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NVG-Busse auf der Überholspur

NVG-Busse auf der Überholspur

Kreis Neunkirchen. Ab 1. Januar müssen sich die Bus-Kunden im Kreis Neunkirchen farblich umstellen: Das Rot/Weiß der Saarpfalz-Bus GmbH verschwindet, das Grün/Grün der Neunkircher Verkehrs GmbH (NVG) wird dominieren

Kreis Neunkirchen. Ab 1. Januar müssen sich die Bus-Kunden im Kreis Neunkirchen farblich umstellen: Das Rot/Weiß der Saarpfalz-Bus GmbH verschwindet, das Grün/Grün der Neunkircher Verkehrs GmbH (NVG) wird dominieren. Grund: Drei so genannte Linienbündel laufen zum Jahresende aus und waren vom als Aufgabenträger zuständigen Landkreis Neunkirchen gemäß der EU-Verordnung 1370 aus dem Jahr 2007 ausgeschrieben worden. Dabei setzte sich die NVG als günstigster Bieter gegen den bisherigen Betreiber Saarpfalz-Bus sowie einen privaten Bewerber durch.Das bedeutet: Nach dem Jahreswechsel übernimmt die NVG die drei Bündel mit insgesamt 18 Linien im Großraum Eppelborn, Lebach, Illingen, Ottweiler. Es handelt sich dabei um Kreisbuslinien, Gemeindebuslinien und "Schulverstärkerlinien" im Schülerverkehr. Mit Ausnahme von zwei Regionalbuslinien bedient die NVG damit ab 1. 1. 2013 den gesamten öffentlichen Busverkehr im Kreis Neunkirchen.

Für die Kunden ändere sich dabei im Wesentlichen nichts, sagte NVG-Geschäftsführer Pascal Koch, als jetzt das neue Konzept der Presse vorgestellt wurde. Die Fahrpreise nach dem Saar-VV-Tarif bleiben unverändert. Zeitkarten gebe es künftig ausschließlich in den NVG-Agenturen, nicht mehr im Bus. Bei Abfahrtzeiten und Taktung könne es zu geringen Verschiebungen kommen. Im Dezember erscheine ein neuer Taschenfahrplan, der alle neuen Linien beinhalte, so Koch weiter. Ein eigener Schülerfahrplan, sortiert nach Schulen, werde ins Internet gestellt und auch als App angeboten. Die neuen Linien würden auch über Flyer, denen ein "Schnupperticket" beigelegt sei, bekannt gemacht.

"Das Ganze ist natürlich eine logistische Herausforderung für uns", so Koch. So werde das Betriebsvolumen der Neunkircher Verkehrsgesellschaft um etwa 30 Prozent zunehmen. Konkret: Aus den bisherigen rund drei Millionen "Fahrplan-Kilometern" werden fast vier Millionen. Etwa 600 Haltestellen werden übernommen, 35 zusätzliche Busse müssen eingesetzt werden. Letzteres könne die NVG natürlich nicht über den eigenen Fuhrpark abdecken, betont Koch. Deshalb würden etliche Subunternehmer einbezogen. Auch müsse die NVG laut Ausschreibung zehn Mitarbeiter der Saarpfalz-Bus übernehmen.

Was für NVG wie Subunternehmen gilt: Sie müssen soziale Mindest-Standards einhalten, die der Kreistag vorgegeben hat. Das bedeutet, dass der "Tarif-Vertrag Nahverkehr" als für die Beschäftigten günstigster Tarifvertrag angewendet werden muss. "Es hat sich gezeigt, dass das finanziell verantwortbar und praktikabel ist", versicherte Landrätin Cornelia Hoffmann-Bethscheider. Es sei richtig und wichtig, dass der Kreis Neunkirchen hier eine Vorreiterrolle spiele. Im Übrigen betont Hoffmann-Bethscheider ihre beiden strikt getrennten Rollen bei der Sache: Der Kreis als Ausschreibender nach EU-Verordnung habe nicht den geringsten Berührungspunkt mit dem Kreis als Gesellschafter (40 Prozent) der NVG. Die anderen 60 Prozent hält die Stadt Neunkirchen.

"Die neue Konstruktion stärkt die wirtschaftliche Stellung der NVG und sichert Arbeitsplätze", sagte Neunkirchens Oberbürgermeister Jürgen Fried. Die NVG geht - zusammen mit dem angegliederten "Fahrzeug-Service Neunkirchen" (FSN), der größten Bus-Reparaturwerkstatt im Saarland - auf eine Zahl von 200 Mitarbeitern zu. Fried wies auch darauf hin, dass die NVG zu den zehn kostenmäßig bestgeführten Stadtverkehrsunternehmen in Deutschland zählt. Der Kostendeckungsgrad liege mit 90 Prozent weit über dem Bundesdurchschnitt. Dennoch bleibt der öffentliche Personennahverkehr, der im Zuge der Daseinsvorsorge auch unrentable Strecken bedient, ein politisch gewolltes Millionen-Zuschussgeschäft. Allein der Kreis als Minderheitsgesellschafter wird der NVG 2013 mit etwa 820 000 Euro unter die Arme greifen, war aus der Kreis-Kämmerei zu erfahren.

Hintergrund

Weil die Vergabe der Buslinien im Kreis seit einigen Jahren nach EU-Recht erfolgen muss, wurde im Sommer die Rechtsform der NVG geändert: Aus der Aktiengesellschaft (AG) wurde eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH). Anders als eine AG können die beteiligten Behörden (Stadt und Kreis Neunkirchen) eine GmbH juristisch gesehen kontrollieren wie eine eigene Dienststelle. Dies wiederum ist Voraussetzung dafür, dass Aufträge wie jetzt die Buslinienvergabe direkt an das Unternehmen vergeben werden können. Andernfalls wäre eine EU-weite Ausschreibung notwendig. gth