Neunkircher Grünen-Chef rebelliert und wechselt zur SPD

Neunkirchen/Saarbrücken. Mit einem spektakulären Schritt hat gestern der Grünen-Vorsitzende im Kreis Neunkirchen auf die "Machtpolitik" der Grünen-Landesspitze reagiert. Bernd Thul (51, Foto: Grüne) legte sein Ämter als Kreischef und Beisitzer im Landesvorstand nieder und trat aus der Partei aus. Er wird in die SPD eintreten

Neunkirchen/Saarbrücken. Mit einem spektakulären Schritt hat gestern der Grünen-Vorsitzende im Kreis Neunkirchen auf die "Machtpolitik" der Grünen-Landesspitze reagiert. Bernd Thul (51, Foto: Grüne) legte sein Ämter als Kreischef und Beisitzer im Landesvorstand nieder und trat aus der Partei aus. Er wird in die SPD eintreten.In einer der Presse übermittelten Begründung sprach Thul von "scheinheiliger Politik" des Landesverbandes. Statt politischer Themen werde "das Erlangen persönlicher Vorteile" in den Vordergrund gestellt. Der gelernte Erzieher und Wirtschaftinformatiker fuhr schweres Geschütz gegen Landeschef Hubert Ulrich auf: "Er hat sich ein Imperium geschaffen, das alle Kritik im Keime erstickt!" Jamaika-Befürworter Thul kritisiert auch, dass mit der zunächst stigmatisierten Linken nun die Verfassung geändert werde, um die Schulreform durchzusetzen. Die jüngste Debatte um die Grünen-Position bei der Hartz-IV-Reform sieht er seitens der Grünen "geprägt von Machthunger und nicht vom Interesse, den Betroffenen zu helfen".

Bei den Grünen sieht man Thuls demonstrativen Austritt laut Landesgeschäftsführer Markus Tressel "unaufgeregt". Thul habe sich der Partei "persönlich entfremdet". Zugleich appellierte Tressel an Thul, "Rückgrat zu zeigen" und sein Mandat im Neunkircher Kreistag niederzulegen. Thul, einziger Grünen-Vertreter im Kreistag, bestätigte der SZ, dass er sein Mandat behalten und zur SPD-Fraktion wechseln werde. Die Sozialdemokraten haben dank einer Koalition mit der Linken die Mehrheit im Kreisparlament. gth