1. Saarland

Perfekter Rahmen für einen poetischen Seelenstriptease

Perfekter Rahmen für einen poetischen Seelenstriptease

Bubach-Calmesweiler. Wie gehen Menschen mit einer Lebenskrise um? Manche fressen ihre Ängste einfach in sich hinein, andere suchen das Gespräch mit Freunden oder gehen zum Psychiater. Künstler verarbeiten ihre Sorgen und Nöte gerne in Liedern und Texten. Denn das Schreiben zwingt dazu, intensiver nachzudenken und macht manche Gefühle erst so richtig bewusst

Bubach-Calmesweiler. Wie gehen Menschen mit einer Lebenskrise um? Manche fressen ihre Ängste einfach in sich hinein, andere suchen das Gespräch mit Freunden oder gehen zum Psychiater. Künstler verarbeiten ihre Sorgen und Nöte gerne in Liedern und Texten. Denn das Schreiben zwingt dazu, intensiver nachzudenken und macht manche Gefühle erst so richtig bewusst. Jürgen Brill, den man gemeinhin als die eine Hälfte des saarländischen Comedy-Duos "Langhals & Dickkopp" kennt, hatte eine solche Lebenskrise im Jahr 2006. "Ich bin damals körperlich und geistig in ein Tief gefallen", sagt Brill heute. Diese ganz private Lebensabschnittsgeschichte von Lebensträumen und Lebensängsten hat der 42-Jährige jetzt in ein rund einstündiges Musikprogramm aus ernsten bis selbstironischen Liedern und Texten gepackt und sie unter das Motto "Eine neue Tür" gestellt. Damit war er im Kultursaal des Schlosses Buseck in Bubach-Calmesweiler zu Gast. Der Raum und seine 50 Zuhörer bildeten den nahezu perfekten intimen Rahmen für einen Seelenstriptease. "Lebensträume kann man nicht suchen, man hat sie von Geburt an," philosophierte Brill. Und weiter: "Manchmal muss man nur die Augen schließen, um alles sehen zu können." So philosophisch und poetisch gestaltete Jürgen Brill, von sich selbst am Klavier begleitet, den kompletten nachdenklich stimmenden, zugleich aber auch unterhaltsamen Abend. Und gab zwangsläufig auch viel Privates von sich preis. "Ich war nie cool, wäre es aber gern gewesen", behauptete Brill. "Einmal im Regen einer Frau ans Kinn fassen und Hey Baby' sagen. So dass sie denkt, so einen kriegst du nie wieder. Einen, der Klarinette und Klavier kann. Aber ich war eher Woody Allen als Humphrey Bogart. Niemals werde ich ölverschmiert Hochhäuser in die Luft jagen und Hasta la vista Schweinebacke' sagen." Aus diesen Gedankengängen machte Brill ein hintergründiges Lied und sang "Humphrey Bogart lebt nicht mehr, den hat's nie gegeben. Der Kuss war nur gestellt, die tun das nur für Geld." Brills, durch eine Erkältung angegriffene, Stimme, gab dem Ganzen eine zusätzliche Tiefe. Seine Erkenntnis: "Mein größter Gegner, der bereit war mich sogar im Training k.o. zu schlagen, war ich selbst." Aber keine Panik: Jürgen Brill hat sich unter anderem mit seinen Texten selbst am Kragen aus dem Sumpf gezogen und so endete auch das Programm positiv. Brill: "Nichts bleibt im Leben wie es war - und das ist wunderbar." Es geht eben immer eine neue Tür für einen auf. mgs