Neues Expertengremium berufen Patienten sollen besser vor Behandlungsfehlern geschützt werden

Saarbrücken · Das Netzwerk Patientensicherheit Saarland gründet eine Arbeitsgruppe, die die Abläufe in Kliniken und Arztpraxen analysieren und optimieren soll.

Bis zu zwei Millionen Patienten sind in Deutschland jedes Jahr von unerwünschten Folgen einer medizinischen Behandlung betroffen. Doch bis zu 800 000 dieser Vorfälle wären durch ein besseres Fehler- und Risikomanagement vermeidbar.

Bis zu zwei Millionen Patienten sind in Deutschland jedes Jahr von unerwünschten Folgen einer medizinischen Behandlung betroffen. Doch bis zu 800 000 dieser Vorfälle wären durch ein besseres Fehler- und Risikomanagement vermeidbar.

Foto: Getty Images/iStockphoto/Sebastian Gorczowski

(ml) Die Behandlung in einer Arztpraxis oder einem Krankenhaus kann unerwünschte und gesundheitsschädigende Folgen haben. Bei bis zu zehn Prozent der behandelten Patienten treten unerwünschte Folgeerscheinungen auf. In vielen Fällen sind diese allerdings vermeidbar. Daran arbeitet das Netzwerk Patientensicherheit für das Saarland. Es wurde vom Verein „Gesundheitsregion Saar“ gegründet. Jetzt hat das Netzwerk eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe eingerichtet (siehe Infokasten), die im neuen Jahr konkrete Maßnahmen erstellen will, um die medizinische Versorgung der saarländischen Patienten noch sicherer zu machen.

„Eine hochwertige Versorgungsqualität ist erst dann sichergestellt, wenn in Kliniken und Arztpraxen das Fehler- und Risikomanagement klar geregelt ist und wirksam arbeitet. In einem derart sensiblen Arbeitsumfeld, das unter immer mehr Zeitdruck und Ressourcenmangel leidet, werden ein Risikobewusstsein und eine offene Fehlerkultur immer wichtiger, um die Patientensicherheit zu erhöhen. Unser Ziel ist es, ab sofort Maßnahmen zu erarbeiten, die Behandlungsfehler und unerwünschte Folgen weiter reduziert werden“, sagt Professor Dr. Jörg Loth, einer der Sprecher des Netzwerks Patientensicherheit im Saarland und Mitglied der neuen Arbeitsgruppe.

Bis zu zwei Millionen Patienten sind in Deutschland jedes Jahr von unerwünschten Folgen einer medizinischen Behandlung betroffen. Doch bis zu 800 000 dieser Vorfälle sind vermeidbar. Derzeit liegen medizinische Fehler auf Rang acht der Todesursachenstatistik. „Ein entscheidender Punkt beim Risiko- und Fehlermanagement ist der Umgang mit Fehlern“, sagt Sanitätsrat Dr. Josef Mischo, einer der Netzwerksprecher, Präsident der Ärztekammer des Saarlandes, Co-Vorsitzender der Qualitätssicherungsgremien der Bundesärztekammer und ebenfalls Mitglied der neuen Arbeitsgruppe. „Wir müssen aus Fehlern lernen und nach einer Fehleranalyse die Prozesse, Strukturen und das notwendige Wissen so verbessern, dass Fehler in der Zukunft vermieden werden.“

Für ihre Masterarbeit an der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement in Saarbrücken hat Isabella Souki in einer Umfrage  in allen Kliniken im Saarland sowie bei niedergelassenen Ärzten, Zahnärzten und Psychotherapeuten die Ursachen von Behandlungsfehlern und unerwünschten Folgen einer Behandlung ermittelt. Die Ursachen liegen beispielsweise in der unzureichenden Kommunikation zwischen Arzt und Patient, mangelnder Hygiene oder einer Verwechslung von Patienten.

Die Teilnehmer der Befragung sehen Optimierungsmöglichkeiten vor allem in der Sicherheit der Arzneimitteltherapie. Verbesserungen seien auch durch den Einsatz digitaler Systeme zu erwarten. Durch ein besseres Fehler- und Risikomanagement könnte zudem die medizinische Versorgung in den Bereich Gewalt und Missbrauch sowie der Schmerztherapie optimiert werden.

Die Ärzte und Therapeuten wünschen sich zudem einen Abbau von Bürokratie, um mehr Zeit für die Behandlung ihrer Patienten, aber auch für eine kontinuierliche Weiterbildung zu haben.

Darüber hinaus wird das Netzwerk Patientensicherheit, dem 21 saarländische Verbände und Institutionen aus dem Gesundheitswesen angehören, das Ziel weiterverfolgen, die Gesundheitskompetenz der Saarländer zu stärken. Die Masterarbeit hat gezeigt, dass in erster Linie Sprachbarrieren und uninformierte Patienten zu Problemen bei der medizinischen Diagnose und Therapie führen können. Daher stellt das Netzwerk auf seiner Internetseite bereits Informationen in mehreren Fremdsprachen zur Verfügung. Aktuell hat das Netzwerk einen Flyer mit dem Titel „So bereiten Sie sich gut auf Ihren Arzttermin vor“ an die Seniorenbeiräte aller saarländischen Kommunen verteilt.