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Einst eine Männerdomäne – jetzt wird das DRK weiblich
Wo ein halbes Dorf das Rote Kreuz lebt

Sammelststelle Bachplatz am Tag der Evakuierung wegen Bombe.
Sammelststelle Bachplatz am Tag der Evakuierung wegen Bombe. FOTO: DRK Eppelborn / Leist
Ottweiler. Das gibt es noch in unserer Region. Aber der Zeiten-Wandel zeigt auch hier Wirkung. Die Mitgliederschaft altert, es braucht Nachwuchs. Wie der DRK-Kreisverband Neunkirchen sein Jubiläum „150 Jahre“ feiern und nutzen will. Von Claudia Emmerich

Die große Stellwand dominiert den Raum. Bunte Puzzle­teile sind darauf verteilt, beschriftet mit den Angeboten des DRK. Grün etwa der Hausnotruf, blau der Menuservice oder flieder der Behindertenfahrdienst. Ein rot umrandetes Herz prangt auf der Fläche mit dem Motto: „Helfen mit Herz“. Einschließlich Kampagnenlogo „Wir brauchen dich“ dient alles zusammen der Kulisse fürs Jubiläumsjahr des DRK-Kreisverbandes Neunkirchen. Auf 150 Jahre können sie 2018 zurückblicken. Das wollen sie feiern, aber auch nutzen: „Das Jubiläumsjahr bietet die Plattform, für uns zu werben“, sagt Geschäftsführer Manfred Goller im Gespräch mit unserer Zeitung im DRK-Heim in der Dr.-Maximilian-Rech-Straße 3 in Ottweiler. Mit am Tisch sitzen der Kreisvorsitzende Rudolf Hinsberger und Friedrich „Friedel“ König, zweiter Vorsitzender. Das ganze Jahr hindurch will sich der Verband bei vielen Aktionen und Veranstaltungen präsentieren (siehe Artikel unten).


Noch sieht sich der Neunkircher Kreisverband gut aufgestellt. In den letzten 20 Jahren haben sich die Zahlen nicht auffallend negativ entwickelt, stellt Hinsberger fest, der über diesen Zeitraum an der Spitze steht. Nicht selbstverständlich in Zeiten, in denen Vereine - ob Sport, Kultur oder Soziales - sich alle strecken müssen. Die Zahl der Mitglieder sei in etwa stabil geblieben, so der Vorsitzende. Mal hier rückläufig, dafür andernorts steigend. Gleicht sich aus. Schon immer auch ein Stadt-Land-Gefälle. Geradezu ein „DRK-Dorf“ sei Habach: 720 Einwohner – 333 DRK-Mitglieder (aktiv und inaktiv), 44 Jugendrotkreuzler. Das halbe Dorf also lebt das Rote Kreuz. „Die Entwicklung hängt ab von den räumlichen Voraussetzungen, der Infrastruktur vor Ort und den handelnden Personen“, fasst Hinsberger zusammen.

Ausruhen kann sich auch der Neunkircher DRK-Kreisverband nicht. Das wissen die Verantwortlichen. Insgesamt wird die Mitgliederschaft doch älter, drücken Nachwuchssorgen. „Es gibt auch inhaltliche Verschiebungen innerhalb der Organisation, so Vorsitzender Hinsberger weiter. Der Soziale Dienst – nach dem Sanitätsdienst der zweite große Pfeiler - hat zum Beispiel deutlich an Gewicht gewonnen, also Angebote wie Kaffeenachmittage für Senioren. In der Verantwortung ist das eine weibliche Domäne. Überhaupt: Der DRK bekommt ein weiblicheres Gesicht. Etwa 60 zu 40 schätzen unsere Gesprächspartner das aktuelle Geschlechterverhältnis. Noch zu Gunsten der Männer. König, 74 Jahre als und seit 60 Jahren im DRK, kann sich noch gut erinnern: „Wir Jungs waren damals beim DRK unter uns.“ „Beim Behindertenfahrdienst“, sagt Goller, „sind Frauen am Steuer heute die Mehrheit.“

Derzeit zählt der Neunkircher Kreisverband in 26 Ortsvereinen 912 aktive Helfer in den Bereitschaften, 276 Mitglieder im Jugendrotkreuz und 128 Helfer im Sozialen Dienst. Nicht jeder Ortsverein hat auch Jugendrotkreuzler – 14 von 26.

