Landkreis Neunkirchen ist sicherer geworden: Weniger Straftaten, höhere Aufklärung

Landkreis Neunkirchen ist sicherer geworden : Weniger Straftaten, höhere Aufklärung

Im Jahr 2017 wurden der Polizei im Landkreis Neunkirchen insgesamt 8111 Straftaten gemeldet. 2016 waren es noch 8486.

Ein Rückgang der gemeldeten Straftaten und eine höhere Aufklärungsquote bedeuten objektiv: Der Landkreis Neunkirchen ist sicherer geworden. Dass nackte Zahlen jedoch nicht unbedingt das subjektive Sicherheitsempfinden darstellen, wissen Neunkirchens Polizeidirektor Thomas Dräger-Pitz und Polizeihauptkommissar Jörg Hiry (Leiter der PI Illingen) nur zu gut.

Nichtsdestotrotz zeigt die polizeiliche Kriminalstatistik, die am Donnerstag von den beiden Beamten in dem vom Baulärm geschüttelten Polizeigebäude in der Falkenstraße erläutert wurde, einen positiven Trend auf. Die Zahl der Straftaten ist von 8486 auf 8111 im vergangenen Jahr gesunken und damit ist auch die Wahrscheinlichkeit, im Landkreis Neunkirchen Opfer einer Straftat zu werden, niedriger als 2016. Die sogenannte Häufigkeitszahl, mit der die Anzahl der Straftaten pro 100 000 Einwohner gemessen wird, lag 2017 bei 6103 und im Jahr davor bei 6345. Auch in der Stadt Neunkirchen selbst sind die Fallzahlen um 5,6 Prozent auf 4761 zurückgegangen. In der Innenstadt sogar um 5,95 Prozent auf 3713 angezeigte Fälle. So gab es 22,5 Prozent weniger Diebstähle und 2,8 Prozent weniger Roheitsdelikte. Hier haben wohl auch die intensiveren Kontrollen gefruchtet, berichtet Dräger-Pitz. „Wir haben den entsprechenden Leuten schon ziemlich auf den Füßen gestanden.“ Stark zugenommen hat jedoch in der Innenstadt die Zahl der Taschendiebstähle, nämlich von 90 auf 115 und damit zwei bis drei Fälle pro Woche. Hier seien oft organisierte, polizeierfahrene Gruppen unterwegs, die dann auch schnell wieder aus der Stadt verschwunden seien.

Straftaten im Kreis Neunkirchen. Foto: SZ/Steffen, Michael

Wie man sich mit gar nicht mal so teuren Mitteln vor Einbrechern schützen kann, hat die Polizei im Saarland schon etlichen Bürgern mit Erfolg vermittelt. Dies ist einer der Gründe dafür, warum nicht nur die Zahl der vollendeten Einbrüche abnimmt, sondern auch die Zahl der versuchten, also erfolglosen Einbrüche nach oben geht.

Beispiel Spiesen-Elversberg: Hier wurden im vergangenen Jahr 15 Einbrüche gemeldet (2016 waren es 21), davon waren ein Dutzend Versuche, also 80 Prozent. In Schiffweiler gingen die Einbrüche gar von 25 auf neun zurück, informiert Hiry. Erfreulich sei auch der Rückgang an häuslicher Gewalt, berichtet Dräger-Pitz. In Neunkirchen um 30 Prozent, nämlich von 256 Fälle auf 179 und in Ottweiler von 25 auf 19. Im Bereich der PI Illingen sind der Polizei 113 Fälle von häuslicher Gewalt gemeldet worden.

Ist das Einsatzgebiet der Polizeiinspektion Neunkirchen überwiegend von Stadt typischen Problemen geprägt – Spiesen-Elversberg ausgenommen – so hat es das Team von Jörg Hiry in der PI Illingen eher mit Wohngemeinden und mittelständischen Unternehmen zu tun. Knapp 60 000 Einwohner leben in den vier Gemeinden Eppelborn, Illingen, Merchweiler und Schiffweiler. Insgesamt wurden 2242 Straftaten im vergangenen Jahr angezeigt, das sind 43 weniger als im Jahr zuvor. Vor allem Schiffweiler (minus 21) und Eppelborn (minus 29) tragen zu dieser positiven Statistik bei. Merchweiler hat salopp formuliert eine Punktlandung hingelegt und ist bei 452 Straftaten „geblieben“.

Lediglich in der Gemeinde Illingen wurden mit 607 Straftaten 25 mehr angezeigt als im Jahr zuvor. Der Grund dafür: Es gab mehr Körperverletzungen, nämlich 65 statt 53. Dafür gab es unter anderem weniger Diebstähle, weniger Ladendiebstähle und weniger Diebstähle aus Kraftfahrzeugen. Ein verstärktes Problem, egal ob Stand oder Land, ist der Internetbetrug. „Hier werden immer mehr Leute übers Ohr gehauen“, weiß Polizeihauptkommissar Hiry. Und ältere Menschen sind häufig Opfer von Betrügern am Telefon. Der „Enkeltrick“ ist einer der bekanntesten, funktioniert aber immer noch.

Die Mehrzahl jener, die im Landkreis Neunkirchen mit dem Gesetz in Konflikt geraten, sind Deutsche. Ermittelt wurden insgesamt 3425 Tatverdächtige, davon hatten 24,4 Prozent oder 831 keinen deutschen Pass. 2547 Tatverdächtige waren im Übrigen männlich, 878 weiblich.