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Einladung in den Frühlingswald
Vom Nutzen und vom Schützen

Förster Thomas Brill misst mit einer Messkluppe den Durchmesser einer Eiche in seinem Revier bei Menschenhaus.
Förster Thomas Brill misst mit einer Messkluppe den Durchmesser einer Eiche in seinem Revier bei Menschenhaus. FOTO: Thomas Seeber
Neunkirchen. Am 21. März kann man mit dem Förster sein Revier erkunden. Die SZ war vorab mit Thomas Brill in Menschenhaus unterwegs. Von Heike Jungmann

Einen dicken roten Punkt sprüht Thomas Brill auf die zirka 100 Jahre alte Eiche. Ein deutliches Zeichen für die Forstarbeiter, dass sie an diesen Stamm keine Säge anlegen sollen. „Dieser Baum sollte noch mindestens 50 Jahre stehen bleiben“, sagt der Revierförster aus Furpach. Er hat die Eiche zum „Zukunftsbaum“ ausgewählt. Der stattliche Baum soll sich uneingeschränkt entwickeln können. Deshalb werden die „Bedränger“ ringsherum mit einem diagonalen Strich versehen und demnächst gefällt.


Ob die Eiche tatsächlich in zehn oder 20 Jahren noch hier in dem Waldgebiet am Furnierholzplatz am Franzosenweg stehen wird, wenn Thomas Brill längst im Ruhestand ist? „Das hoffe ich natürlich, garantieren kann ich es nicht.“ Am nächsten Mittwoch, dem Internationalen Tag der Wälder, will der erfahrene Forstmann interessierten Waldbesuchern erzählen, wie naturnahe Waldwirtschaft funktioniert. Das ist sein Steckenpferd. Apropos Pferde. Am liebsten würde Brill für die Holzernte ausschließlich Wald und Wege schonende Rückepferde einsetzen. Doch leider seien diese von schweren Erntemaschinen, den Harvestern, mehr und mehr verdrängt worden. Am Tag des offenen Reviers (siehe Info) werden Brill und seine Kollegen wohl deshalb auch gefragt werden, warum so mancher Waldweg so matschig und mit Untiefen versehen ist, dass die Freude am gewohnten Waldspaziergang arg getrübt ist. Dass der Winter – außer der Frostperiode im Februar – mal wieder zu mild und zudem zu nass war, ist jedem klar. Aber wie schwierig sich die Holzernte tatsächlich gestaltet, kann sich der Laie kaum vorstellen. „Wir haben nur ein enges Zeitfenster“, erklärt Brill. Schließlich kann das Holz nicht geschlagen und abtransportiert werden, wenn alles im Saft ist. Zwar sollen die Waldwege, die eigentlich „Waldwirtschaftswege“ heißen, nach Abschluss der Holzerntearbeiten wieder für die Besucher hergerichtet werden. Aber nicht nur in klatschnassen Wintern wie diesen reichen die 14 000 Euro, die für das Revier von Thomas Brill zur Verfügung stehen, hinten und vorne nicht.

Das Revier ist 1500 Hektar groß und reicht von Spiesen an der A 6 bis zu Limbach und Wellesweiler inklusive Kasbruch. „Da stehen tolle Biotopbäume“, weiß Brill. Diese sind zwar nicht interessant für die forstwirtschaftliche Nutzung, dafür umso mehr für die Artenvielfalt im Wald. Sie sind oft krumm und schief und haben Fauläste und Höhlen. Fledermäuse, Eulen, Hohltauben, verschiedene Mausarten, Baummarder oder Wildkatzen – sie brauchen solche Höhlen, um im Wald überleben zu können. In weichem, also faulem Holz kann der Specht seine Höhle bauen. Wenn er ausgeflogen ist, übernehmen andere Tiere diese Wohnung. „Wenn Sie einen Sprecht trommeln hören, ist der Wald intakt“, sagt Thomas Brill. Über die Jahre wird aus den Biotopbäumen erst stehendes, dann liegendes Totholz. Bei stehenden Bäumen profitieren die Arten von der Wärme in der Höhe, am Boden liegendes Holz bietet feuchtes Pilzklima.

Förster Thomas Brill hat am 21. März sicher auch ein paar Flyer in seiner Jacke, die der SaarForst zum Thema „Nachhaltigkeit in der Forstwirtschaft“ herausgebracht hat. Falls sich einer der Frühjahrswanderer dafür interessiert, was der Wald auf 100 mal 100 Metern leistet für die Natur und für die Menschen. Zum Abschied sagt er: „Ich kann zwar nicht die Welt retten, aber in meinem kleinen Revier ein bisschen was für den Naturschutz tun.“

Ein Buntspecht sitzt auf einem Haselnussbaum.
Ein Buntspecht sitzt auf einem Haselnussbaum. FOTO: Sven Hoppe / dpa