"Noch muss man mit den Wählern rechnen"

"Noch muss man mit den Wählern rechnen"

Homburg. Gut aufgelegt und kampfeslustig zeigten sich Politiker der Linkspartei gestern Abend bei ihrem Wahlkampfauftakt im Homburger Saalbau

Homburg. Gut aufgelegt und kampfeslustig zeigten sich Politiker der Linkspartei gestern Abend bei ihrem Wahlkampfauftakt im Homburger Saalbau. Nicht nur hieß die Homburger Linken-Landtagsabgeordnete Barbara Spaniol unter den rund 350 Gästen auch Mitglieder des Verfassungsschutzes willkommen, auch Landtag-Fraktionschef Oskar Lafontaine sorgte mit seiner Rede für zahlreiche Lacher im Publikum. So etwa als er laut darüber sinnierte, weshalb nur SPD-Landeschef Heiko Maas eine große Koalition im Saarland favorisiert. "Wahrscheinlich ist ihm der Erzengel Gabriel im Traum erschienen", sagte Lafontaine in Anspielung auf SPD-Chef Sigmar Gabriel. Der habe Maas wohl die große Koalition mit der CDU unter Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer eingeflüstert, obwohl "der eine über die andere noch vor wenigen Wochen sagte, sie sei eine Null".Falsch sei im Übrigen auch, was der Engel Maas über die Position der Linken zur Schuldenbremse ins Ohr geflüstert habe: "Die Linke will die Schuldenbremse einhalten, aber nicht auf Kosten der kleinen Leute, sondern auf Kosten der Millionäre", sagte Lafontaine mit Blick auf die Einführung einer Vermögenssteuer. Und kampfeslustig fügte er hinzu: "Noch sind die Dinge nicht entschieden. Noch muss man mit den Wählern rechnen, die nicht mit dieser CDU ins Bett wollen." Die Linke werde dem Ansinnen für eine große Koalition "einen Strich durch die Rechnung machen." Im Gespräch mit der SZ fügt Lafontaine an: "Die SPD will etwa bei der Vermögenssteuer, beim gesetzlichen Mindestlohn und bei der Begrenzung der Leiharbeit angeblich das Gleiche wie wir. Da soll Maas mal erklären, weshalb er dann eine Koalition mit der CDU eingehen will."

Die Vermögenssteuer ist es auch, die Sahra Wagenknecht in ihrer Rede ins Visier nimmt. "Sie ist überfällig", sagte die Vizechefin der Linkspartei, die ihren Lebensgefährten Lafontaine zum Wahlkampfauftakt nach Homburg begleitet hatte. In ihrer eher grundsätzlichen, aber nicht minder populistischen Rede forderte sie: "Wir brauchen keine Sparkommissare, sondern Politiker, die es sich trauen, sich mit Banken und Reichen anzulegen." Ihre Botschaft ins Saarland: Die Linke müsse so stark werden, "dass man die SPD so unter Druck setzen kann, dass sie der großen Koalition abschwört."

Nach der Veranstaltung signierte Vize-Parteichefin Sahra Wagenknecht im Saalbau ihr Buch "Freiheit statt Kapitalismus".

Einen Hieb auf den Verfassungsschutz wollte auch sie sich zu guter Letzt nicht verkneifen. "Wenn es immer heißt, das Land muss sparen: Diese Behörde kann es getrost sich sparen", so Wagenknecht.