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Umfrage unter Frisören im Kreis Neunkirchen

Friseure öffnen wieder : Endlich wieder Schnitt in der Friese

Am Montag dürfen Friseure wieder ihre Läden öffnen. Zu ihrer und zur Freude der Kunden, die sich zum Teil noch gedulden müssen.

Wie sich die Zeiten ändern: Dass man sich mal auf „Waschen, schneiden, legen“ freuen würde wie ein Schneekönig. Vor zwei Jahren hätte das noch für hochgezogene Augenbrauen und Kopfschütteln gesorgt. Doch Corona setzt neue Prioritäten. Im Friseurstudio Bick in Wemmetsweiler wird man sich ab 1. Februar zu dritt der Matten annehmen, zu denen einst tadellose Frisuren während des Lockdowns verkommen sind. Dafür opfert das Trio den regulär freien Montag. Nur dieses eine Mal, betont Friseurmeister Dirk Bick, der das Geschäft in vierter Generation führt. „Wir brauchen den freien Tag.“ Immerhin wird es anfangs eine Art „Open End“ geben. „Aber irgendwann ist unser Akku auch leer.“ Zwei Wochen ist das Studio termintechnisch ausgebucht – ähnlich wie alle anderen von uns kontaktierten Friseursalons.

Während der staatlich verordneten Schließung seien einige Anrufe für Hausbesuche bei ihm eingegangen, verrät Bick. Doch Schwarzarbeit kam für ihn nie in Frage. Schon allein wegen des hohen Bußgeldes und dem drohenden Verlust des Gewerbes. Mit seinem Wagen, auf dem groß der Firmenname prangt, und dem großen Koffer wäre Diskretion ohnehin ein Ding der Unmöglichkeit. Seine Tochter Fabienne bezieht Kurzarbeitergeld – wobei da die Zahlung von Dezember noch aussteht. Wie im Frühjahr, „da wurde das Geld erst im Juli überwiesen“. Die dritte Kraft, eine Minijobberin, ging leer aus. „So wie ich auch“, ergänzt Bick. Finanziell kam er gerade so über die Runden. „Zum Glück haben wir das Geschäft im Haus“, aber die Nebenkosten laufen natürlich munter weiter. Was ihn nervt: „Jetzt war neun Wochen zu“, aber die Zahlen fielen nicht signifikant. „Man hätte alles schließen müssen und nicht nur die Hälfte.“

Auf glühenden Kohlen saß auch Melanie Müller, Inhaberin des Haaratelier Eppelborn. „Nach einem Jahr Elternzeit wollte ich im Januar zurückkehren.“ Was recht gut lief war telefonische Beratung. „Viele Leute haben Bilder online gestellt“, also den Ist-Zustand. Der Soll-Zustand wurde dann am Telefon besprochen. „Da gab es zum Beispiel eine Frau mit ultra-kurzen Haaren, die war todunglücklich. Sie habe ich in Sachen Haarverlängerung beraten.“ Oder die Dame mit dem extremen Haarausfall. Oft stehen Kundinnen mit ihrer aktuellen Haarfarbe auf Kriegsfuß. Virtuell stößt Profi Melanie Müller da allerdings selbst an ihre Grenzen: „Die Struktur der Haare kann ich vom Foto nicht erkennen.“ Lediglich zwei Mal wurde sein Angebot genutzt, Haarfarbe individuell anrühren zu lassen, erzählt Daniel Hoffmann, Chef des Ottweiler Salons „Art of Hair“. Er und sein achtköpfiges Team werden die kommenden Wochen „mit Sicherheit mehr arbeiten als vorher“. Vor allem die Halbtagskräfte stocken stundenweise auf. Die Öffnungszeiten in die Abendstunden zu verlängern, sieht Hoffmann kritisch.

„Was soll daran so toll sein, nachts um Null Uhr Haare zu schneiden? Das ist vielleicht gut für Werbung“, aber es sei zugleich völlig realitätsfern. „Unsere Kunden haben Verständnis, die wissen, sie müssen warten.“ Wobei die Frisur kurioser Weise oft Leuten, die nicht vor die Tür gehen, wichtiger ist als Berufstätigen.

Das kennen Thomas Müller und sein Mann Christoph Müller-Pies nur zu gut. Montag um 8 Uhr startet der Betrieb in ihren frisch geweißten „Haarmonie“-Räumen in Neunkirchen. 2015 wurde hier zuletzt renoviert, jetzt bot sich die Gelegenheit, den schon länger geplanten Anstrich zu realisieren. Ab sofort wird sechs Tage pro Woche in zwei Schichten gearbeitet, das entzerrt. Von den elf Mitarbeitern sind vier in Ausbildung. Einerseits freut sich Thomas Müller, wieder öffnen zu können. Doch es treibt ihn auch die Sorge vor einem dritten Lockdown um. Klar, dass viele Kunden versuchen, sich möglichst schnell einen Termin zu sichern. Aber mehr als arbeiten geht nicht: „Da trifft man dann manchmal auf wenig Verständnis.“

Mit ihren 67 Jahren eigentlich schon in Rente ist Brigitte Wolf, die in Landsweiler-Reden ihren Salon „Haargenau“ allein betreibt. „Ich hab nicht den Druck wie andere in der Branche.“ Sie könne es ruhiger angehen lassen, Zusatzzeiten wird es nicht geben. „Ich muss an meine Gesundheit denken.“ Die Hygieneregeln einzuhalten gestalte sich relativ einfach. Mehr als zwei Kunden sind ohnehin nie im Geschäft. Dass sie beim Einrichten des Salons gewissermaßen prophetisch unterwegs war, lässt Brigitte Wolf heute lächeln: Statt hässlicher Plastikscheiben stehen bei ihr nämlich Spiegel zwischen den Bedienplätzen. „Das war schon lange vor Corona so.“