Von Susan Weinert bis zu den "Waiblinger Nachtigallen"Klein, aber fein und ausdauernd über zwei Jahrzehnte hinweg

Von Susan Weinert bis zu den "Waiblinger Nachtigallen"Klein, aber fein und ausdauernd über zwei Jahrzehnte hinweg

St. Wendel. Das Warten hat ein Ende für viele Musikfreunde von nah und fern: Die 17. Internationalen St.Wendeler Jazztage stehen an, nachdem sie aus dem vergangenen in dieses Jahr verschoben werden mussten, weil das Festival-Gebäude, der St. Wendeler Saalbau, nach einem Brand erst wieder hergerichtet werden musste

St. Wendel. Das Warten hat ein Ende für viele Musikfreunde von nah und fern: Die 17. Internationalen St.Wendeler Jazztage stehen an, nachdem sie aus dem vergangenen in dieses Jahr verschoben werden mussten, weil das Festival-Gebäude, der St. Wendeler Saalbau, nach einem Brand erst wieder hergerichtet werden musste. Deshalb gehen die Jazztage nicht erst wie gewohnt im September, sondern bereits jetzt über die Bühne, konkret vom 25. bis 27. April. Das musikalische Trostpflästerchen für die Verspätung: In diesem Jahr gibt es, um im Rhythmus zu bleiben, gleich noch einmal Jazztage, nämlich die 18. vom 5 bis 7. September. Das April-Festival steht unter dem Motto "20 Jahre Jazzförderkreis", läuft wieder über drei Tage und schließt mit einer zünftigen WND Blues Night ab. Am ersten Abend, am Freitag, 25. April, ab 20 Uhr, stehen zwei deutsche Projekte einem amerikanisch-skandinavischen gegenüber: Susan Weinert präsentiert gemeinsam mit dem französischen Saxofonisten Pierre Bertrand, dem Percussionisten Hakim Ludin und ihrem Mann Martin Weinert am Bass das neue Projekt Special Synergy. Bei "2 Generations of Trumpets" treffen mit ihrem Quintett Andy Haderer und Matthias Schriefl aufeinander, zwei der vielseitigsten Trompeter Europas. Der amerikanische Star-Vibrafonist Mike Mainieri beschließt den Abend mit dem Projekt "Northern Lights", einem handverlesenen skandinavischen Quartett mit Lars Danielsson, Bendik Hofseth und Audun Kleive.Den zweiten Abend, Samstag, 26. April, veredelt ab 20 Uhr der Saxofonist Charlie Mariano, einer der wichtigsten Exponenten des World-Jazz, unverkennbar in seiner Virtuosität, seiner Poesie und Lebensfreude. Mit dem holländischen Pianisten Jasper van`t Hof treffen sich zwei Grenzgänger, die sich selbst auf einem dünnen Hochseil traumwandlerisch sicher bewegen. Zuvor präsentiert der Pianist Christoph Stiefel aus der Schweiz sein Trio, ein spannendes, zeitgemäßes Projekt, das auf der mittelalterlichen Kompositionstechnik der Isorhythmie basiert. Die Kölner Saxophon Mafia beschließt den zweiten Abend: Die vier Herren dürfen noch immer als eine in Deutschland wohl einmalige Versammlung der Superhirne, Grenzgängerfantasten und Handwerksfetischisten bewundert werden.Eine Blues Night am Sonntag, 27. April, dem dritten und letzten tag des Festivals, ab 19.30 Uhr beendet die Jazztage. Angela Brown aus den USA, in Chicago als "the hottest Lady in town" gefeiert, eröffnet den Abend. Sie hat die Aura der legendären Bluessängerinnen der 20er Jahre und tritt damit die Nachfolge von Sängerinnen wie Bessie Smith und Ma Rainey an. Und schließlich: Dr. Mablues & the detail horns, die neun "Waiblinger Nachtigallen. Ihnen geht der Ruf voraus, dass, überall, wo sie auftreten, binnen weniger Minuten eine Stimmung herrscht. Gewiss auch an diesem Sonntag im St. Wendeler Saalbau.St. Wendel. Aus gutem Grund steht das diesjährige Jazz-Festival in St. Wendel unter dem Motto "20 Jahre Jazzförderkreis". Denn die Liste der in den vergangenen zwei Jahrzehnten in St.Wendel dank dieses Vereins und dessen Lokomotive, Strippenzieher, Spiritus Rector des Festivals von Anfang an, Ernst "Ernesto" Urmetzer (Foto: Jean M. Laffitau), aufgetretenen Jazz-Ensembles und -Solisten ist lang, liest sich wie ein Who's Who der Jazzgeschichte. Urmetzer, der das Festival gerne mit den Worten "klein, aber fein" beschreibt, hat es von Beginn an stilistisch zwischen Tradition und Moderne angesiedelt, aber auch die so genannte Weltmusik und die populären Seitenstränge wie Blues, Funk, Latin bei "WND Jazz" stets einbezogen. Und so spielte, was Rang und Namen in der Jazzwelt hat, auch irgendwann einmal in St. Wendel. Dazu gehörten die Auftritte mit Bill Frisell, Steve Coleman and five Elements und Tower of Power aus den USA, Arturo Sandoval und der Star-Band Irakere aus Kuba, Richard Galliano, Renaud Garcia-Fons aus Frankreich, Young Power aus Polen, Huun-Huur-Tu aus Tuva, Carlo Rizzo aus Italien, Maria Joao aus Portugal, Bobo Stenson aus Schweden, Oslo 13 aus Norwegen, Jasper van't Hof aus Holland mit David Friedman aus den USA, Les Tambours de Brazza aus dem Kongo, Christian Willisohn mit Lillian Boutt&; aus New Orleans, C&;cile Verny und Mardi Gras aus Deutschland. Dieses Staraufgebot hatte und hat aber auch seinen Preis. St. Wendels Bürgermeister Klaus Bouillon nennt es "selbstverständlich für die Stadt, dass wir der Hauptsponsor sind". Und er nennt eine Zahl: 232 000 Euro habe die Stadt seit 1989 in das Jazz-Spektakel investiert, das zu einem Markenzeichen für St. Wendel geworden ist - und es bleiben soll. Zumal sich das Festivalkonzept, regionale Formationen den internationalen Musikern im Programm gleichwertig gegenüber zu stellen, sich bewährt habe. "Wir hatten etliche Sternstunden hier, schon wegen der schönen Atmosphäre", so Urmetzer. Eine Atmosphäre, die nicht nur die Musiker von nah und fern in ihren Bann zog, sondern auch viele junge Jazz-Interessierte angelockt habe. Die Stadt fungiert als Veranstalter, die St. Wendeler Jazzer bringen das notwendige Know-how und die Arbeitskräfte ein. Das, so Urmetzer, sei das Erfolgsrezept.Und auch für die 17.St. Wendeler Jazztage habe dank der "großzügigen städtischen Unterstützung" wieder ein attraktives Programm zusammengestellt werden können. So habe man einen besonderen Botschafter des Jazz, nämlich den amerikanischen Alt- und Sopransaxofonist Charlie Mariano, gewinnen können. Und mit Jasper van`t Hof aus den Niederlanden spielen am 26. April zwei Top-Musiker der ersten Jahre von WND Jazz, quasi als "Klammer zur Vergangenheit", so Urmetzer. ru

