Saarländischer Staatspreis Design: Nur gut auszusehen reicht nicht

Saarländischer Staatspreis Design : Nur gut auszusehen reicht nicht

Zum 14. Mal wurde der Saarländische Staatspreis für Design verliehen. Erstmals gab es den Nachwuchspreis Architektur.

Wenn die Kreativwirtschaft sich feiert, dann tut sie das am Liebsten an einem Ort mit außergewöhnlichem Ambiente und Design. Innovationsfähigkeit soll er ausstrahlen,  denn davon lebt diese Branche. Angesagt ist deshalb das neue „East Side Fab“ (,,Fab“ als Wort-Kombination aus Fabrik und Labor), einer ehemaligen Produktionshalle auf dem Gelände der Mecedes Benz-Niederlassung am Eschberger Weg in Saarbrücken. Dort sind die Decken hoch  – und die „Denkräume“ entsprechend weit. Genau das Richtige also für diese Preisverleihung, wie Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger (SPD) befand. Im „East Side Lab“  wurde am Dienstagabend also zum 14. Mal  der Staatspreis Design und zum ersten Mal der Nachwuchspreis Architektur verliehen – zu hippen Häppchen und anschließender DJ-Musik.

Angesichts der großen Zahl an Preisträgern – es gab allein sieben Staatspreis-Design-Gewinner und vier Anerkennungen – und deren origineller, aber aufwändiger Würdigung mit Kurzfilmen, die das K8 Institut für strategische Ästhetik als Organisator von Wettbeweb und  Feier bei „framekit“, einem ehemaligen Staatspreisträger, beauftragt hatte, uferte die „Feierstunde“ allerdings in eine über dreistündige Veranstaltung aus, die dem Publikum viel Geduld abverlangte. Wurde der festliche Rahmen doch auch gleich noch für die erstmalige Verleihung des Nachwuchspreises für Architektur genutzt, mit dem drei junge Architekten ausgezeichnet wurden, neben zwei Anerkennungen (Preisträger siehe Infokasten).

Bei so viel geballter Kreativität und innovativem Potenzial fällt es schwer, ein einzelnes Projekt herauszustellen. Denn alles, was vorgestellt wurde kann sich sehen lassen – vom ansprechenden „Pastis de la Sarre“-Flaschenetikett bis zum organisch geschwungenen Möbelstück. Die Wirtschaftsministerin sprach denn auch von der „Designkompetenz als Wettbewerbsfaktor und Aushängeschild für den Kreativ-Standort Saarland“, denn schließlich könne man nicht nur auf die Schwerindustrie setzen.

Die Jurys für beide Preise zeigten sich sehr zufrieden mit den Einreichungen. 40 Beiträge waren um den Staatspreis Design ins Rennen gegangen, 22 Teilnehmer hatten sich für den Architekturpreis beworben, der für die ersten drei Plätze jeweils mit ein paar hundert Euro dotiert ist. Der Staatspreis Design hingegen ist reine Ehrensache, Geld gibt es nicht, lediglich drei Teilnehmer-Workshops werden angeboten. Die Gewinner können ihre Produkte mit dem Preis  bewerben und hoffen, dass die Auszeichnung ihnen im nationalen und internationalen Wettbewerb hilft.

Bewertet wurden die Einreichungen aus den Bereichen Produktdesign, Kommunikationsdesign und Prozessgestaltung nach Gestaltungsqualität, Innovationsgrad, Umweltverträglichkeit, Verarbeitung, Materialwahl und Funktionalität. Im Zuge der zunehmenden Digitalisierung aller Lebensbereiche zählte in diesem Jahr erstmals auch die Verknüpfung von Gestaltung, Produkt und Datenraum. Denn einige der prämierten Projekte wie zum Beispiel die „formbar“-Möbel von Okinlab oder die „Mytabelware“-Kollektion von Villeroy & Boch kommen ohne online-Konfiguration durch die Kunden gar nicht aus. Das heißt: Kunden kreieren ihr Produkt ganz individuell nach eigenen Wünschen am Computer, bevor es dann in die Produktion geht. Je ortsnäher diese stattfindet, desto klimafreundlicher das Produkt – und desto bessere Chancen auf eine Auszeichnung.

Luftige Loft-Atmosphäre im East Side Fab, wo die Preisverleihung stattfand. Foto: Oliver Dietze

Der Nachwuchspreis Architektur, den das Wirtschaftsministerium zusammen mit der Architektenkammer des Saarlandes und der Hochschule für Technik und Wirtschaft Saar (HTW) erstmalig verlieh, drehte sich um das Thema „Arbeitswelten der Zukunft“. Die Ideen, die von HTW-Studierenden und jungen Absolventen eingereicht wurden, waren allesamt spannend. Vor allem das vielschichtige Gewinner-Projekt „Holy Hill“ von Nicolas Andre faszinierte: Er entwarf ein Datenzentrum mit flexibler Museumsnutzung für eine saarländische Bergehalde. Es wäre  Teil einer „SaarlandCloud“ in einer verstörenden Zukunft, in der die Menschen die Kontrolle über ihre Daten abgegeben haben.

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