Noch kein Gewinner in GroßrosselnRätselhafte Leere bei der Präsentation im Sitzungssaal

Noch kein Gewinner in GroßrosselnRätselhafte Leere bei der Präsentation im Sitzungssaal

Großrosseln. Mit über 14 Prozentpunkten Vorsprung in die Bürgermeister-Stichwahl am 14. November gehen zu können, ist eine fast schon traumhafte Ausgangsbasis. So zeigte sich denn am Sonntagabend im Rosseler Gemeindesaal, wo die hereinkommenden Ergebnisse auf einer Leinwand angezeigt wurden, ein überaus entspannter und glücklicher SPD-Kandidat Jörg Dreistadt

Großrosseln. Mit über 14 Prozentpunkten Vorsprung in die Bürgermeister-Stichwahl am 14. November gehen zu können, ist eine fast schon traumhafte Ausgangsbasis. So zeigte sich denn am Sonntagabend im Rosseler Gemeindesaal, wo die hereinkommenden Ergebnisse auf einer Leinwand angezeigt wurden, ein überaus entspannter und glücklicher SPD-Kandidat Jörg Dreistadt. 44,3 zu 30,1 Prozent lautete sein Ergebnis gegenüber dem CDU-Bewerber Fred Schuler. Mit solch einem Vorsprung, den Beigeordneter Hans-Georg Schneider ziemlich genau eine Stunde nach Schließung der Wahllokale verkündete, hatten wohl beide nicht gerechnet. Schuler hatte eindeutig mehr gewollt, was man vielleicht schon daran ablesen konnte, dass er sich als Erster im Saal zeigte. Als er um 18.20 Uhr eintraf, waren gerade einmal zwei Bezirke ausgezählt. Dreistadt, der erst kurz vor 19 Uhr kam und die Entscheidung (per Internet) bei der Arbeiterwohlfahrt verfolgt hatte, hätte sich nicht gewundert, wenn für ihn weniger herausgekommen wäre. Dreistadt sah sich darin bestätigt, dass der Wahlkampf ohne große Versprechungen die Wähler überzeugt habe. Jörg Ukrow, SPD-Vorsitzender im Kreis Saarbrücken-Land, verglich das Ergebnis mit einem 3:0-Halbzeitstand bei Fußball - "eine hervorragende Ausgangsbasis für die Stichwahl. Man sieht den deutlichen Willen der Wähler nach einem Wechsel". Ukrow dachte dabei an die Mehrheiten seines Parteifreundes in allen Ortsteilen und auch bei der Briefwahl (45,4 zu 32,1 Prozent). In Naßweiler, seinem Wohnort, holte Dreistadt sagenhafte 73 Prozent und ging Schuler mit 11,5 Prozent regelrecht unter. Lediglich in Karlsbrunn gelang dem CDU-Mann ein Ergebnis, das man mit etwas Wohlwollen noch als Unentschieden (152 zu 164 Stimmen) interpretieren durfte. Als gute Verlierer gaben sich Dr. Liane Tilly-Balz von den Freien Wählern und Norbert Wagner von der Partei Die Linke. Tilly-Balz durfte sich vor allem über ihre jeweils fast 21 Prozent in St. Nikolaus und Emmersweiler freuen. Sie sprach von einem "insgesamt achtbaren Ergebnis", das eine "saubere Basis für die Freien Wähler bei den nächsten Wahlen" sei. Sie selbst werde weiter Politik machen, kündigte die 53-jährige Unternehmerin an. Der 55-jährige Bergmann über Tage Norbert Wagner, in Begleitung des saarländischen Parteivorsitzenden Rolf Linsler, hatte in Dorf im Warndt mit 21,6 Prozent sein bestes Teilergebnis. Insgesamt, so gestand er ein, habe er "etwas mehr erhofft", sein Ergebnis liege aber auf dem Niveau der Kommunalwahl und sei für einen noch junge Partei in Ordnung. Fred Schuler zeigte sich entschlossen, die 14 Tage bis zur Stichwahl zu nutzen, um sich besser ins Spiel zu bringen als bislang. Immerhin, das weiß ein Fußballzuseher, kann man Spiele trotz eines Drei-Tore-Rückstandes noch umdrehen. Großrosseln. Die Großrosseler bekundeten mit einer Wahlbeteiligung von 64,6 Prozent ein nicht unerhebliches kommunalpolitisches Interesse, zeigten der öffentlichen Veranstaltung im Sitzungssaal an der Rosselbrücke aber zunächst die kalte Schulter. Während zuletzt bei den Wahlen in Heusweiler und Völklingen dutzende Menschen die einlaufenden Ergebnisse in den öffentlichen Räumen verfolgten, war in Großrosseln in den spannenden 60 Minuten kaum ein Interessent zugegen. Dabei hatten die Mitarbeiter des Hauses auf Geheiß des noch amtierenden Bürgermeisters Peter Duchene nicht nur eine breite Getränkeauswahl bis hin zum perfekt gekühlten Crémant aufgetischt, sondern auch wunderbaren Hefekranz sowie Lyoner und Stangenweißbrot. wp "Jetzt müssen wir den Endspurt hinlegen."Jörg Dreistadt"Man kann so ein Ergebnis noch drehen."Fred Schuler"Mein Ergebnis ist eine saubere Basis für die Freien Wähler."Liane Tilly-BalzMeinung

Spannend bis zum Schluss

Von SZ-RedakteurBernhard Geber Großrosseln galt vor Peter Duchenes Zeiten als eine sozialdemokratische Bastion. Jörg Dreistadt ist auf gutem Weg, sie zurückzuerobern. Doch er hat noch nicht gewonnen. Wichtig ist unter anderem, für wen sich nun die Anhänger der Freien Wähler entscheiden und ob die Freunde Norbert Wagners am Stichwahl-Tag nicht einfach zu Hause bleiben. Fred Schuler ist womöglich am vergangenen Sonntag auch nur an Stelle von Peter Duchene vom Wähler abgestraft worden. Für jeden, der die Zukunft der Gemeinde mitgestalten will, lohnt es sich also, am 14. November erneut zur Urne zu gehen. Noch eine kleine Anmerkung: Die Prozentzahlen der Ortsteilergebnisse geben nur einen Trend wieder, weil sie die Briefwähler nicht berücksichtigen können.

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