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Weisser Ring Neunkirchen rechnet mit Anstieg von häuslicher Gewalt

Weisser Ring Neunkirchen : Weisser Ring rechnet mit Anstieg von häuslicher Gewalt

Die Hilfsorganisation bietet auch in der Corona-Krise Hilfe an.

In der Corona-Krise werde es zu deutlich mehr Fällen von häuslicher Gewalt kommen als sonst. Davon geht der Weisse Ring aus, Deutschlands größte Hilfsorganisation für Opfer von Kriminalität. Es sei zu befürchten, dass mit den aktuellen Maßnahmen Tausende Gewaltopfer den Tätern ausgeliefert seien. Mehr jedenfalls als in „normalen Zeiten“, heißt es in Mitteilung. 2608 Fälle wurden 2018 bei der saarländischen Polizei angezeigt. Mehr als 140 000 Taten im Bundesgebiet insgesamt. Die Dunkelziffer liegt weit höher und dürfte ansteigen.

„Gewalt in engen sozialen Beziehungen ist keine Privatangelegenheit, die grundrechtlich geschützte Wohnung kein rechtsfreier Raum. Wer Gewalt ausübt, verstößt gegen Strafgesetze, wird zum Straftäter“, sagt Felix Zeck, stellvertretender Landesvorsitzender des Weissen Rings und Leiter der Außenstelle im Landkreis Neunkirchen. Er ruft alle Familienmitglieder, Bekannte und Nachbarn zur besonderen Achtsamkeit auf. „Es ist wichtig, in akuten Gefahrensituationen die Polizei unter der 110 zu rufen.“ Die Polizei hat auf der Grundlage des Saarländischen Polizeigesetzes unter anderem die Möglichkeit gegen den Gewalttäter eine sogenannte Wohnungsverweisung mit Rückkehrverbot – in der Regel für zehn Tage – auszusprechen.

„Dieses Zeitfenster“, so informiert Zeck, „ermöglicht dem Gewaltopfer seine Situation zu überdenken, Hilfe zu holen und beim zuständigen Familiengericht (Amtsgericht) eine befristete Überlassung der gemeinsam genutzten Wohnung nach dem Gewaltschutzgesetz zu beantragen.“ Wird ein solcher Antrag auf zivilrechtlichen Schutz bei Gericht im Zeitrahmen der polizeilichen Wohnungsverweisung gestellt, so kann die Polizei diesen um nochmals zehn Tage verlängern. „Es ist für die Antragsstellung bei Gericht nicht notwendig aber sinnvoll, sich hier zeitig von einer Fachanwältin beraten und helfen zu lassen“, so der Außenstellenleiter. „Der Gewalttäter muss die Konsequenzen ziehen und die Wohnung verlassen, nicht das Opfer. Wir unterstützen die Gewaltopfer.“

Die Opferhelferinnen und Opferhelfer sind auch in dieser schwierigen Zeit erreichbar: Von 7 Uhr bis 22 Uhr unter der kostenlosen bundesweiten Rufnummer 11 60 06.

www.weisser-ring.de