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Politik-Prominenz bei NS-Gedenkstätten-Tag
Umrisse des Grauens am Ex-Gestapo-Lager

2004 schufen die Architekten Nils Ballhausen und Roland Poppensieker das  „Hotel der Erinnerung“ an der Gedenkstätte Neue Bremm.
2004 schufen die Architekten Nils Ballhausen und Roland Poppensieker das „Hotel der Erinnerung“ an der Gedenkstätte Neue Bremm. FOTO: BeckerBredel
Saarbrücken. Die Initiative Neue Bremm stellt den vierten Bauabschnitt an der Gedenkstätte für die Opfer der NS-Verbrechen in Saarbrücken vor. dik und epd

Die letzten Zeitzeugen der Verbrechen der Nationalsozialisten sterben in Kürze, ebenso wie die letzten Überlebenden, die noch von den Gräueln, die sie erleiden mussten, berichten konnten. Damit die Erinnerung an das größte Verbrechen der Menschenheitsgeschichte, das Deutsche begangen haben,  wachgehalten wird, engagieren sich in Saarbrücken einige Bürger seit Jahrzehnten in der Initiative Neue Bremm. Denn an der Metzer Straße kurz vor der französischen Grenze befand sich Anfang der 1940er Jahre das Gestapo-Lager Neue Bremm, durch das etwa 20.000 Menschen vor allem aus Frankreich in die NS-Vernichtungslager im Osten geschleust wurden. In Saarbrücken wurden sie oft über Monate gequält, ehe sie weitertransportiert wurden, viele von ihnen bezahlten die unmenschliche Behandlung durch die Nazis mit ihrem Leben.


„Die Eröffnung des vierten Bauabschnitts der Gedenkstätte Gestapo-Lager Neue Bremm ist kein Schlussstrich für uns, sondern eine weitere wichtige Etappe in der Erinnerungsarbeit“, sagte jetzt Kurt Bohr, Sprecher der Initiative Neue Bremm zur bevorstehenden  Eröffnungsfeier an diesem Sonntag, 21. Oktober 2018 um 15.00 Uhr auf dem Gelände der Gedenkstätte Gestapo-Lager Neue Bremm. Bohr (SPD), einst Staatskanzleichef von Ministerpräsident Oskar Lafontaine und Saartoto-Direktor, berichtete, dass Landtagspräsident Stephan Toscani, Ministerpräsident Tobias Hans(beide CDU) , Bildungsminister Ulrich Commerçon und Saarbrückens Oberbürgermeisterin Charlotte Britz (beide SPD) Redebeiträge für den Festakt auf dem Gelände an der Zinzinger Straße 9 in Saarbrücken zugesagt hätten.

Nicht zuletzt durch die Forschungen von Elisabeth Thalhofer sei die „Entgrenzung der Gewalt“ im Saarbrücker Gestapo-Lager zum Begriff geworden, die manche Inhaftierten als  „Hölle von Saarbrücken“ bezeichnet und als schlimmer erlebt hätten als den Aufenthalt in den KZs Buchenwald oder Mauthausen. „Mit der Kennzeichnung der noch ausstehenden Häftlingsbaracken wird die tatsächliche Dimension des Lagers deutlich, gerade bei Führungen von Schulklassen wird die optische Erfassung der Lagerflächen bedeutend erleichtert“, erklärte  Burkhard Jellonnek (SPD), Leiter des Landesinstituts für Pädagogik und Medien und geschäftsführendes Mitglied der Initiative Neue Bremm.



Der Besuch von Gedenkstätten kann jedoch nach Auffassung des Antisemitismus-Experten Tom Uhlig die politische Bildungsarbeit in der Schule nicht ersetzen. Oft seien Lehrer schockiert, wenn ihre Schüler nach einem Besuch eines ehemaligen KZ antisemitische Sprüche oder Witze über Juden machten, sagte Uhlig am Donnerstagabend im Saarbrücker Rathaus. Die Gedenkstätten seien ein wichtiger Beitrag zur Erinnerungskultur. Auch seien die Schüler bei einem solchen Besuch meist sehr betroffen. Wichtig bleibe es jedoch auch, dass die Schüler im Unterricht mehr über die Wurzeln und Mechanismen des Antisemitismus lernten.

● Anmeldungen für die Eröffnungsfeier im Hotel Mercure Süd auf dem Gelände der Gedenkstätte werden von der Initiative Neue Bremm erbeten unter anmeldung@lpm.uni-sb.de.