1. Saarland

"Noch verdammt viel zu tun"

"Noch verdammt viel zu tun"

Pachten. Der "Europäische Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung" am 5

Pachten. Der "Europäische Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung" am 5. Mai ist für Wilfred Kiefer aus Dillingen jedes Jahr eine Aufforderung: Der Dillinger möchte die Menschen dazu animieren, behindertengerecht zu parken, die Augen offen zu halten für behindertenfeindliche Baumaßnahmen; am besten gleich zu verhindern, dass aus Gedankenlosigkeit ein für viele Menschen unüberwindliches Hindernis wird.Kiefer steht besorgt auf dem Pachtener Marktplatz. Er deutet auf die gleichmäßig schwarzen Stufen vor der Kirche. "Sehen Sie die fehlenden Stufenmarkierungen? Stellen Sie sich vor, Sie würden nicht gut sehen. Da sehen Sie die Treppen kaum", sagt er und legt einen weißen Streifen auf die Stufenkante. Nun unterscheiden sich die Stufen deutlich voneinander. Es sind diese Kleinigkeiten, die das Leben von Behinderten sehr erleichtern.

Der 78-Jährige versucht, die Barrierefreiheit in Dillingen und Umgebung voranzutreiben. Er zeigt auf die Kettengeländer am Marktplatz. Hängen diese zu tief, können Sehbehinderte leicht darüber fallen.

Hier am Pachtener Marktplatz wird er am Samstag, 5. Mai, acht bis zwölf Uhr, einen Infostand haben. Er will die Aufmerksamkeit für Anliegen von Menschen mit Behinderungen erhöhen. Der Dillinger wird eine Bildwand zeigen, auf der man gute und - mehr - schlechte Beispiele sieht: Zugeparkte Gehwege und abgesägte Pfosten, in die Gehstöcke geraten können. Lose oder herausstehende Steine. Schlecht aufgestellte Mülltonnen und große Container. "Überall geht es zu den Lasten der Schwächsten", sagt der 78-Jährige.

Sein Engagement kam plötzlich, als seine Frau von einem zum anderen Tag im Rollstuhl saß. Da waren Fragen wie: Wie kommt man mit dem Rollstuhl da durch? Wie sollen Blinde das erkennen? Er wurde Mitglied im Arbeitskreis "Barrierefreies Dillingen". Kiefer berät Bauleiter, hilft bei den Planungen. "Lösungen sind mein Beruf", sagt der frühere Qualitätsmanager lächelnd.

"Noch verdammt viel zu tun"
 Mit Rollstuhl oder Rollator kommt hier keiner durch. Fotos: Wilfred Kiefer
Mit Rollstuhl oder Rollator kommt hier keiner durch. Fotos: Wilfred Kiefer

Er macht sich keine Illusionen, Dillingen komplett behindertengerecht zu gestalten. Er möchte aber die Menschen animieren, zukünftig keine unnötigen Hindernisse zu schaffen. Hier lobt er Bürgermeister Franz-Josef Berg und den Stadtrat, die sich darum bemühen. Mehr Sorgen macht ihm die Unaufmerksamkeit der Bürger. Eine gute Nachricht: "Die Situation behinderter Menschen wird besser. Aber es gibt noch verdammt viel zu tun." jop