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Vor 19 Jahren traf Nicola Lalla für Neunkirchen zum "Tor des Monats"

Die Erinnerung lebt : . . . und das Ding zappelte wirklich im Netz

Vor rund 19 Jahren erzielte Nicola Lalla im Trikot von Borussia Neunkirchen das „Tor des Monats“.

Ein Tor wie es Nicola Lalla im Jahr 2002 im Trikot des damaligen Oberligisten Borussia Neunkirchen gegen den FK Pirmasens erzielt hat, sieht man nicht alle Tage. Deswegen wurde der Fallrückzieher auch in der ARD-Sportschau gegen namhafte Konkurrenz zum Tor des Monats gewählt. Es war am 9. März 2002 um 16.55 Uhr, als sich Lalla, heute Trainer beim Verbandsligisten SV Losheim, quer in die Luft legte, um eines jener Tore zu erzielen, die im Fußball so selten sind, dass sie nie vergessen werden.

Herr Lalla, der 9. März 2002 war ein ganz besonderer Tag für Sie. Können Sie sich überhaupt noch an Ihr Tor des Monats erinnern?

Aber sicher. Ein wunderschöner Tag im März und viele Zuschauer im Stadion. Nach acht Siegen in Folge haben wir den Tabellenvierten FK Pirmasens zum Spitzenspiel im Ellenfeld empfangen. Ich wurde in der 55. Minute für Timo Töttel eingewechselt und war gerade elf Minuten auf dem Platz, als eine lange Flanke von Thorsten Freyer in den Strafraum auf mich zu segelte. Ich stand rund vierzehn Meter mit dem Rücken zum Tor. Ich habe noch daran gedacht, den Ball mit der Brust anzunehmen, habe mich aber dann entschieden, einen Fallrückzieher zu riskieren. Als ich anschließend hochschaute, sah ich nur noch, wie das Ding wirklich im Netz zappelte. Es war der Treffer zum 3:0 für uns, das war die Entscheidung. Am Ende haben wir mit 3:1 gewonnen.

Bekommt man während des Spiels mit, was für ein Tor man da gerade erzielt hat?

Dass das ein nicht alltägliches Tor war, spürt man als Fußballer intuitiv schon im ersten Moment. Aber nicht, welche Folgen das nach sich zieht. Das war mir nicht bewusst. Im ersten Moment habe ich mich einfach nur darüber gefreut, zum Sieg gegen den FKP beigetragen zu haben.

Wie ging es dann weiter bis zur Auswahl zum „Tor des Monats“?

Weil es ein Spitzenspiel war, war auch das Fernsehen da. Der Spielbericht wurde am Abend im Saarländischen Rundfunk gesendet. Dort kam man dann auf die Idee, mein Tor als Vorschlag für das „Tor des Monats“ zum WDR nach Köln zu schicken. Darüber bin ich gleich informiert worden, wusste aber nicht, ob das Tor überhaupt in die Auswahl aufgenommen wird. Zwei, drei Wochen später erhielt ich dann die Nachricht, dass ich tatsächlich dabei bin.

Was ging bei der Ausstrahlung im Fernsehen in Ihnen vor?

Da habe ich das Tor und seine Wirkung erst richtig realisiert. Es war für mich ein einmaliges Gefühl, weil ich als Kind immer schon vor dem Fernseher saß und beim „Tor des Monats“ ganz fasziniert die Profis bewundert habe. Und jetzt war ich selbst dabei – Unglaublich!

Und dann hieß es: Der Sieger ist Nicola Lalla von Borussia Neunkirchen. Waren Sie überrascht?

Ja, schon ein bisschen. Denn mit den damaligen Nationalspielern Andreas Möller und Jörg Böhme war verdammt starke Konkurrenz im Rennen. Und dann war da noch ein ganz besonders ungewöhnlicher Treffer. Tomislav Piplica, der Kult-Torwart von Energie Cottbus wollte einen Ball ganz lässig mit dem Hinterkopf über seinen Kasten lenken. Der ist aber im Netz gelandet. Da habe ich zuerst gedacht, dass dieser verrückte Treffer die besten Aussichten hätte.

Doch die Wahl fiel auf Sie und anschließend kam die Ehrung . . .

. . . die im Ellenfeldstadion stattfand. Da hatte sich das Fernsehen etwas Besonderes einfallen lassen. Dass ich die Plakette ausgerechnet von meinem Stürmer-Vorbild Stefan Kuntz, der zusammen mit seinem Vater Günter gekommen war, überreicht bekam, war etwas ganz Besonderes.

Trotz dieses Erfolges sind Sie nach einem Jahr bei der Borussia zum SC Gresaubach gewechselt. Was war der Grund?

Dieses eine Jahr bei der Borussia war eine tolle und lehrreiche Zeit für mich. Wir sind Meister geworden und in die Regionalliga aufgestiegen, dazu haben wir das Hallenmasters gewonnen. Doch für mich war schon relativ früh klar, dass ich diesen Weg nicht mitgehen kann. Der zeitliche Aufwand war für mich nicht zu stemmen. Ich habe damals in der Personalabteilung im Trierer Mutterhaus gearbeitet, hatte lange Fahrtwege zum Training und den Spielen. Zudem hatte ich im November 2001 einen Autounfall, der mir eine zweimonatige Zwangspause bescherte. Borussia-Trainer Jörg Nehren hat trotzdem zu mir gehalten, so dass ich nach der Winterpause wieder angreifen konnte. Wir hatten damals eine Super-Truppe. Mit Spielern wie Sascha Purket, Peter Eiden, Ralph Flausse, Ewald Bucher, Bülent Türker und Björn Kriegshäuser. Aber der Aufwand war für mich zu groß – und meine berufliche Entwicklung zu wichtig.

Verfolgen Sie den Weg der Borussia heute auch noch?

Wenn ich ehrlich bin: Nicht besonders intensiv. Ich schaue schon mal, wie die Borussia sich schlägt. Ich finde es einfach schade, dass dieser traditionsreiche Club heute in der Saarlandliga spielt.

Seit fünf Jahren sind Sie sehr erfolgreich beim SV Losheim als Trainer tätig. Zufrieden?

 Nicola Lalla 2002 im Trikot von Borussia Neunkirchen. . .
Nicola Lalla 2002 im Trikot von Borussia Neunkirchen. . . Foto: Hartung
 Der Beweis ist eingraviert: Der Treffer von Nicola Lalla war im März 2002 der schönste in ganz Fußballdeutschland.
Der Beweis ist eingraviert: Der Treffer von Nicola Lalla war im März 2002 der schönste in ganz Fußballdeutschland. Foto: Borussia Neunkirchen
 . . . und heute als Trainer des Verbandsligisten SV Losheim.
. . . und heute als Trainer des Verbandsligisten SV Losheim. Foto: Rudi Barth

Auf jeden Fall. Wir sind gleich in meinem ersten Jahr in die Verbandsliga aufgestiegen und bewegen uns seitdem immer unter den ersten Sechs der Liga. Das ist das Optimum, was wir rausholen können. Die Saarlandliga ist bei uns kein Thema. Die Arbeit in Losheim macht mir unheimlich viel Freude. Ein tolles Erlebnis war für uns die Teilnahme am Hallenmasters in Saarbrücken, wo wir – damals noch als Landesligist – als klassentiefstes Team angetreten sind.