Revolution im ÖPNV Die Saarbahn bekommt 28 Wasserstoffbusse

Saarbrücken · Die Wende zum emissionsfreien Busverkehr im Saarland beginnt. Die Saarbahn hat nun in Nordirland die ersten Wasserstoffbusse bestellt. Und eine Tankstelle.

 So sieht der Wasserstoffbus aus, den die Saarbahn in Irland bestellt hat.

So sieht der Wasserstoffbus aus, den die Saarbahn in Irland bestellt hat.

Foto: Wrightbus

Die Saarbahn GmbH hat 28 Wasserstoffbusse beim nordirischen Hersteller Wrightbus bestellt. Das teilte das Saarbrücker Verkehrsunternehmen am Montag mit. Ende des Jahres sollen die ersten fünf Busse ankommen. Damit ist die Saarbahn GmbH das erste saarländische Verkehrsunternehmen, das Wasserstoffbusse im Linienverkehr einsetzen wird.

Insgesamt 85 Busse

Bis Ende dieses Jahrzehnts steht gar die Neubeschaffung von insgesamt 85 emissionsfreien Solo- und Gelenkbussen an, wie das Unternehmen bereits 2022 ankündigte. Die Saarbahn GmbH ist Betreiber der meisten Buslinien im Regionalverband Saarbrücken und der Saarbahn (Stadtbahn). Der Busfuhrpark umfasst derzeit 138 Omnibusse. Dazu kommen 28 Bahnen. Zusammen mit der Saarbahn Netz GmbH beschäftigt die Saarbahn GmbH rund 580 Mitarbeiter und befördert jährlich etwa 43,7 Millionen Fahrgäste auf Straße und Schiene.

In den nun bestellten Bussen wandeln Brennstoffzellen Wasserstoff in Elektrizität um, die wiederum treibt einen Elektromotor an. Die einzigen Nebenprodukte der Brennstoffzellen sind Wärme und Wasser. Das Problem: Die Herstellung von Wasserstoff erfordert viel Energie, was die Umweltvorteile beeinträchtigen kann. Thomas Burgardt verantwortet bei der Saarbahn das Projekt „TraficHdeux“. Er sagte bereits 2022: „Um diese Planungen zu realisieren, benötigen wir künftig zunächst rund 255 Tonnen Wasserstoff pro Jahr – mit steigender Tendenz in den Folgejahren.“ 2030 würde der Wasserstoffbedarf der Saarbahn bei rund 775 Tonnen pro Jahr liegen.

Wasserstoff aus Fenne?

Wo kommt der her? Perspektivisch soll der Wasserstoff ab 2026 vom noch zu bauenden „HydroHub Fenne“ des Energieunternehmens Steag kommen. Dieser „grüne“ Wasserstoff soll die Tankstelle am Busbetriebshof der Saarbahn in der Malstatter Straße in Saarbrücken befüllen. Auch das Vergabeverfahren für die Tankstelle sei zwischenzeitlich erfolgreich abgeschlossen. Die Saarbahn will hier rund sieben Millionen Euro investieren. Auch die Tankstelle sei vom Bundesministerium für Digitales und Verkehr (BMDV) mit rund drei Millionen Euro gefördert – sie soll bis Ende des Jahres fertig sein. Bis sie steht, könnten die Busse wohl auch eine bestehende Tankstelle in Gersweiler nutzen.

Die Saarbahn GmbH investiert in die ersten 28 Busse nun insgesamt 16 Millionen Euro. Das BMDV fördert den Kauf mit acht Millionen Euro. Der Saarländer Oliver Luksic (FDP), Parlamentarischer Staatssekretär beim BMDV, hatte im März 2023 die Förderbescheide vorbeigebracht.

Europaweite Ausschreibung

Der Bestellung in Irland sei eine europaweite Ausschreibung vorausgegangen. Wrigthbus, seit 1946 am Markt, sei einer der Pioniere in der Herstellung von emissionsfreien Bussen –baut auch die (neuen) weltbekannten roten Doppeldeckerbusse für London. Auch die Regionalverkehr Köln (RVK) hat bei Wrightbus 60 Wasserstoffbusse bestellt. Die Saarbahn hat nun 28 des Modells Kite Hydroliner bestellt. Das Fahrzeug hat eine Reichweite von bis zu 1030 Kilometern und kann bis zu 90 Passagiere transportieren, ist unter zehn Minuten auftankbar. Die Busse werden am Hauptsitz von Wrightbus in Ballymena hergestellt.

Die ersten fünf Busse soll der Hersteller noch Ende dieses Jahres ausliefern, wie in der Pressemittelung steht. Torsten Burgardt erklärt: „Mit Wrightbus haben wir einen Partner gefunden, um möglichst schnell emissionsfreie Busse auf die Straßen Saarbrückens und der angrenzenden Region zu bringen. Wir nehmen unsere Umweltverantwortung sehr ernst, und dies ist der erste Schritt, um sicherzustellen, dass in den nächsten Jahren der erste Teil unserer Flotte aus emissionsfreien Bussen besteht, wie es die Clean Vehicle Directive der Europäischen Union vorschreibt.“ Die Richtlinie legt nationale Ziele für den Anteil sauberer Fahrzeuge in der öffentlichen Beschaffung fest.

„Unterstützung klarer Netto-Null-Ziele“

Jean-Marc Gales, Chief Executive von Wrightbus, sagt: „Dies ist ein bedeutender Deal für Wrightbus, die Saarbahn und die Menschen im Saarland. Wir freuen uns sehr, noch mehr emissionsfreie Busse zur Unterstützung klarer Netto-Null-Ziele bereitzustellen. Die Saarbahn ist das größte Verkehrsunternehmen im Saarland, daher wird die Ergänzung der Flotte um Wasserstoffbusse eine bedeutende positive Auswirkung auf die Umwelt der Region haben.“

Warum keine E-Busse?

Doch warum Wasserstoffbusse – und keine Elektrobusse? Dafür hat sich die Saarbahn GmbH bereits vor vier Jahren entschieden: Die Reichweite der Busse sei besser, sie seien unter zehn Minuten zu betanken, daher könne die Flottenanzahl und die Personalanzahl so bleiben, wie sie ist. Hätte die Saarbahn sich für Elektrobusse entschieden, hätte sie mehr Busse kaufen müssen und hätte mehr Personal einstellen müssen, um alle Linien wie bisher bedienen zu können, hieß es damals.

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