Wegen Reisemängeln bis vor Gericht: Zwölf Tage kein warmes Wasser fürs Baby

Wegen Reisemängeln bis vor Gericht : Zwölf Tage kein warmes Wasser fürs Baby

Junge Neunkircher Familie fordert wegen Mängeln Geld nach der Türkeireise zurück.

Die schönste Zeit des Jahres, die Urlaubszeit, steht für viele Leute im Landkreis bevor. Wenn dieser dann die erhoffte Erholung bringt und keinen Ärger, sind alle zufrieden. Entspricht der Urlaub jedoch nicht den Erwartungen oder wird gar durch eklatante Mängel am Reiseort getrübt, greifen immer mehr Reisende zu Rechtsmitteln. So wie Familie Hey aus Neunkirchen, die nach ihrer Rückkehr aus der Türkei eine Rechtsanwältin einschaltete und nun sogar einer Gerichtsverhandlung in München entgegen sieht.

Was war passiert? Markus und Natascha Hey hatten bei der BigXtra Touristik GmbH mit Sitz in München eine 21-tägige Pauschalreise nach Antalya in einem „5-Sterne-Hotel“ gebucht. Der Hinflug, so stand es in der Reisebestätigung, war für den 21. November 2017 von Saarbrücken nach Antalya geplant, der Rückflug am 12. Dezember von Antalya nach Saarbrücken. Das Ehepaar hatte sich wegen der erst fünf Monate alten Tochter für den am nächsten gelegenen Flughafen Saarbrücken entscheiden. Am Tag vor der Abreise teilte der Reiseveranstalter der Familie Hey per E-Mail mit, dass die Flugstrecke mit dem Rückflug Antalya nach Saarbrücken nicht mehr wie geplant möglich und stattdessen Frankfurt der Zielflughafen sei. „Das kam für uns wegen unseres Babys jedoch nicht in Frage“, berichtet das Ehepaar Hey beim Besuch in der Lokalredaktion. Die angebotene Alternative – Rückflug zwei Tage früher als geplant, dafür Zielflughafen Saarbrücken – nahm die Familie an. Und unter Vorbehalt auch die 73 Euro, die als Ersatz für zwei Tage Hotelaufenthalt erstattet wurden. Was die Familie allerdings richtig auf die Palme brachte, waren die Zustände in dem Hotel, die sie wie folgt beschreiben: „Zwölf Tage lang hatten wir kein Warmwasser, mussten für unser Baby Wasser mit dem Wasserkocher erwärmen, um es baden zu können.“ Natascha und Markus Hey berichten außerdem von Schimmel in der Dusche, stark verschmutztem Teppichboden, blank liegenden Kabeln im Bad, Vögeln am Büffet, einem defekten Hallenbaddach, zugestellten Fluchtwegen im Treppenaufgang und weiteren Unannehmlichkeiten, die sie per Handyfotos dokumentiert haben. Für die fehlende Warmwasserversorgung haben sie Zeugenaussagen von weiteren Betroffenen gesammelt.

Alles in allem sei „an Erholung kaum zu denken gewesen“, sagt Natascha Hey. Ihren Mann Markus ärgert besonders, dass sie für die beiden entgangenen Urlaubstage 102 Euro bezahlt, aber nur 73 Euro zurückerstattet bekommen hätten. „Wenn die das mit 50 Leuten machen, kommt schon was zusammen“, meint Hey. Eine Saarbrücker Rechtsanwaltskanzlei, die sich zu der Sache öffentlich nicht äußern will, hat auf Wunsch von Familie Hey eine Klageschrift erstellt. Denn das Ehepaar hat eine gütliche Einigung, wie es die Kanzlei vorgeschlagen hat, abgelehnt. Der Reiseveranstalter hatte eine Summe von insgesamt 166,85 Euro angeboten. 65,25 Euro für die fehlende Warmwasserversorgung plus 51,60 Euro für den Schimmel plus 50 Euro. „Ich zieh’ das jetzt durch“, meint Markus Hey. Auch wenn er für eine mündliche Verhandlung zum Gerichtsstand des Gegners nach München reisen müsste und das finanzieren muss.

Der Streitwert liegt bei überschaubaren 204,21 Euro. Doch darum gehe es ihnen nicht, meint Familie Hey. „Wir wollen dem Reiseveranstalter Grenzen aufsetzen.“

Für Buchungen ab dem 1. Juli 2018 gelten Änderungen im Reiserecht. Informieren kann man sich darüber beispielsweise auf der Homepage des ADAC.

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