1. Saarland

Oblate mit hohem Symbolwert

Oblate mit hohem Symbolwert

Püttlingen. Hostien haben etwas Geheimnisvolles. Vor allem Kommunionskinder interessieren sich für dies alte christliche Symbol. Scharenweise besichtigen sie die Hostienbäckerei im Püttlinger Kloster. Hostien erinnern an die Flucht aus Ägypten. Schnell musste man aufbrechen, es blieb keine Zeit, um Teig für Brot zu säuern. Man rührte einen Teig aus Mehl und Wasser. So ist es heute noch

Püttlingen. Hostien haben etwas Geheimnisvolles. Vor allem Kommunionskinder interessieren sich für dies alte christliche Symbol. Scharenweise besichtigen sie die Hostienbäckerei im Püttlinger Kloster. Hostien erinnern an die Flucht aus Ägypten. Schnell musste man aufbrechen, es blieb keine Zeit, um Teig für Brot zu säuern. Man rührte einen Teig aus Mehl und Wasser. So ist es heute noch. In der Backstube im Klosterkeller wird nach alter Tradition gebacken, also quasi nach einem Rezept aus dem Alten Testament, Buch Exodus. 1958, mit der Eröffnung des Klosters Heilig Kreuz, ging auch die Backstube in Betrieb. Die Hostienbäckerei dient dem Unterhalt der Schwestern. 20 Jahre lang arbeitete man mit einer Art Waffeleisen. 1978 wurde eine Backmaschine mit Förderband angeschafft. Thomas Gottschalk, der oft und gern seine Tante, Schwester Hildegart, hier im Kloster besuchte, hat bei der Finanzierung kräftig mitgeholfen. Gebacken wird nach Bedarf. In der Weihnachtszeit und jetzt vor Ostern ist Hochsaison. Schwester Elisabeth steigt in aller Frühe zwischen fünf und sechs Uhr in der Backstube hinunter. Zwei junge Schwestern aus Indien und ehrenamtliche Laien unterstützen sie. Im Flur stapeln sich große Mehlsäcke.Das Mehl kommt zusammen mit Wasser in einen Bottich und wird durch einen Schlauch in eine große Rührmaschine gesogen. Die Backmaschine wartet im Raum dahinter. Bei 180 Grad wird der Teig in zwei Minuten zur Platte gepresst und gebacken. Nicht hauchfeine, sondern etwas dickere sogenannte Brot-Hostien kommen aus Püttlingen.

Sieben Millionen Hostien in Tüten zu tausend Stück gehen pro Jahr von Heilig Kreuz in saarländische Pfarreien und auch bis Luxemburg. Bei einem Großauftrag aus Baumholder - die Bundeswehr orderte 100 000 Stück auf einmal - setzte sich Schwester Elisabeth persönlich ans Steuer und übernahm die Auslieferung.

Die umliegenden Pfarreien holen die Hostien ab, der Rest geht per Post raus. Bis es soweit ist, vergehen Wochen und Monate. Die Hostienplatten müssen zuerst in den Trockenbunker. Platte an Platte liegen sie in den Regalen. Ein Luftbefeuchter sorgt für die richtige Konsistenz. Danach kommen sie im Stapel zum Glattpressen in den Schrank. Die Hostienplatten sehen wie Backpapier aus und sind im Prinzip ewig haltbar. Bei der Besichtigung gibt es für alle ein Stückchen zum Kosten. Mühsam ist das Ausstanzen, Sortieren, Zählen. Jede Hostie wird begutachtet, geschaut, ob sie heil und glatt ist. Mehr als drei, vier Stunden geht das nicht. Länger können sich die Augen nicht konzentrieren. hof

Gruppen können die Hostienbäckerei im Kloster Heilig Kreuz besichtigen. Infos unter Tel. (0 68 98) 6 90 89 00 im Geistlichen Zentrum.