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Leserbrief
„Und eines Tages war die Bank weg . . . “

An dieses Bild wird sich so mancher noch erinnern: So präsentierte sich das Hallenbad Neunkirchen und der Vorplatz den Gästen in den Jahren von 1961 bis 2009.
An dieses Bild wird sich so mancher noch erinnern: So präsentierte sich das Hallenbad Neunkirchen und der Vorplatz den Gästen in den Jahren von 1961 bis 2009. FOTO: Horst Schwenk / Archiv Schwenk
Neunkirchen. Herbert Beschmann beschreibt in einem Leserbrief die Bemühungen seiner Tochter, etwas Bleibendes zu schaffen.

Sabine Knie hat einen Leserbeitrag ihres 81-jährigen Vaters Herbert Beschmann geschickt. Der wurde am Heusnersweiher geboren. Seine Mutter, also die Oma von Sabine Knie, hatte lange Jahre die Milchbar im alten Stadtbad. Übertitelt hat Beschmann die Geschichte mit „Die Bank“. Darin schreibt der Vater, wie eben jene Tochter in Erinnerung an früher etwas Bleibendes schenken wollte und was daraus wurde. Hier die Geschichte:


„Die junge Frau, Enkelin der einstmals stadtbekannten Wirtin des Restaurants im ehemaligen Städtischen Hallenbad in Neunkirchen, ist zu Besuch aus ihrer schwäbischen Wahlheimat. Sie steht am Rande der Zweibrücker Straße, blickt über den einstigen Heusnersweiher, der heute Mantes-la-Ville-Platz heißt, und erinnert sich: an ihre Großmutter Oma Greta und an die Zeit ihrer frühen Kindheit und an die Tage, die sie mit ihren Eltern hier so häufig verbracht hat.

Aber auch daran, was der so früh gestorbene Opa über die glorreichen Tage der Borussia und den Gästeandrang nach jedem Bundesligaspiel erzählte, der kaum zu bewältigen war in Restaurant und Milchbar. Oder über den Stolz der Stadt über die damals bundesweit einmalige und so kühne Dachkonstruktion, die das Hallenbad überspannte und die Lobeshymnen des unvergessenen Sportreporters Werner Zimmer vom Saarländischen Rundfunk anlässlich der Einweihung und der ersten Wettkämpfe . . .



Vorbei, denkt sie, das Hallenbad abgerissen, ein bisschen was gerettet von den wunderschönen Mosaiken des Malers Schney, heute im neuen Hallenbad Die Lakai zu bewundern… Erinnerungen bleiben, und ein bisschen Wehmut, wie immer, wenn man etwas verloren hat, das endgültig vergangen ist.

Aber man kann ja auch etwas tun, um die Erinnerung an diese Tage doch etwas aufrecht zu erhalten, und so fasst sie einen Entschluss: eine Bank muss her, eine an dieser Stelle auf dem Platz, wo sie gerade steht, zur Erinnerung an eine ganz besondere Frau und so geht sie, die Enkelin aus Ludwigsburg, dieses Vorhaben an und startet eine Anfrage bei der Stadtverwaltung. Dort stellt man keine weiteren Fragen, bittet um Überweisung eines der Angelegenheit angemessenen Betrages und stellt in Aussicht, die Bank nach Geldeingang mit Widmung „In Memoriam Gretel Beschmann“ versehen, am vorgeschlagenen Platz aufzustellen. So geschehen zur Freude der Stifterin und das vor zehn Jahren.

Solange stand sie da, bis die Enkelin in diesen Tagen wiedermal zu Besuch in ihrer Heimatstadt weilte und feststellen musste: die Bank war weg! Eine Nachfrage bei der Stadt ergab: die Bank war Opfer eines Vadalismusaktes geworden, man habe jedoch die Widmungsplakette retten können und werde demnächst eine neue Bank an der gleichen Stelle und wieder versehen mit der Plakette errichten. Und so wird es hoffentlich wieder kommen.

Die Enkelin, hoch erfreut über dieses sehr großzügige Angebot, wird bei ihrem nächsten Heimatbesuch dort wieder vorbei schauen und ja, beim Anblick ihrer Bank mit einem kleinen Dankeschön auch an die Stadtmenschen denken, die manchmal auch kleine Wunder in einer großen Stadt möglich werden lassen.