1. Saarland

„Niederlage für Lafontaine“

„Niederlage für Lafontaine“

Nachdem Ex-Tennisstar Claudia Kohde-Kilsch bei der Listenaufstellung der Saar-Linken zur Bundestagswahl gescheitert ist, sprechen die politischen Gegner von einer „Niederlage“ für Oskar Lafontaine. Kohde-Kilsch war Lafontaines Wunschkandidatin.

Analogien zu ihrer Sportlerkarriere bemühten diesmal nicht die Vertreter der Presse, sondern die ehemalige Weltklasse-Tennisspielerin selbst: "Ich bin Sportlerin. Ich nehme es sportlich", kommentiert Claudia Kohde-Kilsch gestern ihr Scheitern bei der Listenaufstellung der Saar-Linken für die Bundestagswahl. "Ich stand quasi im Finale und habe unter den gegebenen Umständen ein respektables Ergebnis erreicht." Die 49-jährige Sprecherin der Linken-Landtagsfraktion war am Sonntag von Oskar Lafontaine, der nicht mehr selbst antrat, als Wunschkandidatin für den Spitzenplatz ins Rennen gegangen - und hatte nur 19,6 Prozent der Stimmen erhalten. Zur Spitzenkandidatin wurde Yvonne Ploetz gewählt, auf Platz zwei kam Thomas Lutze. Kohde-Kilschs Abschneiden nennt die Linken-Landtagsabgeordnete Barbara Spaniol "einen Achtungserfolg". Dass der fehlende Rückhalt für seine Wunschkandidatin Fraktionschef Lafontaine geschwächt haben könnte, weist sie zurück. Auf die Frage, ob sich mit der Wahl ein Generationenwechsel eingeläutet habe, sagt sie: "Wir werden noch lange nicht auf Oskar Lafontaine verzichten können."

Von einer "kräftigen persönlichen Niederlage für Lafontaine" spricht dagegen SPD-Fraktionschef Stefan Pauluhn. "Die Linkspartei im Saarland hat dem Übervater Lafontaine mit großer Mehrheit das Vertrauen entzogen, das ist schon eine derbe Niederlage", kommentiert Grünen-Chef Hubert Ulrich. Seine Parteikollegin Simone Peter fügt hinzu: "Damit ist wohl schon ein Stück weit der Rückzug Lafontaines eingeläutet worden." Der saarländische CDU-Generalsekretär Roland Theis zeigt sich "überrascht, wie gering Lafontaines Einfluss bei den Saar-Linken inzwischen offenbar ist". Einzig die Piratenpartei scheint die Aufregung nicht zu teilen. "Wir halten das für einen ganz normalen demokratischen Vorgang", erklärt Fraktionschef Michael Hilberer. "Wenn überhaupt, ist das eher ein Indiz für einen neuen Politikstil, wie wir ihn uns wünschen: dass nämlich nicht die Partei als Ganzes bestimmt, sondern unterschiedliche Meinungen miteinander kämpfen."

Kohde-Kilsch will sich nun "mit Schwung" auf den Wahlkampf in der Landeshauptstadt konzentrieren. Im Wahlkreis Saarbrücken war sie zur Direktkandidatin gewählt worden. Ein Gewinn gilt allerdings als wenig aussichtsreich.