1. Saarland

Nicht den Hauch einer Chance

Nicht den Hauch einer Chance

Sulzbach/Neuweiler. Das Wildschwein im Wald oder auf dem Teller - das geht in Ordnung. Wehe aber, wenn ein solches Borstentier einem auf der Straße begegnet. Es war mehr als unfreiwillig, als Werner Ganz ein solches Wildschwein am späten Sonntagabend in der Dunkelheit sah - für nur wenige Sekunden

Sulzbach/Neuweiler. Das Wildschwein im Wald oder auf dem Teller - das geht in Ordnung. Wehe aber, wenn ein solches Borstentier einem auf der Straße begegnet. Es war mehr als unfreiwillig, als Werner Ganz ein solches Wildschwein am späten Sonntagabend in der Dunkelheit sah - für nur wenige Sekunden. Der 47-Jährige war mit seinem Motorrad, einer Yamaha 600, auf dem Nachhauseweg nach Neuweiler, als das gewaltige Tier auf der Landesstraße 252 plötzlich vor ihm über die Fahrbahn lief. Für den Mann gab es kein Entrinnen - er prallte mit seiner Maschine gegen den Vierbeiner, stürzte und brach sich das Schienbein (SZ vom 26. September). Am Dienstag haben wir Werner Ganz einen Besuch abgestattet - in der Sulzbacher Knappschaftsklinik. Die darf er an diesem Donnerstag wieder verlassen. Allerdings werden ihn monatelang noch ein langer Nagel im Bein und ein paar Schrauben begleiten. Derzeit geht der Internist - niedergelassener Arzt in Sulzbach - an Krücken.

Werner Ganz erzählt, dass er bei seinem sehr unfreiwilligen Rendezvous mit dem Schwein - noch tags darauf konnte man den toten Vierbeiner auf einer Verkehrsinsel am Unfallort besichtigen - nicht den Hauch einer Chance hatte. "Ich gehöre nicht zu den Rasern", sagt der Mediziner, seit 30 Jahren fahre er unfallfrei Motorrad. Und just auch an jenem Abend, als es geschah, sei er auf der Landstraße im gemütlichen Tempo unterwegs gewesen, als das Schwein die Fahrbahn kreuzte. Zu plötzlich, als dass ein Bremsmanöver hätte noch gelingen können. Das Tier, meint sich der Patient zu erinnern, habe er mit der Maschine wohl am Kopf getroffen ("ich wusste sofort, dass es ein Wildschwein ist") und sei anschließend mitsamt dem Zweirad drüber geflogen. Da lag er nun, bis Hilfe kam. Ein Autofahrer aus Gersheim hielt an, alarmierte die Rettungskräfte, die, so das Unfallopfer, sehr schnell vor Ort gewesen seien. Und dann ging's für ihn ab in die Klinik.

Im Augenblick des Crashs, sagt der 47-Jährige auf Nachfrage, sei ihm nur eines durch den Kopf gegangen: dass in der Arztpraxis das neue Quartal beginnt. "Beruflich unmöglich", dachte er noch, während er folgenschwer zu Boden stürzte. Der Wildwutz auf der L252 war das leider egal.

Anschließend merkte er, dass er nicht mehr auf dem rechten Bein stehen konnte. Alles weitere ist bekannt. Werner Ganz will, sobald er kann, dem Mann danken, der ihm am Unfallort beistand und alles Notwendige in die Wege leitete. Das wird er ihm wohl nicht vergessen.

Die Polizei weist darauf hin, dass Auto- und Motorradfahrer gerade im Herbst erhöhte Vorsicht sollten walten lassen, weil sich in dieser Jahreszeit die Wildunfälle sehr häufen.