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Wie Tiermediziner in Neunkirchen von der Corona-Krise betroffen sind.

Kostenpflichtiger Inhalt: Tierärzte und Corona : Land unter bei den Tierärzten

Wer derzeit mit seinem Tier zum Arzt will, muss einiges beachten und braucht viel Geduld.

Während Probleme im Gesundheitswesen und der Pflege Dauerthemen in den Medien und im öffentlichen Diskurs sind, kommt es auch in der Tiermedizin inzwischen zu Engpässen. „Für die Behandlung akut erkrankter Tiere stehen insbesondere am Wochenende und in der Nacht zunehmend weniger tiermedizinische Praxen zur Verfügung“, lässt das Team der Tierklinik Elversberg (TKE) die Tierhalter auf ihrer Homepage wissen. „Durch das dadurch stetig steigende Patientenaufkommen in unserer Notfallambulanz kann es daher zu erheblicher Wartezeit kommen.“ Zum „Pandemieplan der TKE“ gehört, dass alle Besucher einen Gesichtsschutz tragen müssen. Wer mit seinem Tier kommt, darf sich im Gebäude anmelden, wird dann aber gebeten, draußen zu warten, bis er dran ist. Dass ganze Familien Bello & Co. begleiten, ist ebenfalls erstmal tabu: „Pro Patient darf nur ein Tierhalter die Klinik betreten.“ Stationär aufgenommene Tiere darf man derzeit überhaupt nicht besuchen. Personen mit Erkältungssymptomen haben Hausverbot. „Im Notfall holt eine Mitarbeiterin ihr Tier an der Eingangstür ab.“

„Unsere 95 Mitarbeiter sind derzeit auf drei Teams aufgeteilt“, informiert Dr. Alexander Pack. Jedes Team übernimmt im Wechsel einen Tag, die 24-Stunden Bereitschaft ist gewährleistet. Tritt in einem Team ein Corona-Fall auf, kann so der Betrieb aufrechterhalten werden. Im Nordsaarland hatte eine Praxis schließen müssen, weil sie über keinen solchen personellen Puffer verfügt. Mit Ausrüstung sei man noch gut versorgt, „da haben wir rechtzeitig vorgesorgt“, so Pack. Besucher, die keinen Gesichtsschutz mitbringen, können in der Klinik einen selbstgenähten erwerben: „Der Erlös geht als Spende an einen Gnadenhof.“ Bisher zeigten sich die Tierhalter generell „sehr einsichtig“, auch, dass man draußen im Auto warten muss und per Pager angefunkt wird, wenn man mit seinem Tier an der Reihe ist. Wegen des reduzierten Personals, aber auch aufgrund des Mehraufwands beim Desinfizieren und Reinigen kommt es derzeit „zu deutlich längeren Wartezeiten“.

Weit entfernt von normalen Verhältnissen sind auch die Kollegen im Landkreis. „Keine Zeit“ für ein Interview hat der hörbar gestresste Eppelborner Veterinär Dr. Georg Mebs, „in Zeiten von Corona“. Viele Praxen mussten ihre Sprechzeiten reduzieren. So steht Dr. Volker Wagner in Neunkirchen seit 1. April pandemiebedingt nur noch von 10 bis 14 Uhr zur Verfügung.

Auch Dr. Detlev Schultz sah sich zu diesem Schritt genötigt. Denn: „Die Lage ist katastrophal.“ Seit letzter Woche hat er in seiner Ottweiler Praxis Kurzarbeit angesetzt. Grund dafür sind nicht Krankenstände, sondern der Mangel an Ausrüstung zum Schutz vor Ansteckung, Stichwort Gesichtsmasken. Seit sieben Wochen ist es um den Nachschub schlecht bestellt, „bei den Großhändler ist alles leer“. Deshalb beschränkt er die Sprechzeiten auf drei Stunden am Vormittag, „von 8 bis 9 Uhr operieren wir“. Für Schultz ist diese Ausnahme-Situation ein Ausdruck des „absoluten Versagens der Politik“.

Um die potenzielle Gefährdung des Personals so gering wie möglich zu halten, setzt man in den meisten Tierarztpraxen zudem auf telefonische Anmeldung, selbst wenn es nur darum geht, ein Rezept abzuholen. Wer mit Katze, Hund, Hamster in die noch regulär geöffnete Kleintierpraxis von Dr. Michael Mattausch und Dr. Ruth Stöcker auf dem Neunkircher Storchenplatz bringen möchte, muss vorher prinzipiell telefonisch einen Termin vereinbaren.