Nirgends so sicher wie hier

St Wendel · Schon in den Vorjahren lebte es sich im Landkreis St. Wendel im Vergleich zu den übrigen Saar-Regionen am unbehelligsten. Jetzt hat unsere Heimat noch mal nachgelegt: Das Risiko, Opfer einer Straftat zu werden, ist laut Ermittler abermals gesunken.

Raub, Mord, Diebstahl, Einbrüche: Im Landkreis St. Wendel gibt's das zwar auch. Aber die Gefahr, damit konfrontiert zu werden, ist in keinem anderen saarländischen Landkreis so gering wie hier. Darüber haben gestern St. Wendels Polizeichef Hubert Zimmer und sein Pressesprecher Otmar Löber informiert. Das wäre nichts Neues, wenn alles so geblieben wäre. Denn bereits in den Vorjahren war das St. Wendeler Land landesweit Musterregion. Allerdings - Löber: "Die Zahl der Straftaten ist noch einmal gesunken." Laut Statistik mussten sich die Ermittler 2012 mit 3467 Straftaten befassen. Ein Jahr zuvor waren es noch 3529. "Das ist ein weiterer Rückgang um 1,8 Prozent", präsentiert Löber stolz die aktuellen Zahlen. Das sei im Zehn-Jahres-Vergleich sogar der niedrigste Stand.

Um einen direkten Vergleich mit den übrigen Landkreisen sowie dem Regionalverband Saarbrücken zu ermöglichen, erheben die Statistiker Häufigkeitszahlen (siehe "Stichwort"). Demnach entfallen theoretisch 3857 Delikte auf den Landkreis St. Wendel, während es im Raum Saarbrücken 9932 sind. Der Landesdurchschnitt liegt bei 7191. Noch ein kurzer Blick zu den direkten Nachbarn: Im Landkreis Neunkirchen zählt die Polizei hochgerechnet 6020 Delikte, im Landkreis Merzig-Wadern 5589. Die sicherste Gemeinde im St. Wendeler Land ist übrigens Oberthal.

Ein Negativtrend: die Aufklärungsquote im Landkreis St. Wendel. Sie sank binnen eines Jahres um 3,1 Punkte auf 50,3 Prozent. Zimmer erklärt: "Das kann unter anderem damit zusammenhängen, dass wir ein Jahr zuvor eine Gruppe ausgehoben haben, die gleich für 20 Straftaten verantwortlich war." Im Jahr darauf gingen dann den Beamten Täter ins Netz, die nur für einzelne Delikte belangt würden. Das wirke sich dann eben auf die Aufklärungsstatistik aus.

Einen minimalen Zuwachs verzeichneten im Übrigen die Ermittler bei Wohnungseinbrüchen: 2012 zählten sie 89 und damit einen mehr. Die Aufklärungsquote in diesem Bereich ist alles andere als berauschend: Gerade mal in 6,7 Prozent aller Fälle werden die Einbrecher gefasst. 2011 waren es noch 14,8 Prozent. St. Wendels Polizeichef Zimmer begründete: "Es handelt sich um organisierte Strukturen. Die kommen in Sippen, Clans, Banden hier an. Sind morgens in Morbach, mittags in St. Wendel und nachmittags in Kaiserslautern." Der kleine Einbrecher aus dem Ort, den jeder kennt, sei es schon lange nicht mehr.

Ein letzter Blick hinüber auf "Straftaten gegen das Leben". Was die Statistiker hier aufführen, sind unter anderem Mord und versuchter Mord. Darunter fiel 2012 im Landkreis ein einziger, dafür äußerst tragischer Fall: der versuchte Mord an einer jungen Frau aus Scheuern, die bis heute unter den gesundheitlichen Folgen dieser brutalen Tat leidet (wir berichteten). Eine groß angelegte Spendenaktion der Dorfgemeinschaft sorgte darüber hinaus für Schlagzeilen. Ihr Peiniger ist mittlerweile verurteilt und sitzt hinter Gitter.

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Stichwort Häufigkeitszahl: Mit dieser rein statistischen Größe ermitteln Experten der Polizei das Risiko, Opfer einer Straftat zu werden. Die Ermittler rechnen dabei die Anzahl der Straftaten auf angenommen 100 000 Einwohner hoch. Damit erklären sich auch die hier statistisch ausgewiesenen Fallzahlen, die höher liegen als die tatsächlichen, weil auch weniger Menschen im St. Wendeler Land leben. Diese Häufigkeitszahl ermöglicht aber eine Vergleichbarkeit zwischen den einzelnen Regionen mit unterschiedlichen Einwohnerzahlen. hgn

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