Nur die Chemie, die mag sie nicht Sportanlage in katastrophalem Zustand

Nur die Chemie, die mag sie nicht Sportanlage in katastrophalem Zustand

Dudweiler. Sie ist jung. Sie ist hübsch. Sie ist selbstbewusst. Und sie ist schnell - verdammt schnell sogar. Die Rede ist von Laura Müller aus Dudweiler. Vor einigen Wochen pulverisierte die 14-jährige Leichtathletin aus Dudweiler den über 20 Jahre alten Rekord über 300 Meter Hürden

Dudweiler. Sie ist jung. Sie ist hübsch. Sie ist selbstbewusst. Und sie ist schnell - verdammt schnell sogar. Die Rede ist von Laura Müller aus Dudweiler. Vor einigen Wochen pulverisierte die 14-jährige Leichtathletin aus Dudweiler den über 20 Jahre alten Rekord über 300 Meter Hürden. Und dann stellte sie bei den Saarlandmeisterschaften im Blockwettkampf Lauf mit 2645 Punkten eine neue Bestmarke auf. Weitere Rekorde sind nicht nur nicht ausgeschlossen, sondern äußerst wahrscheinlich.

"Vor dem Wettkampf bin ich immer sehr aufgeregt", erzählt die Schülerin des Gymnasiums am Rotenbühl, "aber wenn ich mich warmlaufe, fällt das von mir ab. Dann bin ich konzentriert." Bis zu vier Trainingseinheiten absolviert Laura in der Woche. "Da bleibt natürlich nicht immer viel Zeit für andere Sachen. Viele meiner Freundinnen und Freunde kommen halt auch aus dem Sport, das macht es einfacher", sagt die Sportlerin: "Meine beste Freundin hat aber gar nix mit Sport zu tun." Mit ihr "hängt sie oft ab", geht shoppen, ins Kino oder ins Schwimmbad.

"Sie ist eigentlich ein ganz normaler Teenager mit den täglichen Dramen und Katastrophen", sagt Mutter Sibille: "Aber sie ist schon sehr abgeklärt und zielorientiert. Sie weiß, was sie will und was sie nicht will."

Auch die ein Jahr ältere Schwester Clara treibt Sport, ist aber laut der Mutter "nicht so ehrgeizig."

Laura hat die Querflöte für den Sport an den Nagel gehängt. Die Schule leidet unter dem Training und den gerade im Sommer zahlreichen Wettkämpfen dagegen nicht. "Wenn man Sport macht, kann man sich auch in der Schule gut konzentrieren'', betont die 14-Jährige, "ich mag Sport, Sprachen, und auch Mathe klappt ganz gut. Nur Chemie ist etwas anstrengend."

Abends im Bett wird meistens noch gelernt, Bücher lesen fällt deswegen eher aus. "Ich mag Musik, R&B und was in den Charts läuft", sagt Laura, deren berufliche Zukunft noch völlig offen ist. "Ich wollte mal Tierärztin werden. Momentan denke ich an Physiotherapeutin, es könnte aber auch was in Richtung Medizin werden."

Für Laura Müller ist klar, dass der Sport sie ein Leben lang begleiten wird, wo er sie hinführt, wird man sehen. "Natürlich träumt man davon, einmal bei Europa- oder Weltmeisterschaften starten zu können", gesteht die Athletin der DJK Dudweiler, "aber solche Träume sind weit weg. So lange der Sport Spaß macht, bleibe ich dabei. Und dann versuche ich natürlich, so gut wie möglich zu sein." Dudweiler. Das Gras auf der Wiese hinter dem ehemaligen Dudweiler Gymnasium ist fast einen Meter hoch. Die Anlagen sind in unfassbarem Zustand und werden zudem gern als Hundetoilette missbraucht. Dass unter diesen Bedingungen Breiten- und Leistungssport möglich ist, scheint unglaublich. "Wir haben mit Regina Dick, Tobias Blum, Anna Hartung, Jessica Josch und Laura Müller Athletinnen und Athleten, die im Landeskader stehen", sagt Franz-Josef Reinhardt, Abteilungsleiter Leichtathletik bei der DJK Dudweiler, "insgesamt kümmern wir uns um 160 Sportler, fast alles Jugendliche. Dafür haben wir den Hermann-Neuberger-Preis bekommen."

Der Verein unterhält Kooperationen mit den Dudweiler Grundschulen, holt die Kinder von der Straße und leistet gesellschaftliche Integrationsarbeit. Doch öffentliche Unterstützung ist Mangelware.

"Trainingszeiten an der Sportschule müssen wir bezahlen und können sie nur für Kinder anbieten, die auf der saarländischen Bestenliste stehen", erklärt Reinhardt, "die Miete für die Halle am LPM soll verdoppelt werden, die Außenanlagen sind in katastrophalem Zustand. Es ist schwer, die Leute bei der Stange zu halten, gerade wenn die Trainingsbedingungen so sind, wie hier."

Dass es bei der DJK Dudweiler trotzdem klappt, liegt am Idealismus von Trainern, Betreuern Eltern und Sportlern. Der Stadt jedoch scheinen die elenden Bedingungen der Dudweiler Leichtathleten noch nicht aufgefallen zu sein. cor