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Bessere Zuganbindung für Neunkirchen
Der Flügelzug bleibt eine Vision

Neunkirchen. Neunkircher Verkehrsverein kämpft für bessere Anbindung Richtung Mannheim. Ministerium sieht keine Chance. Von Michael Beer

Sie ist eine Steilvorlage für den Verkehrsverein Neunkirchen, die Resolution mehrerer Verbände mit dem Namen „Verkehrswende Saarland. Jetzt!“. Vor über zwei Jahre hatten Vertreter des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) und des Verkehrsvereins Neunkirchen (VN) im Neunkircher Rathaus Pläne vorgestellt, den Bahnhof Neunkirchen besser an den ICE-Knotenpunkt Mannheim anzubinden. Jetzt greifen die Verbände ADFC, BUND, Nabu und VCD in ihrer Resolution unter vielen anderen Punkten auch eben dieses Anliegen wieder auf. Was natürlich auch die Neunkircher Protagonisten, allen voran die Vereinsvorsitzenden Thomas Rammo und sein Stellvertreter Otto Dietz, anspornt, die Sache nochmal aufzugreifen. Das Wirtschaftsministerium in Saarbrücken zeigte sich als Adressat der Vorschläge vor zwei Jahren schon wenig beeindruckt und – um es vorwegzunehmen – bleibt auch jetzt ablehnend.


Die Neunkircher Dietz und Rammo bezeichnen es in einem Brief an Verkehrsministerin Anke Rehlinger gleichwohl als Skandal, dass es in Neunkirchen mit einem gut ausgestatteten Hauptbahnhof keine einzige durchgehende umsteigefreie Verbindung in den süddeutschen Raum über Mannheim gibt. Sie verweisen in ihrem Schreiben weiter darauf, ein Arbeitnehmer aus dem Raum St. Wendel, der zu seinem Arbeitsplatz nach Kaiserslautern wolle, müsse zwei Mal umsteigen, in Neunkirchen und Homburg. Das koste ihn mehr Zeit, als die Fahrt mit dem Auto anzutreten. Die Entscheidung falle dann in aller Regel für die Fahrt mit dem privaten Fahrzeug.

Die Idee des Verkehrsvereins: Die Süwex-Züge, die auf der Strecke zwischen Mannheim und Koblenz als Doppelzüge über St. Ingbert fahren, könnten in Homburg zu zwei Zügen getrennt werden – das Prinzip des „Flügelzugs“. Einer könne dann nach Neunkirchen oder auch darüber hinaus fahren. In der anderen Richtung würden die Zugteile in Homburg entsprechend zusammengeführt. Als Variante hatte der Verkehrsverein auch schon ins Spiel gebracht, einige Süwex-Verbindungen komplett über Neunkirchen zu leiten. Der stellvertretende Vereinschef Dietz spricht von rund 128 000 Menschen, die in Neunkirchen und in den angrenzenden Kommunen leben. Ohne das ebenfalls angrenzende St. Ingbert einzubeziehen, das ja in den Genuss einer guten Zuganbindung komme. Verkehrsministerin Anke Rehlinger habe er bei Veranstaltungen in Illingen und Neunkirchen auf die Sache angesprochen. Dietz, der sich selbst als „leidenschaftlichen Bahnfahrer“ bezeichnet, findet es eigentümlich, dass sich das Ministerium nicht um den Mangel kümmert. Sein Vorstandskollege Rammo hat den Flügelzug für eine bessere Anbindung nach Mannheim auch noch nicht aufgegeben. Die Vereinssatzung ziele auf eine zeitgerechte und wirksame Bahnanbindung für eine Stadt der Größe Neunkirchens. Auch wenn die Bemühungen bislang erfolglos gewesen seien, werde man gemeinsam mit den Verbänden weiter an einer Verkehrswende im Saarland arbeiten. Rammo: „Steter Tropfen höhlt den Stein.“



Es müssen aber wohl noch viele Tropfen fallen, ehe in die Sache vielleicht doch noch Bewegung kommt. Das Ministerium erklärt auf SZ-Nachfrage, den konkreten Vorschlag, die „Flügelzug-Variante“, habe das Haus schon 2016 mit der damaligen Verkehrsmanagement Gesellschaft Saar (VGS, heute ZPS) beraten und mit der Deutschen Bahn unter betrieblichen Aspekten geprüft. Dabei habe sich gezeigt, dass es  „nach derzeitigem Stand aus mehreren Gründen einfach nicht möglich“ sei. Und das habe absolut nichts damit zu tun, dass man in Saarbrücken keine Notwendigkeiten sehe, den Öffentlichen Personennahverkehr, kurz ÖPNV, zu stärken. Die Pressestelle verweist neben der Finanzierbarkeit auf passende Rahmenbedingungen und technischen Voraussetzungen. Sie müssten gegeben sein, im konkreten Fall sprächen jedoch mehrere Gründe dagegen.

Die Züge des Süwex, führt das Ministerium aus, fahren zwischen Mannheim, Homburg und Saarbrücken nur teilweise in Doppeltraktion, also mit zwei Triebfahrzeugen. Es handele sich dabei um deutlich weniger als die Hälfte der Zugfahrten, die dann auch als zwei eigenständige Züge weiterfahren könnten. Ein attraktiver Takt mit vielen Fahrten sei mithin derzeit nicht drin. Ein Stärken der Züge in Homburg gebe die Infrastruktur derzeit nicht her. Das Auseinandernehmen (Schwächen) der Züge schon, was aber wieder andere Probleme nach sich ziehe. Weiter ist von störenden Einflüssen auf den Verkehr im direkten Umfeld die Rede, vom Entfallen von Verbindungen der Linien RB 73 und 74, wenn die Süwex-Züge über Neunkirchen führen, von neuen Umsteige-Notwendigkeiten etwa für Fahrgäste von Homburg nach Illingen. Längerer Stillstand in Homburg bedeute einen Mehrbedarf an Fahrzeugen, was nicht wirtschaftlich finanzierbar sei. Auch Werkstattfahrten nach Trier wären betroffen.

Kurz: Das Ministerium hält die Neunkircher Ideen für nicht realisierbar.