1. Saarland
  2. Neunkirchen

Theaterwagen neue "Light up" Projekt des Kutscherhauses Neunkirchen

Neunkirchen : „Theater für alle!“ auf Rädern

Mit einem Zaubershow-Marathon von Markus Lenzen wurde die mobile Theaterbühne der Kutscherhausinitiative an der Bachschule eingeweiht.

Der Traktor ist schon wieder weg. Zurück lässt er im Innenhof der Bachschule einen rotbraun gestrichenen Bauwagen. Auf einer Seite aufklappbar, kann man den Anhänger flugs in eine Bühne verwandeln. Dann kommt auch das „Light up! Neunkirchen“ Logo mit den Doppeldeckern zum Vorschein und der Name des nagelneuen Angebots: „Theater für alle!“. Damit nicht genug der Zauberei, lässt Markus Lenzen nach Gutdünken Knoten und Tücher verschwinden und wieder auftauchen, was in Kombination mit seinen lockeren Sprüchen die Neun- und Zehnjährigen unterm Blätterdach der Platane zum Kreischen bringt. Viel besser kann es nicht laufen an einem Montagmorgen: Für den Kutscherhausverein nicht, dem sich mit dieser mobilen Bauwagen-Bühne ab sofort ganz neue Möglichkeiten auftun, Kultur in die Unterstadt zu bringen. Für die Schüler und Lehrer nicht, die im Rahmen der Bauwagen-Einweihung in den Genuss einer wirklich zauberhaften Abwechslung kommen und für Magier Lenzen nicht, der nach der für Bühnenkünstler harten Pandemie-Zwangspause zwei Tage am Stück durchspielen kann. Finanziert mit Mitteln aus dem Bundesprogramm „UTOPOLIS – Soziokultur im Quartier“, macht er nacheinander alle 12 Klassen der Grundschule glücklich.

Die Idee, einen Bauwagen anzuschaffen, stammt von Integrationsmanagerin Edda Petri. „Mit 16 habe ich in einer Theatergruppe auch auf so einem umgebauten Wagen gespielt.“ Wie praktisch eine fahrbare Bühne ist, hatte man schon bei der Aktion „Das Kutscherhaus-Klavier kommt zu dir“, wo vom Transporter herunter musiziert wurde, ausgetestet. Aber woher solch einen Bauwagen nehmen? So wie immer eigentlich: Man hört sich mal unverbindlich um, fragt ein paar Leute und plötzlich ist die Lösung da. „In Neunkirchen hab ich diesbezüglich schon so viel Schönes erlebt“, schwärmt Edda Petri.

Diesmal war es Albert Winzent (ehemals Geschäftsführer der Terrag, heute der A.W.Wärmeenergie GmbH und der NES GmbH), der in die Bresche sprang. Für ihn sei Sponsoring und soziales Engagement selbstverständlich. „Ich bin gern hilfsbereit.“ Wobei es „gar nicht so ganz einfach“ gewesen sei, einen Bauwagen aufzutreiben. Fündig wurde der Neunkircher bei Olaf Läpple vom Trabrenn- und Reitverein Heiligenwald. Der hatte einen solchen Wagen übrig, den Winzent erwarb. Woraufhin die Neue Arbeit Saar ins Spiel kam. Teilnehmer einer Weiterbildungsmaßnahme übernahmen den Umbau zur Pop-up-Bühne. Sie öffneten eine Seite und bauten zwei Türen zum Aufklappen ein. Zudem galt es eine praktikable, einfache Bühnenkonstruktion auszutüfteln. Was durchaus anspruchsvoll gewesen sei, „sie sollte nicht zu schwer rauszuziehen sein“ – so dass ein Auf- und Abbau für Edda Petri und Mitstreiterin Dana Almatt allein zu bewerkstelligen ist. Dabei fing die Truppe so Feuer für das Projekt, dass sie sich jetzt selbst ebenfalls „so ein Ding bauen will“.

Im Winter konnte das Prachtstück bei der NVG kostenlos untergestellt werden. Kurz vor knapp wäre die Mission aber dennoch gescheitert. Es fehlte ein Rücklicht. Flugs und unkompliziert wurde es von einem NVG-Mitarbeiter dran geschraubt, damit war der Bauwagen verkehrstüchtig.

Um nicht immer einen Traktor zum Ziehen organisieren zu müssen, wird der Theaterwagen mit einer Anhängerkupplung ausgestattet: „Dann können wir ihn mit dem Pkw transportieren.“ Nächste Veranstaltungen sind schon in Planung.