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"Nur versehentliche Beschäftigung"

"Nur versehentliche Beschäftigung"

Saarbrücken. Marcus Breit, 42, ein Fachmann für Entsorgungsfragen, sieht einem Arbeitsgerichtsprozess entgegen, dessen Vorgeschichte von Kuriositäten nur so wimmelt. Doch zum Lachen ist es Breit (Foto: prisma), der mehrere Jahre die Niederlassung der Saarbrücker Abfallwirtschaftsgesellschaft (ASS) in Luxemburg geleitet hat, schon lange nicht mehr zumute

Saarbrücken. Marcus Breit, 42, ein Fachmann für Entsorgungsfragen, sieht einem Arbeitsgerichtsprozess entgegen, dessen Vorgeschichte von Kuriositäten nur so wimmelt. Doch zum Lachen ist es Breit (Foto: prisma), der mehrere Jahre die Niederlassung der Saarbrücker Abfallwirtschaftsgesellschaft (ASS) in Luxemburg geleitet hat, schon lange nicht mehr zumute.

Ihm war im Spätherbst 2007 gleich zwei Mal, von der ASS und von den Saarbrücker Stadtwerken, gekündigt worden. Den Arbeitsgerichtsprozess hatte er im Sommer 2008 deutlich gewonnen. Nach einer Berufung durch die Stadtwerke geht es für Breit vor dem Landesarbeitsgericht am nächsten Mittwoch ums Ganze.

Begonnen hatte der Fall damit, dass Breit, allein erziehender Vater eines inzwischen zehnjährigen Sohnes, angeblich eigenmächtig in die Kasse der ASS gegriffen hatte, um eine Reinigung seines Dienstfahrzeugs, das er auch für private Zwecke nutzen durfte, zu bezahlen. Dazu hieß es im Kündigungsschreiben der Stadtwerke: "Sie haben eingeräumt, den Betrag für die Reinigung des Fahrzeugs eigenmächtig und ohne Genehmigung abgehoben zu haben, weil Sie der Ansicht sind, dass dieser Ihnen zustehe. Mit dieser betrügerischen Tat haben Sie Ihre arbeitsvertraglichen Pflichten schwerwiegend verletzt."

Doch Breit, der nach zwölf Jahren im öffentlichen Dienst 1998 zur ASS gewechselt war, sieht die Kosten für die Reinigung seines Autos nur als vorgeschobenen Grund für die Kündigung an - ebenso wie der Arbeitsrichter. Wichtiger war offenbar, dass er darauf drängte, nicht mehr über die Niederlassung der ASS in Luxemburg bezahlt zu werden, sondern als Angestellter der Vertriebsabteilung der Stadtwerke in Saarbrücken, wo er im Jahr 2004 durch eine Änderung seines Arbeitsverhältnisses hin beordert worden war. Breit: "Ich sagte meinem Chef, dass es an der Zeit sei, mich in Luxemburg von der Sozialversicherung und der Lohnsteuer abzumelden, da ich nur noch in Saarbrücken tätig war." Doch nun kam es zu Differenzen. Breit drängte auf eine Ummeldung nach Saarbrücken, weil er nicht des Sozialversicherungsbetrugs und der Steuerhinterziehung in Luxemburg bezichtigt werden wollte. Sein Chef war dagegen, weil eine Verrechnung des zusätzlichen Gehalts das Ergebnis der Abteilung negativ beeinflussen würde. In diesem Konflikt kam es am Ende zur Kündigung.

Als Breit gegen die Kündigung vorgehen wollte, wurde es kurios. Denn jetzt bekam er den Bescheid, er sei ja Angestellter der ASS, nicht der Stadtwerke. Außerdem fochten die Stadtwerke ihre eigene Verfügung an, mit der die ASS zum April 2004 in die Stadtwerke eingegliedert wurde. Hierbei handele es sich um einen "Irrtum". Breit sei "versehentlich für dreieinhalb Jahre" beschäftigt worden. Wegen des schwebenden Verfahrens war von den Stadtwerken keine Stellungnahme zum Fall Breit zu bekommen.