Tatort im Ohr

Neunkirchen. "Man vermag dem Wort nicht besser als mit Schweigen und Hören zu dienen", befand Johannes Tauler. Da ist es nur folgerichtig, wenn sich Stadtbücherei und SR2 Kulturradio zusammen tun und gemeinsam zur "Hörperspektive" einladen. Vorgestellt wurde am Mittwochabend der erste saarländische Radio-Tatort "Gewehr bei Fuß"

Neunkirchen. "Man vermag dem Wort nicht besser als mit Schweigen und Hören zu dienen", befand Johannes Tauler. Da ist es nur folgerichtig, wenn sich Stadtbücherei und SR2 Kulturradio zusammen tun und gemeinsam zur "Hörperspektive" einladen. Vorgestellt wurde am Mittwochabend der erste saarländische Radio-Tatort "Gewehr bei Fuß". Es hatte schon einen gewissen Kuriositätswert, wie das Dutzend Zuhörer, locker verteilt auf dreimal so viele Stühle, eine geschlagene Stunde konzentriert vor sich hinstarrte - vertieft in das spannende Geschehen rund um die fiktive, stillgelegte Grube Zellerfeld. Zwölfmal Kino im Kopf, zwölf unterschiedliche Filme mit gleicher Handlung.Hauptkommissarin Kathrin Krämer (gesprochen von Marie-Lou Sellem) und ihr Kollege Michel Paquet (André Jung) ermitteln in einer Kleingartenanlage. Diese soll in Kürze Parkplätzen für das zum Kulturzentrum umgebaute Grubengebäude weichen. Da wird Ex-Bergmann Norbert Gessner ermordet in seiner Laube gefunden. Am Vortag noch hatte Gessner den Direktor des neuen Kulturzentrums massiv unter Druck gesetzt, um die Kolonie zu retten. In der Wohnung des Toten finden Krämer und Paquet zahlreiche Militaria aus dem Krieg von 1870/71. Wie sich heraus stellt, war unter Gessners Säbeln und Pistolen auch ein besonders wertvoller Gegenstand, hinter dem lothringische Heimatfreunde her sind. Doch am Ende stellte sich nicht Habgier als Tatmotiv heraus, sondern mütterliche Fürsorge.Nach dem Abspann durften die Augen wieder einer sinnvollen Beschäftigung zugeführt werden: Ein so kurzer wie aufschlussreicher Film dokumentierte die Entstehung des Hörspiels im Studio. Wer die Profischauspieler an den Mikrofonen wild gestikulierend und grimassierend sprechen sah, kann nachvollziehen, warum es "Hör-Spiel" heißt.Alle dann noch offenen Fragen beantworteten Autor Erhard Schmied, Regisseur Stefan Dutt und Hörspieldramaturgin Anette Kührmeyer. So gibt es das im Tatort gehörte Glockenspiel tatsächlich am Saarlouiser Rathaus, einen Raucherbalkon an der Polizei-Kaserne allerdings nicht. Als irritierend empfanden die Zuhörer das Keuchen zwischen den Szenen, das keiner Figur zugeordnet werden konnte. Dass mit Ausnahme zweier gänzlich unbedeutender Nebenfiguren kein Platt, sondern Hochdeutsch geredet wird, begrüßte das Gros dagegen. Alles in allem ein Abend, der Lust auf mehr Schweigen und Hören machte.