 Wo was los ist in der Region, da ist das DRK meist auch dabei. Jüngst bei der Evakuierungsaktion in Neunkirchen nach dem Fund einer Weltkriegsbombe war das DRK mit 168 Männern und Frauen und zwölf Fahrzeugen im Einsatz. Wenn die Kicker der SV Elversberg gegen die Kicker des 1. FC Saarbrücken spielen – eingestuft als Hochrisikospiel – dann sind sie mit mindestens 24 Helfern dabei. Und wenn auf der Redener Halde ein großes Event stattfindet, brauchen sie auch schon mal 40 bis 60 Helfer, je nach Besucherzahl. Dazu kommen ungezählte Sanitätsdienste in Sporthallen, bei Festen, während der Session. „Problemtage gibt es schon, wenn mal alles zusammenkommt“, sagt Goller. „Noch können wir große Veranstaltungen abdecken“, sagt Hinsberger. Die Kreisbereitschaft funktioniert.



Damit es so bleibt, braucht es Nachwuchs. Der darf auch schon erwachsen sein. In Königs Ortsverein, in Hüttigweiler, so erinnert sich der DRK-Vize, gab es zu besten Zeiten mal 100 Jugendliche, jetzt noch ein Viertel davon. Als König vor 60 Jahren zum DRK kam, galt ein Mindestalter von 14. Dann wurde es auf zwölf runtergeschraubt, inzwischen liegt es bei sechs. Auch Mitbewerber gehen früher auf den Markt.

„Wir müssen auch einen anderen Weg finden, Mitglieder zu gewinnen“, sagt Rudolf Hinsberger. Nicht nur um Kinder werben, auch um Menschen, die schon im Erwachsenenleben stehen. Und das geht nur über „Menschen persönlich ansprechen“. Das Jubiläumsjahr soll dazu viele Gelegenheiten bieten.

Das Banner des Deutschen Roten Kreuzes weht weltweit. Der DRK-Kreisverband Neunkirchen feiert in diesem Jahr Jubiläum – 150 Jahre.
Das Banner des Deutschen Roten Kreuzes weht weltweit. Der DRK-Kreisverband Neunkirchen feiert in diesem Jahr Jubiläum – 150 Jahre. FOTO: Jörg F. Müller/DRK
Vor der bunten Kulisse fürs Jubiläumsjahr stellten Manfred Goller, Friedrich „Friedel“ König und Rudolf Hinsberger (von links) Aktionen des DRK-Kreisverbandes Neunkirchen vor.
Vor der bunten Kulisse fürs Jubiläumsjahr stellten Manfred Goller, Friedrich „Friedel“ König und Rudolf Hinsberger (von links) Aktionen des DRK-Kreisverbandes Neunkirchen vor. FOTO: Claudia Emmerich
Schnelle Hilfe: Sanitätsdienst in der Sporthalle, Alltag für die Rotkreuzler.
Schnelle Hilfe: Sanitätsdienst in der Sporthalle, Alltag für die Rotkreuzler. FOTO: Leist/DRK Eppelborn

Auch Betreuungsangebote für Demenzkranke - hier ein Archivbild aus dem Café Vergissmeinnicht Eppelborn – gehören zum Portfolio des DRK.
Auch Betreuungsangebote für Demenzkranke - hier ein Archivbild aus dem Café Vergissmeinnicht Eppelborn – gehören zum Portfolio des DRK. FOTO: Leist/DRK Eppelborn