Wasserversorgung im Landkreis Neunkirchen

Landkreis Neunkirchen : Wasserversorger machen sich klimafest

SZ-Gespräch mit WVO-Geschäftsführer Stefan Kunz und Landrat Sören Meng über Förderung, Sicherheit, Kosten und Preise.

Am 27. Juni hat die Wasserversorgung Ostsaar (WVO) ihre bislang größte Tages-Abgabe verzeichnet. „16 400 Kubikmeter“, sagt Stefan Kunz, Geschäftsführer der WVO und des Zweckverbandes Wasserversorgung der Stadt- und Landgemeinden des Kreises Neunkirchen. „Die geringste Abgabe in diesem Jahr hatten wir am 9. April mit 8900. Der Schnitt liegt bei 10 900.“ Die WVO hat ihr Kernversorgunsggebiet im Landkreis Neunkirchen und versorgt gut 90 000 Menschen (siehe „Info“).

Wenn wir Wasser brauchen, drehen wir jedenfalls den Hahn auf und es fließt. Bleibt das so? In diesem heißen Sommer gingen und gehen immer wieder Meldungen durch die Medienlandschaft: Könnte das Grundwasser, aus dem wir überwiegend unseren Wasserbedarf decken, zu Neige gehen? Entnehmen wir vielleicht mehr, als sich regeneriert? Diese Fragen stellen wir im Gespräch mit Stefan Kunz und mit Landrat Sören Meng als Verbandsvorsteher des Zweckverbandes. Kunz sieht die Versorgung jetzt und in der absehbaren Zukunft gesichert: „Wir haben im Saarland keine Überförderung. Der maximale Wert der Grundwasser-Entnahme liegt bei 65 Prozent. Wir haben also einen großen Puffer.“ Dennoch registrieren die Wasserversorger die klimatischen Veränderungen: „Die Winter sind milder. Ob sie trockener sind, lässt sich noch nicht belastbar sagen“, sagt Kunz. „Die Sommer sind sicher trockener, haben längere Trockenperioden. Der Regen kommt, wenn er kommt, auf einmal gewaltig.“ Die Wasserversorger stellen sich auf diese Auswirkungen des Klimawandels ein. Kunz: „Die Wasserversorger vernetzen sich stärker untereinander, können sich gegenseitig aushelfen. Wir investieren in klimafeste Anlagen, zum Beispiel sichere und immer erreichbare Anlagen auch bei Überschwemmungen. Wir sorgen für Klimarobustheit der Systeme wie Kühlung und unserer Elektronik. Wir halten ausreichend Brunnen vor. Und wir haben Notfallpläne entwickelt.“ Meng verweist zudem auf „Alternativbrunnen“. Brunnen, die nicht im Betrieb sind, aber bei Bedarf jederzeit in Betrieb gehen können.

„Die Grundwasserstände sind saarlandweit stabil“, heißt es auf SZ-Anfrage aus dem Umweltministerium in Saarbrücken. Das Landesamt für Umwelt- und Arbeitsschutz (LUA) betreibt zur quantitativen Überwachung des Grundwassers ein so genanntes Grundwasserstandsmessnetz. 42 Messstellen verteilen sich, eine davon auch im Landkreis Neunkirchen.

„Seit Jahrzehnten sind wir in der Lage, unsere zur Wasserversorgung genutzten Grundwasser-Vorkommen nachhaltig zu bewirtschaften“, heißt es weiter. „Bisher bewegen sich die Grundwasserstände im normalen Schwankungsbereich. Wir entnehmen weniger Wasser als neu gebildet wird.“ Ein Absinken auf Grund klimatischer Veränderungen könne in der Zukunft nicht ausgeschlossen werden: „Jedoch deuten die bisher verwendeten Klimaprojektionen nicht darauf hin, dass sich die gute aktuelle Ausgangslage signifikant verändern wird.“

Es gibt Ecken in Deutschland, da ist das Grundwasser schon 30 Zentimeter unter der Erdoberfläche abzugreifen, etwa im Leipziger Auenwald. Und es gibt Landstriche, da heißt es 100 Meter in die Erde hineingehen, etwa auf der Schwäbischen Alb. Im Bereich der WVO liegt die Konzentration der Wassergewinnung in den Böden Raum Homburg und Lebach, wie Kunz sagt: „An beiden Standorten stoßen wir ab zehn Meter auf Grundwasser.“

Im Schnitt liegen die Kosten für Trinkwasser pro Person und Jahr für WVO-Kunden bei 117 Euro, liegt der Verbrauch pro Person und Tag bei 102 Litern (siehe Grafik). Das koste im Schnitt 30 Cent. Der Wasserverbrauch ist seit Jahrzehnten rückläufig (Waschmaschinen etwa verbrauchen immer weniger). Die Kosten bleiben stabil, sagt Kunz. 80 Prozent der Kosten der Trinkwasserversorgung fließen in Vorhalten und Unterhalten der Infrastruktur wie Brunnen, Wasserwerke, Hochbehälter und Leitungsnetz. Und gerade in die Netze, so Kunz, müsse zukünftig verstärkt investiert werden: „Sie sind in die Jahre gekommen.“ Aber die Kosten werden sich in Zukunft wegen des demografischen Wandels und abnehmender Bevölkerung auf weniger Köpfe verteilen. Folge: Der Preis steigt.

Was Kunz und Meng auch wahrnehmen, ist ein sich änderndes Bewusstsein: „Wasser ist im Trend, ob Leitungswasser oder Mineralwasser. Die Menschen schätzen es als Lebensmittel, wissen um seinen Wert.“ Meng weiter: „Der Landkreis als Schulträger arbeitet daran, Brunnen als Wasserspender an den weiterführenden Schulen aufzustellen.“ „Wir unterstützen diese Pläne“, sagt Kunz. „Nächstes Jahr werden wir die ersten Wasserspender aufstellen.“

Grundwasser sichert unser Trinkwasser. Und wenn der Grundwasserspiegel sinkt? Die Trinkwasserversorger registrieren die klimatischen Veränderungen und stellen sich auf die Folgen ein. Foto: Getty Images/ iStockphoto/Hyrma

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