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Trockenheit setzt Pflanzen und Tieren im Kreis Neunkirchen mächtig zu

Registrierungspflichtiger Inhalt: Nicht alle Bäume im Kreis Neunkirchen werden überleben : Über den Herbstaspekt im Hochsommer

Wie wirkt sich die Trockenheit im Kreis Neunkirchen aus? Nachgefragt bei Landwirt, Förster und der Stadt Neunkirchen.

„Wegen der Trockenheit in großer Sorge“ titelte die Neunkircher Rundschau am 25. April 2020. Ernteausfälle und Futtermangel hatten die Bauern in der Region befürchtet, weil der heiß ersehnte Regen einfach nicht fallen wollte. Doch nicht nur die Landwirte sind betroffen. Mensch und Tier machen Hitze und anhaltende Trockenheit zu schaffen. Der Regen der vergangenen Tage ist da buchstäblich der Tropfen auf den heißen Stein.

Georg Neufang, der mit seiner Familie den Wingertsweiherhof in Ottweiler bewirtschaftet, macht vor allem die Futterernte große Sorgen. Der erste Schnitt sei nach dem Regen im Februar noch halbwegs vernünftig gewesen, aber der zweite Schnitt war nach seinen Worten katastrophal. „Nachts nicht mehr schlafen“ konnte der erfahrene Landwirt sogar aus Sorge um den Mais. Dann habe es rund um Ottweiler ein paar Gewitterschauer gegeben, die einen recht guten Kolbenansatz bewirkten. Bei der Weizenernte rechnet Neufang mit einem Minus von 20 Prozent vom Durchschnitt, das sei noch erträglich. Allerdings habe es extrem wenig Stroh gegeben. Noch schlimmer sehe es bei Kollegen in Rehlingen-Siersburg aus, wo der Regen fast gänzlich ausblieb. Da machte sogar die alte Futterpflanze Luzerne schlapp, die der Bauer als Alternative pflanzte, weil diese tief wurzeln. „Aber auch die sind braun und verdorrt“, berichtet Kreisbauernchef Neufang. Selbst auf dem Wingertsweiherhof geht das Futter zur Neige, obwohl seit 2003, dem „Jahrhundertsommer“, stets auf Vorrat hingearbeitet wurde. Die schweißtreibende Getreideernte haben er und sein Helferteam geschafft, jetzt hofft er auf weiteren Regen. „Wir brauchen dringend einen dritten Schnitt bei der Heuernte, sonst droht Futtermangel.“ Weil der Boden knochentrocken und hart ist, ist die Bearbeitung äußerst schwierig. Und auch wenn es jetzt länger regnet, dauert es, bis sich die Grasnarbe erholt. Übrigens leiden vor allem Kühe unter Hitzestress. Neufangs frei laufende Rinder gingen nur abends ins Freie, obwohl dort Bäume Schatten spenden. Der Ventilator im Kuhstall war da hochwillkommen.

Intensiver als früher müssen auch die Kommunen ihre Grünanlagen pflegen. Die Stadt Neunkirchen hat auf die zunehmende Trockenheit reagiert und unter anderem ein Fahrzeug mit einem 650 Liter Fass ausgestattet, das rund fünfmal pro Tag aufgefüllt werden muss. Insgesamt also weitere 3250 Liter. Dieses Fass wird zurzeit noch mit Trinkwasser befüllt. Es soll nach Angaben der Verwaltung für den nächsten Sommer so umgerüstet werden, dass man es mit Wasser befüllen kann, das aus Flüssen stammt. Dies geschieht nämlich schon mit einem Lkw mit Tankaufbau, der rund zweimal pro Tag rund 7000 Liter Wasser aus der Oster in Hangard und der Blies entnimmt. Der Lkw fährt die insgesamt über 70 einzelnen Punkte in Neunkirchen und den Stadtteilen an, die bewässert werden. Hierzu gehören unter anderem Pflanzen auf Kreiseln, in Kübeln, Hochbeeten, Hängeampeln und Wechselflorbeete. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Zentralen Betriebshofs Neunkirchen sind während der Trockenperiode täglich im Bewässerungseinsatz, auch samstags. Allerdings sei das Gesamtgebiet so groß, dass nicht jeden Tag jede Pflanze bewässert werden könne. Die Wechselflorbeete wurden schon verkleinert und Teile davon durch eine Dauerbepflanzung ersetzt. Weitere Maßnahmen sind laut Verwaltung in Planung. Neu angelegte Staudenbeete werden mit einer Mulchschicht aus Zierschotter abgedeckt, da diese die darunterliegende Erde vor Austrocknung schützt und das Wasser so besser gespeichert werden kann. Auch die Auswahl der Bepflanzung wurde und werde an die stärkere Trockenperioden angepasst. Sowohl bei Bäumen wie auch bei Sträuchern und Stauden werden hitzeresistentere und trockenheitsverträglichere Pflanzen bevorzugt, informiert das Neunkircher Rathaus.

Aufmerksame Bürger werden es sehen: Etliche Bäume leiden unter „Trockenstress“, da notwendige Nährstoffe nur noch bedingt im Erdreich verfügbar sind. Sie sterben vom Wipfel her nach unten hin ab. Aktuell leiden Birken und Buchen am meisten. Der Trockenstress verursacht auch sogenannte Trockenastbrüche, die bei Kontrollen der jeweiligen Bäume im Vorfeld nicht immer zu erkennen sind. Betroffene Bäume sehen meist vital aus und weisen kaum Symptome auf. Stelle der Neunkircher Baumkontrolleur Mängel an Bäumen fest, versuche die Baumpflegekolonne alles, um die Bäume schnellstmöglich mit Wassersäcken und Langzeitdünger zu versorgen. Diese würden individuell auf den jeweiligen Baum angepasst.

Diese „individuelle Baumbetreuung“ ist im Wald natürlich unmöglich. Förster Roland Wirtz, der das 1800 Hektar große Revier Eppelborn/Quierschied leitet, sagt deshalb: „Wir beobachten nur die Symptome der Trockenheit.“ Die Blätter färben sich und werden braun, das ist der Herbstaspekt im Hochsommer. Die Forstleute fragten sich nun, berichtet Wirtz, ob das „nur“ die Reaktion der Bäume auf den Trockenstress ist oder schon Vorboten dafür, dass sie im nächsten Frühjahr nicht mehr mit dem neuen Grün starten und dauerhaft geschädigt sind. Das große Problem: Es sei das dritte Trockenjahr in Folge. Das Wasserdefizit zeige sich bei vielen Buchen, die eindeutig absterbende Äste im Kronenbereich haben. Dabei sei die Buche nach wie vor die wichtigste Baumart im Saarland. Was können die Waldbesitzer tun? Die Einschläge reduzieren, schattiges, kühles Klima fördern und das Waldinnenklima stabilisieren, damit weniger Wasser verdunstet, informiert Roland Wirtz. Ein „Näschen“ hatte der Förster, als er in seinem Revier einen Großteil der Neuanpflanzungen bereits im Herbst/Winter vornahm. Ein erheblicher Teil der einjährigen Eichen aus eigener Nachzucht habe überlebt, weil es im Februar viel geregnet hat. Relativ stabil stehe übrigens noch die Eiche. Sie sei einer der „Gewinner“ in der Trockenperiode. Mit ihren Pfahlwurzeln erschließt sie Wasser in tieferen Bodenschichten. Doch damit sich der Grundwasserspiegel erholt, müsste es lange, sehr lange regnen.