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Wie Künstler im Kreis Neunkirchen die Messe verschönern

Kirche hilft Kunst : Wie Künstler die Messe verschönern

Kirche hilft Kunst: Pfarreien im Dekanat Neunkirchen lassen Künstler in Gottesdiensten auftreten und zahlen Honorar.

(red) Die Gelegenheiten, öffentlich aufzutreten, sind für Sue Lehmann rar geworden. Die Coronakrise trifft die saarländische Sängerin sowie viele freischaffende Künstlerinnen und Künstler hart: Auftritte und Konzerte sind abgesagt, die Einnahmen weggebrochen. „Zum Glück habe ich mit meiner Gesangsschule noch ein zweites Standbein und kann online unterrichten“, sagt die 50-Jährige. Sie kenne aber viele Kollegen, die nur von ihren Auftritten lebten und nun nicht mehr wüssten, wie sie ihre Kinder versorgen oder laufende Kosten für Miete und Versicherungen zahlen sollen.

Im Dekanat Neunkirchen können Pfarreien künftig Geld bekommen, um freiberufliche Künstler für die Gestaltung von Gottesdiensten zu engagieren. „Mit dem Projekt wollen wir Solidarität mit den von der Krise finanziell schwer gebeutelten Künstlerinnen und Künstlern zeigen. Die Idee ist, dass Sänger oder Instrumentalisten in unseren Gottesdiensten auftreten und dafür ein ihrem Aufwand angemessenes Honorar erhalten, das auch die Probenzeit und die Anfahrt umfasst“, erklärt Dechant Olaf Harig. Davon profitierten nicht nur die Künstler, sondern auch die Kirchengemeinden, ist er überzeugt. Denn ihnen fehlten bei der Gestaltung der Festgottesdienste an den Weihnachtsfeiertagen aufgrund der Corona-Beschränkungen die Kirchenchöre und Musikgruppen.

Auch Sängerin Sue Lehmann, die am zweiten Weihnachtsfeiertag in der Kirche St. Ludwig in Spiesen als Sängerin zu einem Festgottesdienst geladen war, freut sich über die Zusammenarbeit: „Es geht ja nicht nur um das Finanzielle, sondern auch um die Leidenschaft, seinen Beruf leben zu können und vor Leuten aufzutreten“, sagt sie. Dass Auftritte von Solokünstlern zur Verschönerung der Gottesdienste beitragen, begrüßt auch Kirchenmusiker Ralph Buchstäber, der die Sängerin auf der Orgel begleitet. Seitdem Gottesdienste wieder erlaubt sind, versuche er, die Messen musikalisch so abwechslungsreich wie möglich zu gestalten. Dies werde durch das Verbot des Gemeindegesangs erschwert. „Kantor, Organist und Pastor singen abwechselnd die Strophen, mal vom Altar, mal von der Empore, so wird es nicht monoton“, sagt Buchstäber.

Möglich werden die Auftritte der selbständigen Künstler durch finanzielle Rücklagen des Dekanats: „Wir haben in den letzten Jahren sorgsam gehaushaltet, sodass wir nun unseren vier Pfarreien und unserer Pfarreiengemeinschaft je einen Fonds von 1000 Euro zur musikalischen Gestaltung der Gottesdienste an Weihnachten, Silvester und darüber hinaus zur Verfügung stellen können“, sagt Dechant Olaf Harig.

Aufmerksam auf diese Art der Hilfe für selbständige Künstler wurde der Dechant durch die Aktion „Kunst-Kultur-Kirche!“ des katholischen Stadtdekanats Frankfurt. Kontakt zu den Künstlern bekam er über die „Aktion Künstler-Kollekte“, einer Kooperation der Pfarrgemeinde Friedrichsthal, dem PopRat Saarland und dem Magazin PopScene. Bei diesem Anfang November gestarteten Projekt treten Künstler im Gottesdienst auf und erhalten dafür die Kollekte der Messe.

„Die Musik muss nicht klassisch sein, darf gerne groovig – dabei aber ,gottesdienstkompatibel‘ sein“, meint Harig. Für Lehmann, die ursprünglich aus der Klassik kommt und sich in Jazz- und Musicalgesang weitergebildet hat, kein Problem: „Ich liebe es, in Kirche zu singen. Die Akustik ist herrlich, die Stimme trägt hier ohne Mikrophon.“ Fünf moderne Weihnachtslieder wollte die Sopranistin am Zweiten Weihnachtsfeiertag in Spiesen singen, darunter „Mary’s Boy Child“ und „Have yourself a merry little Christmas“.

Sue Lehmann, Foto: privat Foto: Sue Lehmann

Der Auftritt von Sue Lehmann in seiner Kirche soll keine Eintagsfliege sein, verspricht Pastor Harig: Auch der Radiogottesdienst, der am 17. Januar im Saarländischen Rundfunk übertragen wird, soll von einem Künstler gestaltet werden.