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Verkaufsoffener Sonntag in Neunkirchen, Neunkircher Frühling

Wo einkaufen Freude macht : Gut gelaunt im lebendigen Herz der Stadt

Neunkircher Frühling – wieder einmal ein Sonntags-Treffer, den suboptimalen Bedingungen zum Trotz.

  „Oh, wie schön“, strahlt eine Passantin spontan, als Elvis „Blue Suede Shoes“ ertönt und auf der Bühne die Petticoats anfangen, zu fliegen. Auf dem Stummplatz gegenüber war gerade von einem der Brasserie-Gäste aufgeräumt nachgefragt worden, ob die Bedienung Decken in petto habe. Zwischen diesen beiden Polen – ansteckend guter (Tanz)-Laune und entspannter Verwunderung ob der heiteren Seite dieses doch tüchtig kühlen Sonntags, dem man sogar eine Tasse Kaffee unter freiem Himmel abtrotzen konnte - bewegte sich der Neunkircher Frühling Anno 2019.

Für Organisatorin Jessica Schmidt und ihr Team aus dem Rathaus war es allemal ein Erfolg – und das trotz widriger Rahmenbedingungen: Neben dem prophezeiten Wintereinbruch zählte auch die Örtlichkeit dazu. Vereinnahmt doch derzeit die in Bau befindliche neue Brunnenanlage vor dem Saarpark-Center fast den kompletten Platz für sich. Egal, die Oldtimerausstellung wich einfach in die Stumm- und in die Pasteurstraße sowie auf den Lübbener Platz aus und bot schnuckelige Fotomotive noch und nöcher. Eines der skurrilsten wählte Maria Lisizkaja. Die Wahlwellesweilerin, die aus Nowosibirsk stammt, lichtete Tochter Anna und Enkelin Uljkana auf einer selbstfahrenden, 12 PS starken Bandsäge von 1926 ab. „Uns gefallen die Autos von früher.“ Einige habe sie aus alten Filmen im Fernsehen wiedererkannt. Uljanka schleckte derweil ihr erstes Kugeleis der Saison. Angesprochen auf ihr österlich mit Hasenbarthaaren und Osterei geschminktes Gesicht, schwieg die Vierjährige eisern. „Das hat ihr großer Bruder  daheim  gemalt“, verriet die Mama.

Weit weniger zurückhaltend gaben sich die Wemmetsweiler Rock´n´Roller. Stilecht gekleidet in Outfits der 50-er und 60-er Jahre, zelebrierten sie zusammen mit den „Roll-Abouts“-Musikern am Fuße des Stummdenkmals eine Elvis-Revival-Party, die sie später noch auf der großen Bühne in der Bahnhofstraße fortsetzten. „Tanzen hält jung, macht Spaß und hält fit“, brach Bernd Seiler eine Lanze für sein Hobby. Dem gehen in Wemmetsweiler jeden Dienstag 30 bis 40 Rock´n´Roll-Begeisterte nach. Alle 40 aufwärts, so Seiler, der selbst 58 Lenze zählt.

Apropos historische Mode: Selbstgeschneidertes stellte Julia Maria Zimmer vor. Eigens für den Neunkircher Frühling hatte die gebürtige Neunkircherin, die in Piesport an der Mosel lebt, drei Modelle passend zu drei Zeitepochen und Autotypen kreiert: ein weiß-blaues Alltagskleid zum Citroen 2CV (Ente) der 50-er Jahre, einen Strick-Blouson zur karierten Hose als Reminiszenz an die Rolls-Royce fahrende englische Upperclass der 60-er Jahre und ein buntes, typisch amerikanisches Hängerchen mit Knopfleiste und Strickbündchen passend zum hellblauen Cadillac für die 70-er Jahre. „Mein Ziel ist es, ein bisschen aufzuklären“, betonte die Maßschneidermeisterin. Darüber nämlich, was für Liebe und Arbeit in solch einem Kleidungsstück steckt.

Eine rollende Bandsäge im Hintergrund fürs Familienfoto: Maria Lisizkaja (rechts) mit Tochter Anna und Enkelin Uljkana. Foto: Anja Kernig
Rund um die Brunnen-Baustelle auf dem Stummplatz tummelten sich zahlreiche Besucher der Einkaufsstadt Neunkirchen. Foto: Anja Kernig

Das, wenngleich ganz anders, gilt auch für die Solibrote. Diese boten Charlotte Ebert und mit ihr zwei weitere ehrenamtliche Helferinnen im Momentum neben Kaffee und Kuchen an. „Gebacken hat die wie jedes Jahr der Bäcker Knoch in der Wilhelmstraße“, informierte sie auf der Bliespromenade. Häppchenweise konnten Passanten probieren, wahlweise mit Bohnenmus, Bärlauchcreme, Möhren- Paprika Aufstrich, Quittenmarmelade oder klassisch mit Butter. „50 Cent pro verkauftem Laib fließen in eine Frauenprojekt in Ghana.“ Angesprochen wurden auch die Kleemanns aus Spiesen, für die der Neunkircher Frühling eine Premiere war. Eigentlich gehören sie nicht zu den Liebhabern des verkaufsoffenen Sonntags. Der für andere ja Arbeitszeit bedeute. Aber „mein Mann brauchte eine Jacke“, dazu die Sonne, da sei man doch schwach geworden, meinte Doris Kleemann lächelnd. Bereuen mussten sie es nicht. Im Gegenteil: „Schön“ sei das Angebot mit Musik und Automobilen. Auch ein paar Tanzvorführungen sah sich das Paar gern an. Entschieden hat sich Jürgen Kleemann übrigens für „eine rote Jupp“ – und ein Solibrot.