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„Wald trifft Schule“-Projekt der Ganztagsgemeinschaftsschule Neunkirchen erhält David-Preis 2020

Ganztagsgemeinschaftsschule Neunkirchen : Viel Lob für Klassenzimmer im Kasbruch

„Wald trifft Schule“-Projekt der GGS Neunkirchen erhält deutschlandweit ausgelobten David-Preis der Sparkassen-Finanzgruppe.

Großer Bahnhof im klitschnassen Wald: Nach einem kleinen Fußmarsch finden sich die zum Teil vorsorglich mit robustem Schuhwerk ausgestatteten Gäste aus Landes-, Kreis- und Stadtverwaltung an diesem Donnerstagmorgen auf einer Lichtung im Kasbruch ein. Dort in der aus rohen Brettern selbst gezimmerten Waldschule der Ganztagsgemeinschaftsschule Neunkirchen (GGS NK) sitzen schon Mädchen und Jungen der Klasse 5a um eine lodernde Feuerstelle mit heimelig duftenden Buchenholzscheiten – das passende Ambiente für die Verleihung des David-Preises 2020 der Sparkassen-Finanzgruppe. Ausgezeichnet wird heute das Projekt „Wald trifft Schule“ der GGS NK.

Eine Premiere! Zum ersten Mal überhaupt geht der David-Preis ins Saarland. Von zwölf deutschlandweit eingereichten Projekten in diesem Jahr konnte Neunkirchen zusammen mit dem Thüringischen Audioguide-Projekt „Hör mal im Museum“ die Jury am stärksten beeindrucken. Gewundert habe sie das überhaupt nicht, als sie davon hörte, verrät Sparkassenpräsidentin Cornelia Hoffmann-Bethscheider. Als Landrätin war sie vor ihrem Wechsel zur Sparkasse selbst für die rührige Gesamtschule zuständig gewesen. „Wo sonst gibt es eine Schutzhütte als Klassenzimmer oder einen Schulwald als Turnhalle?“ Was Schulleiter Clemens Wilhelm in seiner Begrüßung schon indirekt beantwortet hatte: „Vielleicht fünf Schulen arbeiten in der Bundesrepublik in dieser Art und Weise“, mehr nicht.

„Wald trifft Schule“ zielt darauf ab, Schülern durch praktisches Arbeiten und das Erleben des Waldes die Bedeutung der Natur und des Ökosystems Wald zu vermitteln. Der Schule steht dafür in Kooperation mit dem Saarforst eine Fläche des Staatswaldes zur Verfügung. Hier werden drei fünfte Klassen jeweils ein ganzes Schuljahr lang wöchentlich einen halben Tag lang unterrichtet – „mit allen Sinnen, und das mitten im Wald“, lobt die Sparkassenpräsidentin. Ihr Nachfolger Sören Meng freut sich über den noch immer guten Zustand der Hütte, „man sieht, sie wird von den Menschen wertgeschätzt. Alle brennen für dieses Projekt“, ist sich der Landrat sicher. Sein Sohn war selbst in den Genuss des Waldunterrichts gekommen: „Es geht dabei nicht nur um den Lerninhalt Wald, hier wird Kunst, Mathematik und Deutsch vermittelt“ und letztlich ganz anders begriffen, schwärmt Meng. Die Waldschule, „dieser Ort der Kraft“, präge die Kinder. „Der Wald wird euch nicht loslassen“, wendet er sich an die Schüler. Viel Anerkennung gibt es auch von Staatssekretär Henrik Eitel. „Das ist toll, das ist vorbildlich! Nicht nur das, was hier geschaffen wurde, sondern dass es auch am Leben erhalten wird.“ Wobei der personelle Aufwand schon happig ist. So sind pro Projekttag zusätzlich zu den Lehrern Sozialarbeiter, ein Wildnis-Pädagoge in Person von Mike Adams, FÖJ-ler und die Künstlerin Stephanie Laub involviert. Deshalb steht und fällt dieses Vorzeigeprojekt mit seiner finanziellen Förderung.

Wer will, darf nach dem offiziellen Akt mal in eine Wald-Schulstunde reinschnuppern. Jedenfalls so lange es der immer wieder einsetzende Regen zulässt. Nach einer kurzen Einführung zum Thema Prosa, auf klappbaren Dreibein-Hockern im Freien besprochen, schwärmt ein Teil der Klasse mit wasserfest laminierten Arbeitsblättern aus. Der Auftrag lautete, sich zu einem Gedicht mit maximal elf Wörtern inspirieren zu lassen. Eine andere Gruppe schnappt sich Fuchsschwanz-Sägen, um auf Holzböcken Äste für ein Regal in eine Länge zu bringen. Nicht so recht trauen wollen sich die Mädchen vom dritten Team, ihre Hände in die „Fühl-Kästen“ zu strecken. „Da ist was Spitzes drin“, meint Elmedina, als sie sich schließlich doch überwindet. Ihre Nachbarin Roushin, wie sie elf Jahre alt, erkennt beim Tasten Blätter. Solche mit Rundungen. Von welchem Baum die sein könnten, fragt Stephanie Laub nach. Eiche, lautet nach kurzem Überlegen die völlig korrekte Antwort.

„Es gibt Kinder, die waren noch nie im Wald“, weiß Schulleiter Wilhelm und das gefällt ihm nicht. Ein Grund mehr, warum dem engagierten Pädagogen dieses Projekt so wichtig ist. Eine Überzeugung, die er im Übrigen mit den Eltern zu teilen scheint: Obwohl man auch bei garstigem Wetter mit den Schülern in den Wald geht, „gab es bisher nicht eine einzige Beschwerde“.