Auf einen BlickProgramm der 17. Internationalen St. Wendeler Jazztage im Saalbau: Freitag, 25. April: 20 Uhr Susan Weinert Special Synergy feat. Hakim Ludin (D) Pierre Bertrand (F) 2 Generations of Trumpets (D) feat. Matthias Schriefl & Andy Haderer Mike Mainieri & Northern Lights (USA/N/S) feat. Lars Danielsson, Bendik Hofseth, Audun KleiveSamstag, 26. April: 20 Uhr Christoph Stiefel Trio (CH) Charlie Mariano & Jasper van`t Hof (USA/NL) Kölner Saxofon Mafia (D)Sonntag, 27. April: 19.30 Uhr WND Blues Night: Angela Brown (USA) Dr. Mablues & the detail horns (D).Karten gibt's an den bekannten Vorverkaufsstellen: Saarbrücken: SR am Markt, Tel. (0681) 9 36 99 77, Musikhaus Arthur Knopp, Tel. (0681) 9 10 10-0, KulTour, Tel. (0681) 39 79 91, St. Wendel: Buch und Papier Klein, Tel. (06851) 93 94 30, Marios Musikladen, Tel. (06851) 84 09 22. Die Tageskarte für Freitag/Samstag kostet 23, ermäßigt 18 Euro, für Sonntag 19, ermäßigt 15 Euro. An der Abendkasse kostet ist die Tageskarte jeweils zwei Euro teurer. Reservierung per E-Mail: tickets@wndjazz.de red

Mehr von Saarbrücker Zeitung