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Weniger Kriminalität und hohe Aufklärung im Landkreis Neunkirchen 2018

Kriminalstatistik für 2018 : Weniger Straftaten im Landkreis

Aufklärungsquote der PI Neunkirchen erneut verbessert. „Tatorteinheit“ des Kriminaldienstes hat sich bewährt.

Die Wahrscheinlichkeit, Opfer einer Straftat zu werden, ist im Landkreis Neunkirchen im vergangenen Jahr geringer geworden. Dies belegt die von der Polizeiinspektion Neunkirchen errechnete Häufigkeitszahl, sie fiel von 6 103 im Jahr 2017 auf 5 850. Die Polizei errechnet die Häufigkeit, indem sie alle gemeldeten Straftaten mit 100 000 multipliziert und durch die Einwohnerzahl dividiert. Noch mehr Fakten und Erkenntnisse aus dem Jahr 2018 liefert die polizeiliche Kriminalstatistik, die der stellvertretende Leiter der PI Neunkirchen, Helmut Berg, und die Leiterin des Kriminaldienstes, Anja Leinenbach, unserer Zeitung erläuterten. „Tatort“ war diesmal die im Mai eingeweihte neue Befehlsstelle in den Räumen der PI Neunkirchen in der Falkenstraße 11. Ausgestattet mit moderner digitaler Technik, findet hier etwa die Einsatzleitung für die Brennpunkttage in der Neunkircher City optimale Bedingungen vor.

Insgesamt hat die Polizei im Landkreis Neunkirchen 7798 Straftaten registriert, das sind 3,86 Prozent weniger als im Jahr 2017. Gestiegen ist dagegen wieder einmal die Aufklärungsquote im Kreis Neunkirchen, nämlich von 58,7 auf 59,1 Prozent. Die Polizei hat insgesamt 4606 Straftaten aufklären können. Keine Überraschung ist, dass die meisten Straftaten in der Stadt Neunkirchen gemeldet wurden, nämlich 4597. Im Vorjahr waren es allerdings noch 4761. In Ottweiler fielen sogar knapp 15 Prozent weniger Straftaten an, nämlich 511 statt 598. Auch in Illingen (559 statt 607), Eppelborn (538 statt 580) und Merchweiler (391 statt 452) fielen die Fallzahlen.

Ein Plus von 13,33 Prozent gab es jedoch in Spiesen-Elversberg, wo 2017 insgesamt 510 Straftaten gemeldet wurden und letztes Jahr 578. Noch gravierender, nämlich 18,41 Prozent, fällt das Plus in Schiffweiler aus, wo die Fallzahlen von 603 auf 714 stiegen. In Spiesen-Elversberg wurden mehr Taschendiebstähle und mehrere Körperverletzungen angezeigt; außerdem gab es im August/September eine Serie von Pkw-Aufbrüchen, erklärt Kriminalhauptkommissarin Anja Leinenbach. In der Gemeinde Schiffweiler waren vor allem gewerbliche Objekte, aber auch Wohnungen das Ziel von Einbrechern. Diese Serie konnte genauso aufgeklärt werden wie eine Pkw-Aufbruch-Serie im August/September. Es muss erstaunen, dass trotz regelmäßiger Appelle der Polizei, keine Wertgegenstände im Auto zu lassen, der Schaden so hoch bleibt. „Das Auto ist kein Tresor“, warnt Kriminaloberrat Berg vor allem vor den „Verwertungstaten“. Sprich der Dieb kann die im Geldbeutel gefundenen EC-Karten sofort zu Geld machen, weil er noch den Zettel mit der Pin-Nummer in der Börse findet.

