| 20:40 Uhr

Neunkircher Tierschutzverein kämpft weiter um ausreichend Geld für seine Arbeit
Tierheim will sicher planen können

Im Katzenhaus des Linxweilerhofs spielt eine Praktikantin mit einer Katze.
Im Katzenhaus des Linxweilerhofs spielt eine Praktikantin mit einer Katze. FOTO: B&K / Bonenberger/
Kreis Neunkirchen. Der Linxbachhof steht vor hohen Investitionen. Ein neuer Vertrag mit Kreisen und Kommunen ist in Arbeit. Von Michael Beer

Wer sich ehrenamtlich um herrenlose oder verwahrloste Tiere kümmert, der braucht ein gerüttelt Maß an Leidenschaft und Ausdauer. Und es ist nicht nur die Arbeit mit den Hunden, Katzen, Kaninchen, Hamstern und anderen Fundtieren, die viel Engagement erfordert. Es ist auch die Frage nach der Bezahlbarkeit des Ganzen selbst. In den vergangenen Jahren funkte das Niederlinxweiler Haus des Tierschutzvereins Neunkirchen und Umgebung, zuständig für den Kreis St. Wendel und weite Teile des Kreis Neunkirchen - mehrfach SOS. Bei Kosten von 140 000 bis 150 000 Euro pro Jahr, die zu einem großen Teil über Spenden finanziert wurden, war der Fortbestand der Einrichtung gefährdet. 2017 schließlich schlossen der Linxweilerhof und das Ria-Nickel-Tierheim in Homburg mit den betroffenen Kreisen und 22 Kommunen einen Vertrag, um die Finanzierung auf solide Füße zu stellen. Doch damit waren noch längst nicht alle Sorgen vom Tisch. Der sogenannnte Konsortialvertrag wird derzeit wieder neu verhandelt.


Schon bei der Erstfassung des Vertrags war die Freude sowohl in Niederlinxweiler als auch in Homburg nicht überschwänglich. Vertreter beider Tierheime äußerten, der angesetzte Betrag von maximal 30 Cent pro Einwohner, den die beteiligten Kommunen einbringen, sei definitiv zu wenig. Zusätzlich gibt es von den Landkreisen jeweils 10 000 Euro jährlich im Rahmen ihrer freiwilligen Leistungen. Der Blick der Tierfreunde richtete sich in den Westen des Saarlandes: Nach dem Konsortialvertrag zwischen dem Tierheim Dillingen und den Kommunen in den Landkreisen Saarlouis und Merzig-Wadern gibt es 90 Cent pro Kopf.

Die Verhandlungen für den Folge-Vertrag der drei Ost-Kreise sind schon weit gediehen. Anfang März soll er unterschriftsreif sein. Dirk Walter, Vorsitzender des Neunkircher Tierschutzvereins, ist dabei insgesamt guter Dinge. Dem Vertragskonstrukt von Dillingen müsse man nicht folgen. Wichtig ist ihm, dass die Tierheime einen festen Zuschuss bekommen, mit dem sie ordentlich kalkulieren können. Der Linxweilerhof hat aktuell Investitionen von 300 000 Euro vor der Brust. Der Vertrag vom Vorjahr, erläutert Walter, sah vor, lediglich das Defizit abzudecken. Gab es eine größere Spende, so wurde sie verrechnet. Eine mittelfristige Planung sei auf dieser Basis nicht drin. Der neue Vertrag soll an dieser Stelle besser werden, Planbarkeit für die Tierheime ermöglichen.



„Die Federführung zur Vertragsausgestaltung des Konsortialvertrages obliegt dem Landkreis Neunkirchen“, erläutert der Neunkircher Landrat Sören Meng. Gemeinsam mit dem Landkreis St. Wendel und dem Saarpfalz-Kreis verhandele der Kreis Neunkirchen stellvertretend für alle kommunalen Vertragspartner mit den Vertretern der Tierheime. Die Interessen der Tierheime werden von den beiden Tierheimen selbst sowie dem Landestierschutzbeauftragten und dem Deutschen Tierschutzbund Landesverband Saar vertreten. Auch der saarländische Umweltminister Reinhold Jost engagiere sich.

Nach dem Tierschutzgesetz müssen Städte und Gemeinden Haustiere, die auf ihrem Gebiet aufgegriffen werden, artgerecht unterbringen und versorgen, betont Meng. Diese Arbeit erledigen solche Häuser wie das in Niederlinxweiler. Meng: „Sie stemmten ihre Arbeit in der Vergangenheit größtenteils über Spenden. Die Landräte von St. Wendel, Homburg und Neunkirchen haben sich der Problematik angenommen – auch wenn die Kreise eigentlich nicht zuständig sind und die Arbeit der Tierfreunde lediglich mit einem freiwilligen Zuschuss unterstützen.“

Generell haben alle Vertragspartner Interesse an einer Fortsetzung dieser interkommunalen Zusammenarbeit, sagt Meng weiter. Die ausgehandelten Kommunalbeiträge haben demnach zur Deckung der als Berechnungsgrundlage dienenden Fehlbeträge beider Tierheime ausgereicht. Die vertragliche Basis soll jetzt mit dem Ziel einer nachhaltigen Finanzierung geändert werden. Meng: „Vertragliche Einzelheiten kann ich an dieser Stelle noch nicht nennen, da wir hier noch in der Abstimmung sind. Im Anschluss werden die Kommunalgremien abschließend den Vertrag beraten, ebenfalls die Vorstände der Tierheime. Wir sind zuversichtlich, zeitnah eine Lösung zu finden, die zur Planungssicherheit der Tierheime beiträgt.“

Die Hundezwinger des Linxweilerhofs. Der Tierschutzverein Neunkirchen und Umgebung muss dieses Jahr viel Geld in die Anlagen stecken.
Die Hundezwinger des Linxweilerhofs. Der Tierschutzverein Neunkirchen und Umgebung muss dieses Jahr viel Geld in die Anlagen stecken. FOTO: B&K / Bonenberger/