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Fußball: Wie schlimm steht es um die Borussia?

Fußball : Wie schlimm steht es um die Borussia?

Fußball-Saarlandligist Borussia Neunkirchen hat knapp 530 000 Euro langfristige Verbindlichkeiten.

Wenige Tage vor dem Start in die neue Fußball-Saison am Samstag steht bei Saarlandligist Borussia Neunkirchen mal wieder weniger das Sportliche, als vielmehr das liebe Geld im Vordergrund. Auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung am Donnerstag präsentierte der seit dem 1. Juli amtierende neue Vorstand um Vereinsboss Alexander Kunz den aktuellen Stand der Finanzsituation beim Traditionsclub. „Wir kämpfen mit offenem Visier und sind der Meinung, dass unsere Mitglieder diese Zahlen kennen sollten“, sagt Kunz. „Als ich das Amt angetreten habe, war mir nicht so klar, wie die finanzielle Lage ist“, erläutert Kunz. Diesen Überblick hat er nun. Und das Ergebnis war eine böse Überraschung für den 42-Jährigen – und wohl auch für viele der rund 80 Vereinsmitglieder auf der Versammlung.

Nach Rechnung des neuen Vorstandes drücken den Verein langfristige Verbindlichkeiten in Höhe von 527 600 Euro. Zudem gäbe einen kurzfristigen Finanzierungsbedarf von rund 55 000 Euro. „Ich wurde vorher informiert, dass wir nicht schuldenfrei sind, aber dass die Verbindlichkeiten in diesen Bereich gehen, damit hätte ich nicht gerechnet“, sagt Kunz. Die langfristigen Verbindlichkeiten bestehen in erster Linie aus Darlehen der Park-Brauerei, der Dr. Theiss Naturwaren GmbH, der Ferraro-Group und einem Privatdarlehen. Der ehemalige Borussen-Präsident Martin Bach ist der Meinung, dass die drei Erstgenannten nicht, oder nur bedingt, zu den Verbindlichkeiten zählen kann, da sie den Verein liquiditätsmäßig nicht belasten würden.

Nur bei Dr. Theiss seien Zahlungen seitens der Borussia notwendig, diese seien aber durch die Energieeinspeisung der Photovoltaik-Anlage auf dem Hallendach des Ellenfelds refinanziert. Die Park-Brauerei habe sich für fünf Jahre das Exklusivrecht am Vertrieb ihrer Produkte im Ellenfeld gesichert. Die dafür ausgehandelte Summe wurde in einer Zahlung getätigt, statt wie sonst üblich in jährlichen Raten. Deshalb handelt es sich hierbei laut Bach nicht um ein Darlehen im klassischen Sinn.

Die Ferraro-Group habe sich für ihr Darlehen das Recht an der Trikotwerbung gesichert. „Diese Vereinbarung, sowie das Privatdarlehen wurden vom damaligen Insolvenzverwalter Marc Herbert gemacht. Die Liquidität der Borussia der Borussia wird durch den Ferraro-Vertrag nicht negativ beeinträchtigt, sondern nur positiv“, erklärt Bach. Der ehemalige Vorsitzende ergänzt: „Die Darlehen der Park-Brauerei und der Ferraro Group belasten den Verein nicht, weil er für sie keine zusätzlichen Mittel erwirtschaften, beziehungsweise zur Tilgung aufbringen muss.“

Nach Bachs Rechnung gäbe es nur Verbindlichkeiten in Höhe von rund 330 000 Euro, die der Verein de facto zurückzahlen muss. Diese würden sich aus rund 210 000 Euro für das Privatdarlehen, 50 000 Euro für VGB-Beiträge, zirka 60 000 Euro für das Darlehen Dr. Theiss (Tilgung durch Photovoltaik-Anlage) und rund 10 000 Euro Lieferanten-Verbindlichkeiten zusammensetzen. „Zum Zeitpunkt des vorläufigen Insolvenzverfahrens hatten wir 650 000 Euro Schulden, jetzt sind es weniger als die Hälfte. Da geht es dem Verein schon deutlich besser“, fasst Bach zusammen.

Auch habe die Borussia in der vergangenen Saison keine neuen Schulden gemacht „Stand 30. April lagen wir noch bei einem Minus im Bereich von ein paar 100 Euro.“ Allerdings gäbe es noch nicht eingetriebene Außenstände im Sponsoring und offene Forderungen im mittleren fünfstelligen Bereich.

Selbst wenn man die oben angesprochenen Darlehen nicht zu den Verbindlichkeiten zählt, weil der Verein keine monatlichen Zahlungen für sie abdrücken muss, so schlagen sie doch zumindest negativ auf der Einnahmen-Seite zu Buche. Denn die Borussia kann in naher Zukunft nicht ihre Trikots vermarkten. Auch spülen die Einspeisungen der Photovoltaik-Anlage kein Geld in die Tasche, das zur freien Verfügung steht.

Auf weitere Einnahmen ist der Club aber dringend angewiesen, denn auch der Etat für die bald beginnende neue Spielzeit hat – nach Angaben des aktuellen Vorstandes – eine Unterdeckung von 60 000 Euro. Und das obwohl bereits Personalkosten im Bereich der Spieler gekürzt wurden – nach Angaben von Kunz im Bereich zwischen 40 000 und 50 000 Euro.

Hinzu kommt noch, dass die monatlichen Belastungen – unabhängig davon von welchem Schuldenstand man ausgeht – hoch sind. Alleine 4750 Euro für Tilgungen und 2700 Euro für Energiekosten müssen nach Angaben des neuen Vorstands alle vier Wochen gezahlt werden. Das Fazit von Kunz zur finanziellen Lage bei seinem Club: „Die Situation ist ernst, aber nicht hoffnungslos.“ Der 42-Jährige stellt aber klar: „Liquidität ist noch vorhanden. Wir gehen nicht von einer Insolvenz aus.“ Neues Geld zu generieren soll nun das Hauptaugenmerk des Vorstands-Teams sein. Kunz: „Wir sind dabei, ein neues Sponsoren-Konzept zu erarbeiten, dass wir demnächst vorstellen.“