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Weihnachten mit einer Papiermütze

Heiligenwald. "In der Volksschule in Göttelborn führten wir ein Krippenspiel auf, drei Wochen vor Weihnachten." Elke Kehls Bruder, der schon verstorben ist, umrahmte die Feier mit Musik auf dem familieneigenen Harmonium. "Ich war ein Zwerg, hatte eine Papiermütze auf und einen Nylon-Hanfbart an", erinnert sich Kehl

Heiligenwald. "In der Volksschule in Göttelborn führten wir ein Krippenspiel auf, drei Wochen vor Weihnachten." Elke Kehls Bruder, der schon verstorben ist, umrahmte die Feier mit Musik auf dem familieneigenen Harmonium. "Ich war ein Zwerg, hatte eine Papiermütze auf und einen Nylon-Hanfbart an", erinnert sich Kehl. Sobald das Weihnachtslied "Oh du fröhliche, oh du selige einsetzte, hatte Elke Kehl ihren Satz zu sagen. "Nun zünden wir das Bäumchen an, das jeder hat auch Freud daran!" Beim "nun Zünden wir" passierte es: "Mein Bart fing Feuer. Oh Schreck! Mein Bruder schrie: Elke halte dir den Mund und die Augen zu. Er sprang mit einem Satz von seinem Stuhl und warf geistesgegenwärtig seine neue Jacke über mich." Die Flamme war gelöscht. Allerdings waren die Haare total verbrannt, "ich hatte keine Augenlider mehr und die Haut hing in Fetzen im Gesicht", auch die Hände hatten genug abgekriegt. "Heute", so ist sich Elke Kehl sicher, "würde man mich in eine Spezialklinik fahren, aber damals? Da rief man den Hausarzt, der cremte und machte einen dicken Verband. "Ich konnte zehn Tage nur Pudding und Suppe essen." Nach diesen zehn Tagen kam der Verband ab. "Da war eine dicke, schwarze Kruste im Gesicht." So ging es bis Weihnachten. An Heiligabend morgens fiel plätzlich die Kruste ab: zu sehen war dünne, fast glatte Haut, keine Narben. "Noch vier Wochen Creme und alles war verheilt. Das war mein schönstes Weihnachtsfest. red/ji