1. Saarland

Nostalgische Atmosphäre vor der Leinwand

Nostalgische Atmosphäre vor der Leinwand

Bous. Als "das jemütlichste Kino der Welt" habe der Musiker Wolfgang Niedecken es nach einem Konzert bezeichnet, erzählt Kinobesitzer Peter Martin. "Er hat mir dann auf die Schulter geschlagen und gemeint, das kannst du jetzt als Werbung nehmen

Bous. Als "das jemütlichste Kino der Welt" habe der Musiker Wolfgang Niedecken es nach einem Konzert bezeichnet, erzählt Kinobesitzer Peter Martin. "Er hat mir dann auf die Schulter geschlagen und gemeint, das kannst du jetzt als Werbung nehmen."Noch immer herrscht im Bouser Thalia eine nostalgische Atmosphäre, mit Tischlampen an den Plätzen, viel Beinfreiheit und ausreichend Abstand zur Leinwand. "Wir haben zwar immer wieder renoviert und modernisiert", stellt Martin dar, "aber die Atmosphäre hier, das war uns wichtig, die zu erhalten". Und technisch sind sie auf dem neuesten Stand, digital mit 3-D und 6-Kanal-Dolby.

Der Ursprung des Bouser Kinos lag in der Stummfilmzeit. Ab 1924 betrieb Martins Großvater das Union-Theater in der Kirchstraße, 1957 eröffnete Vater Herbert Martin in der Saarbrücker Straße das Thalia. Beim 50. Jubiläum 2007 ging es dann auch um Nachfolge und Weiterführung. "Ich habe sozusagen mein Hobby zum Beruf gemacht und bin richtig zufrieden damit."

In der dritten Generation im Familienbesitz ist das Thalia heute. Ehefrau Marion sei dabei der gute Geist im Hintergrund. Mittlerweile kämen sogar Besucher aus Wadern und St. Wendel, sagen beide. Auch der nahe Bahnhof wirke sich immer wieder positiv aus. "Da kommen Klassen sogar von Dudweiler mit dem Zug, um hier ins Kino zu gehen." Denn im Thalia laufen neben großen Kinoerfolgen noch anspruchsvolle Werke.

Dazu gehören zum Beispiel Dokumentationen, Kinder- und Jugendfilme sowie Filme im Rahmen von "Rollenwechsel - Kirche im Kino". Bei verschiedenen Projekten ist das Bistum Trier mit im Boot. Weitere Partner sind die Katholische Erwachsenenbildung Bous, die Pfarrei St. Peter, die evangelische Kirchengemeinde Schwalbach und die Kreisvolkshochschule Bous.

Über 450 Sitzplätze waren es einmal, heute sind es noch 141. Um die Vielfalt zu vergrößern und auch mehr Möglichkeiten für Kleinkunst zu bieten, soll nun ein zweiter Saal her. Entstehen soll der links vom bestehenden Kino. Dort liegt derzeit etwa drei Meter unter dem Gehwegniveau ein lang gestreckter Parkplatz. "Wir hatten schon eine Tiefgarage überlegt, aber für nur rund ein Dutzend Stellplätze sprengt das den Kostenrahmen."

Der aktuellen Planung nach lägen die neuen Sitzplätze etwa auf Höhe des heutigen Parkplatzes, der Vorführraum darüber auf Gehweghöhe. "Keine 1:1-Kopie" werde der neue Saal, versichert Martin. Ein bisschen kürzer sogar, jedoch mit fester Bühne für Bands und Kleinkunst und ebenfalls mit der gewohnten Atmosphäre. Gute Chancen sieht Peter Martin damit auch für Bous. Denn das kulturelle Angebot der Gemeinde ließe sich erweitern und mit bestehenden Angeboten im Umfeld vernetzen.