1. Saarland

Nicht nur der Kirchturm geht ins Geld

Nicht nur der Kirchturm geht ins Geld

Saarbrücken/Kleinblittersdorf. Not schweißt zusammen, macht Konfessionsgrenzen mitunter bedeutungslos. Beweis: In der katholischen Kirche St. Marien Dudweiler beginnt am ersten Adventssonntag um 16 Uhr ein Benefizkonzert. Der Erlös dient auch der evangelischen Christuskirche des Stadtbezirks. Deren Dachstuhl ist marode

Saarbrücken/Kleinblittersdorf. Not schweißt zusammen, macht Konfessionsgrenzen mitunter bedeutungslos. Beweis: In der katholischen Kirche St. Marien Dudweiler beginnt am ersten Adventssonntag um 16 Uhr ein Benefizkonzert. Der Erlös dient auch der evangelischen Christuskirche des Stadtbezirks. Deren Dachstuhl ist marode.

Gemeinden unter Druck

Helmut Paulus, Öffentlichkeitsarbeiter der Evangelischen Kirchenkreise an der Saar, nennt den Turm der Christuskirche auf dem Rotenbühl als weitere Baustelle. "Das Fundament ist in Ordnung, aber die Fassade bröckelt." Abrisskosten: 120 000 Euro. Sanierungskosten: 300 000 Euro, die aber wohl nur einen Aufschub von 20 Jahren bringen. Nicht nur auf dem Rotenbühl sind schwere Zeiten angebrochen. Paulus: "Die Kirchengemeinden müssen eine Instandhaltungspauschale erbringen, und das setzt viele unter Druck." Er skizziert folgenden Ausweg: Erst komme die Überlegung, welche Gebäude für das Gemeindeleben wichtig sind, dann der Verkauf von Immobilien, die nicht dazugehören, dann die Investition in die Gemeindezukunft: Als Beispiel nennt Paulus Neuweiler, wo die umgebaute Kirche inzwischen Gottesdienstraum, Gemeindesaal und Büro vereint. Den 400 000 Euro teuren Umbau bezahlte die Gemeinde auch aus dem Verkaufserlös für Kindergarten und Pfarrhaus.

Das große Planen bei den Gemeinde-Immobilien geht auch bei den Katholiken in eine entscheidende Phase. Dechant Benedikt Welter: "2013 beginnt das Immobilienmanagementkonzept des Bistums. Bis Ende 2012 sollen alle Pfarreien ihren Gebäudebestand erheben. Das Bistum begleitet dann 40 Pfarreiengemeinschaften pro Jahr bei einem Konzept zur neuen Nutzung. Unsere Pfarreiengemeinschaft Christkönig und St. Jakob will in den ersten Beratungsschub reinkommen."

Es gelte herauszufinden, was an Räumen notwendig ist. "Die Leute vor Ort müssen die Situation erkennen. So sind zum Beispiel die Riesenpfarrheime der 1950er- bis 1970er-Jahre nicht mehr tragbar. Es geht nicht um ein Spardiktat, sondern um die zukunftsfähige Immobilienlandschaft." Dass das auch den Abschied von Gotteshäusern bedeuten kann, zeigt die seit 2004 von der Musikhochschule genutzte St. Mauritius-Kirche.

Nicht nur in Saarbrücken machen sich Christen für ihre Kirchen stark. In Kleinblittersdorf stellen mehrere in die Jahre gekommene Gotteshäuser die Pfarreien vor Herausforderungen. Zum Beispiel in St. Walfridus Rilchingen-Hanweiler, wo 2011 die Heizung kaputtging. "Sie war schon in den vergangenen Wintern immer wieder ausgefallen", sagt Gemeindemitglied Franz-Ludwig Strauss. "Wir mussten handeln. Es ist uns gelungen, in kurzer Zeit einen Förderverein zu gründen."

Fördervereine haben Erfolg

 Der Dachstuhl der Dudweiler Christuskirche ist einer der schwierigsten Sanierungsfälle in der Region. Foto: Becker &Bredel
Der Dachstuhl der Dudweiler Christuskirche ist einer der schwierigsten Sanierungsfälle in der Region. Foto: Becker &Bredel

Strauss: "Inzwischen ist die neue Heizung fertig. Sie kostete rund 30 000 Euro, dazu steuert das Bistum Trier den größten Teil bei. Außerdem freuen wir uns über viele kleine Spenden und über den Spender einer größeren Summe, der ungenannt bleiben möchte. Auch der Kirchenchor gab ein Konzert für die neue Heizung. Der Förderverein hat in der Satzung auch das Ziel, die Kirchengemeinde beim Finanzieren der Betriebskosten zu unterstützen." Im benachbarten Sitterswald ist Karin Brach Vorsitzende des am 31. Juli gegründeten und circa 50 Mitglieder starken Kirchbauvereins. Brach sagt, gleich mehrere Treppen seien kaputt gewesen. "Um die Reparatur zu bezahlen, gründeten wir den Verein." Die Sitterswalder seien ihrer in den fünfziger Jahren erbauten Kirche sehr verbunden. "Viele Ältere haben noch daran mitgearbeitet. Gerade sie ist ein Wahrzeichen von Sitterswald, der Kirchturm von überall her sichtbar."