Anders als im saarlandweiten Trend stiegen wieder mehr Täter im Landkreis Neunkirchen in Häuser ein. Tagsüber (bis 21 Uhr) wurden 70 Wohnungseinbrüche registriert, am Wochenende 125, fünf Einbrüche wurden bandenmäßig ausgeführt, also von mehr als zwei Personen. Diese Räuberbande hatte sich auf leer stehende beziehungsweise von einer älteren Person bewohnte Häuser vor allem in Eppelborn, Lebach und Schiffweiler spezialisiert. Die Täter nutzten dabei ihre lokalen Kenntnisse, wohnten sie doch selbst in Eppelborn. Drei Haupttäter der fünfköpfigen Bande kamen in Haft. Ein „großer, sehr wichtiger Fahndungserfolg“, betont Helmut Berg, denn die Einbruchserie habe für große Unruhe in der Bevölkerung gesorgt. Gerade bei Einbrüchen ist die Suche von verwertbaren Spuren und deren Sicherung wichtig. Speziell ausgebildete Kriminaltechniker untersuchen Lacksplitter am Tatort, Faserreste oder Fingerabdrücke. Seit Oktober 2018 ist beim Kriminaldienst der PI Neunkirchen die „Tatorteinheit“ mit einem Früh- und Mittagsdienst sowie einem Tagesdienst am Samstag besetzt. Diese deckt den gesamten Osten ab, also die Landkreise Neunkirchen St. Wendel und Saar/Pfalz. Eine Neuerung, die sich bereits bewährt habe, betont die Kriminaldienstleiterin. Die verbesserte Datenqualität mache sich bei der Überführung der Täter bezahlt.

Es lohnt sich, einen detaillierten Blick auf die Fallzahlen in der Stadt Neunkirchen zu werfen. In der Innenstadt sind die registrierten Straftaten von 3713 auf 3306 gefallen, das ist ein Rückgang um fast elf Prozent. Auch in Wellesweiler (minus 7), Kohlhof (minus 9), Ludwigsthal (minus 5), Hangard (minus 11) und Münchwies (minus 4) fällt die Bilanz positiv aus. In Wiebelskirchen gab es ein Plus um 12,41 Prozent (462 statt 411). Fast verdoppelt hat sich die Zahl jedoch in Sinnerthal, wo die Fallzahlen von 57 auf 111 hoch geschnellt sind. „Hier liegen die Delikte querbeet“, berichtet Leinenbach. 30 Rohheitdelikte wurden hier gemeldet, sprich Körperverletzungen, Raubüberfälle oder Handtaschenraub. Allein acht Mal wurde ein (bestimmter) Stalker angezeigt. Außerdem gab es 23 Diebstähle, 36 schwere Diebstähle und sechs Wohnungseinbrüche.

Kriminalstatistik Kreis Neukirchen. Foto: SZ/Müller, Astrid

Als „sehr wichtig“ bezeichnet es Kriminaloberrat Berg, dass es gelungen sei, im „hoch sensiblen Bereich der Innenstadt“ für einen Rückgang der Straftaten gesorgt zu haben. Das Hot-Spot-Konzept der PI Neunkirchen, mit Fußstreifen verstärkt Präsenz zu zeigen – bislang gab es 374 Streifengänge seit März 2017 – und noch mehr Zeit in Prävention zu investieren, zeige Wirkung. Außerdem lobt Berg ausdrücklich die Zusammenarbeit mit der Citywache der Stadt Neunkirchen. Die Sicherheit auf öffentlichen Straßen und Plätzen habe sich verbessert. Anja Leinenbach stellt fest: „Das subjektive Gefühl und die objektiven Daten widersprechen sich.“ Weniger Arbeit haben die 170 Beamtinnen und elf Tarifbeschäftigen der PI Neunkirchen nicht, auch wenn weniger Straftaten gemeldet wurden. Am vergangenen Wochenende etwa gab es 240 Ersuche von den Bürgern – von der Ruhestörung bis zur Körperverletzung. Die Belastung für das Team der PI Neunkirchen sei mit am stärksten im Saarland, sagt Helmut Berg. „Was diese Leute Tag für Tag hier leisten, ist wirklich enorm.“ Berg und Leinenbach erklären dies so: „Wir haben hier einen sehr guten Zusammenhalt.“