdenden Praktiken, komplett entgegen“. Die Prostituierten und ihre Körper würden als Ware im öffentlichen Raum feilgeboten. „Die Bordellwerbung scheitert daran, dass sie nicht die Dienstleistung, sondern die Frau als Angebot präsentiert.“

Freiern werde vermittelt, dass es „immer noch ein billigeres, besseres Angebot“ gibt. Es würden zusätzlich schlechte Arbeitsbedingungen geschaffen. Vor allem die wenigen freiwillig tätigen Prostituierten seien einem enormen Konkurrenzkampf ausgesetzt. „Sie müssen Kompromisse schließen, Praktiken entgegen dem Prostituiertenschutzgesetz akzeptieren und schlechte Bezahlung hinnehmen“, argumentiert die LAG.

Außerdem werde ein stark idealisiertes und sexualisiertes Frauenbild mit vermeintlich perfekten Körpern gezeigt. Das wirke sich auf das Frauenbild in der Gesellschaft aus. Sexuelle Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen und die „grundsätzlich käufliche Verfügbarkeit“ von Frauen werde zur Normalität und damit gesellschaftlich toleriert. Bordellwerbung überfordere auch Jugendliche und sei eine Gefahr für deren Entwicklung. Die LAG möchte daher mit der Petition zudem den Jugendschutz in den Vordergrund rücken. „In Trier zum Beispiel ist es seit vergangenem Jahr verboten, in der Nähe von Schulen, Kitas und Familieneinrichtungen für Bordelle zu werben“, sagt Heike Neurohr-Kleer. Schließlich führt die LAG auch einen Imageverlust des Saarlandes in ihrer Petition auf. Die Werbung verstärke den Eindruck, das Saarland sei der „Puff Europas“. Das zeichne ein fragwürdiges Bild vom Wirtschaftsstandort und Tourismusziel.

„Wir wollen endlich wachrütteln“, sagt Neurohr-Klee. Katharina Kunze, die Frauenbeauftragte der Landeshauptstadt Saarbrücken ergänzt: „Obwohl Bordellwerbung als störend empfunden wird, ist sie allgegenwärtig. Dagegen gehen wir vor. Und erwarten, dass der Landtag durch unsere Petition den Auftrag bekommt, diesem Trend Einhalt zu gebieten.“

Die Unterschriftenliste soll am Weltmädchentag, 11. Oktober, Landtagspräsident Stephan Toscani überreicht werden. Einige Unterstützer aus der Politik konnte die Initiative schon vorab gewinnen: Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger (SPD), Saarbrückens Oberbürgermeisterin Charlotte Britz (SPD), Regionalverbandsdirektor Peter Gillo (SPD), die Landrätin Daniela-Schlegel Friedrich (CDU, Merzig-Wadern) und die Landräte Patrik Lauer (SPD, Saarlouis), Sören Meng (SPD, Neunkirchen), Udo Recktenwald (CDU, St. Wendel) und Theophil Gallo (SPD, Saarpfalz-Kreis) sowie Bettina Altesleben vom DGB Saar unterschrieben die Petition.

Die Unterschriftenlisten können über alle kommunalen Frauenbüros angefordert werden. Auf www.change.org/­bordellwerbung kann die Petition online unterzeichnet werden. Weitere Infos unter www.frauenbeauftragte.saarland