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Nur das Meer fehlt ihm ein wenig

Nur das Meer fehlt ihm ein wenig

Saarlouis. Er wurde an der Côte d'Azur geboren, ging in Orléans zur Schule, arbeitete später in Paris, Afrika und der ganzen Welt - aber sein Herz hängt an Saarlouis. Michel Bouchon hat heute seinen Platz im Saarlouiser Rathaus gefunden. Der 64-Jährige ist seit sieben Jahren französischer Konsul und hilft deutschen und französischen Mitbürgern

Saarlouis. Er wurde an der Côte d'Azur geboren, ging in Orléans zur Schule, arbeitete später in Paris, Afrika und der ganzen Welt - aber sein Herz hängt an Saarlouis. Michel Bouchon hat heute seinen Platz im Saarlouiser Rathaus gefunden. Der 64-Jährige ist seit sieben Jahren französischer Konsul und hilft deutschen und französischen Mitbürgern.Als 16-Jähriger verließ Bouchon seinen Heimatort Mentan und ging an eine Militärschule. 1966 folgte dann die Versetzung nach Saarlouis. "Das war der erste Kontakt mit der Freiheit, denn ab da stand ich fernab der Heimat auf eigenen Beinen", erinnert sich Bouchon. Die noch fremde Stadt hatte ihn schnell in ihren Bann gezogen. "Es herrschte eine schöne Stimmung. Die Leute waren sehr nett und es gab wenig Probleme." Auch seine große Liebe, mit der er heute noch verheiratet ist, fand er hier. Kein Wunder, dass er es zwei Jahre später als Strafe empfand, wieder zurück nach Frankreich zu müssen. "Bevor ich wenig später nach Afrika geschickt wurde, habe ich sie aber geheiratet. Natürlich im Saarlouiser Rathaus", erzählt er strahlend.

1975 führte es Bouchon zurück ans Mittelmeer. "Es ist fantastisch dort. Aber Saarlouis ist mir lieber. Nur das Meer fehlt ein wenig." Von 1985 bis 88 reiste er mit dem Pariser Bürgermeister durch die ganze Welt. Vor zwölf Jahren beendete Bouchon seine Militärkarriere und ist seitdem in Rente. Seit 2008 lebt er mit seiner Frau in Neuforweiler. "In Saarlouis lebt es sich so einfach. Hier hat man fast alles." Fast, denn in seiner Brust schlägt ein geteiltes Herz. Die französische Kultur nimmt immer noch einen großen Teil seines Lebens ein. "Ich bin kein Royalist, aber es ist schön, dass die Stadt den Namen unseres Königs trägt. Man sieht die französischen Wurzeln überall und man spürt das französische Flair."

Seit er 2004 das Amt des französischen Konsuls von Odile Villeroy übernommen hat, nehmen immer mehr Leute seine Hilfe in Anspruch. Im vergangenen Jahr sprachen 400 Besucher in seinem Büro vor. Dass das nicht immer einfach ist, gibt er offen zu. Es gebe große Sprachprobleme und komplizierte Verwaltungsvorgänge. Bereits sein erster Fall in dem damals neuen Amt bereitete ihm Kopfzerbrechen. Morgens in seinem Büro fand er ein Paket. Später stellte sich heraus, dass die deutsche Polizei es von einem französischen Fahrer beschlagnahmt hatte und nicht wusste, wie es damit weitergehen sollte.

Offiziell ist Bouchon jeden Dienstag in seinem Büro, aber auch außerhalb der Sprechzeiten ist er für Menschen mit Problemen da. "Das bedeutet zwar weniger Zeit für die Familie, aber dafür mehr für andere. Und wenn ich es nicht tue, wer hilft ihnen dann?" Ein Mann, ein Wort und eine Menge Engagement für seine Wahlheimat und deren Einwohner.

Sprechzeiten: Dienstags, von 14.30 bis 16.30 Uhr, im Saarlouiser Rathaus. Auskünfte unter Telefon (0 68 31) 29 36.