Nur der Wald fehlt ihm

Nur der Wald fehlt ihm

Kreis Neunkirchen/Damp. Den eigenen Horizont erweitern. Die weite Welt entdecken. Nach dem Glück greifen. Das alles hatte sich Helmut Schmidt aus Wemmetsweiler vor über 40 Jahren vorgenommen. 1969 zog der gelernte Textilkaufmann mit einer "guten Portion Abenteuerlust" in die Ferne. Aber nicht einfach ins Blaue. "Das Ganze sollte in materiell gesicherten Bahnen ablaufen

Kreis Neunkirchen/Damp. Den eigenen Horizont erweitern. Die weite Welt entdecken. Nach dem Glück greifen. Das alles hatte sich Helmut Schmidt aus Wemmetsweiler vor über 40 Jahren vorgenommen. 1969 zog der gelernte Textilkaufmann mit einer "guten Portion Abenteuerlust" in die Ferne. Aber nicht einfach ins Blaue. "Das Ganze sollte in materiell gesicherten Bahnen ablaufen. Ich entschied mich für die Bundesmarine." Und er landete nicht nur beruflich am Wasser. Heute ist der 61-Jährige im Ostseebad Damp in Schleswig-Holstein zuhause - und er fühlt sich dort wohl.Neun Autostunden von der alten Heimat entfernt lebt der Pensionär mit seiner Frau Edith in einem "eigenen kleinen Reihenendhaus" in dem Urlaubsort auf der Ostsee-Halbinsel Schwansen. Mit Edith habe er "das beste Stück Saarland" immer bei sich, sagt er. Seine Frau stamme auch aus Wemmetsweiler und teile sein Leben seit rund 40 Jahren. Und dieses Leben war abwechslungsreich.

Helmut Schmidt begann seinen Dienst bei Hamburg, und schon bald zog es ihn nach Schleswig-Holstein. 1972 bezog das Paar, das zwei Töchter und drei Enkelkinder hat, seine Wohnung in Jagel, aber auch dabei blieb es nicht lange. Der Soldat Schmidt wurde versetzt und die Familie ging mit, nach Bad Ems (1974), ins Nato-Hauptquartier nach Mons/Belgien (1986), nach Kappeln in Schleswig-Holstein (1990). Auch in den USA war Schmidt stationiert. In Kappeln - Damp ist nicht weit entfernt - blieb er, beim Stab der Minensuchflottille, bis zur Pensionierung 2004.

Auslandseinsätze führten ihn 2002 nach Sarajevo und 2003 nach Kabul. Schmidt hat die Welt entdeckt, wie er es sich gewünscht hatte. Und er hat sich im Norden längst eingelebt. "Wir haben einen kleinen Freundeskreis, der sich aus Leuten zusammensetzt, die ebenfalls aus einem anderen Bundesland 'immigriert' sind", erzählt der Auswanderer, dem auch das Wetter an der Waterkant zusagt - zumindest manchmal. Immer noch nicht gewöhnt habe er sich an die "Stürme, die meist im Frühjahr übers Land ziehen. Aber im Sommer, wenn auch viele Touristen die Region bevölkern, lässt es sich hier gut leben. Dann sind wir sehr viel mit dem Fahrrad unterwegs." Was dem Saarländer aber fehlt: der Wald. "So wie der im Saarland." Für Ersatz sorge die Ostsee, überhaupt sei die Landschaft zwischen Eckernförder Bucht und Schlei, in der übrigens die Fernsehserie "Der Landarzt" gedreht werde, zu genießen. Die Gegend schätzt der Naturmensch und Hobbyfotograf.

Damp (hier der Yachthafen) liegt mitten in einer Urlaubsregion.

Kontakt zur Heimat habe er über die vielen Saarländer, die am Ostseestrand Urlaub machen. "Das ist für uns die Chance, die Versorgung mit Schwenkern und anderen Grillkostbarkeiten sicher zu stellen", berichtet Schmidt schmunzelnd. "Damit können wir dann bei unseren Freunden richtig punkten." In die Heimat zieht es das Ehepaar Schmidt auch regelmäßig, zum Besuch der Verwandten oder zum Wandern. Und zum "Schwätzen" - eine willkommene Abwechslung in einem Leben unter Norddeutschen, denen oft nur ein "Moin, moin" zu entlocken sei. Eines steht für Helmut Schmidt noch nach 40 Jahren in der Ferne fest: "Heimat bleibt Heimat. Und an die vielen schönen Stunden, die ich im Saarland verbracht habe, denke ich immer gerne zurück. Sollte ich nochmal zur Welt kommen, dann bitte im Saarland und als Sohn eines guten Schwenkers."

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