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Synodale aus den Dekanaten Illingen und Neunkirchen zur Refom im Bistum Trier

Das halten Kirchen-Engagierte von der römischen Intervention : Sie wünschen Bischöfen Mut gegenüber den Glaubenshütern

Da will sich die katholische Kirche im Bistum Trier reformieren. Und dann funkt Rom dazwischen. Reformstopp. Rückblick: Bischof Ackermann beruft 2013 eine Synode ein. Die legt 2016 ihr Abschlussdokument vor.

Das Umsetzungsgesetz tritt im Oktober 2019 in Kraft und wird schnell wieder außer Kraft gesetzt. Klagen, Prüfungen – die Glaubenshüter in Rom intervenierten. Wie erfolgreich kann ein Reformkurs im Sinne der Synode also überhaupt sein, wenn er den Segen Roms braucht? Das fragten wir Synodale aus unserer Region.

Martina Paulus. Foto: Astrid Oertel/Marienhausklinikum

„Wir dürfen nicht alles in Gesetze bringen, gegen die Rechtsmittel eingelegt werden können. Da wünsche ich mir mehr Mut, das bestehende Recht voll und ganz auszuschöpfen“, sagt der Neunkircher Dechant Olaf Harig. „Die Bischöfe müssen Rom widersprechen.“ Sie seien keine „Filialleiter Roms“, sondern stünden Kirchen vor (Ortskirche), hätten eigene Rechte und Pflichten. „Ich ärgere mich, wenn Rom in Bistümer hineinregieren will. Das ist theologisch und kirchenrechtlich übergriffig. Rom untergräbt die Autorität der Bischöfe.“ Die inhaltlichen Schwerpunkte der Synode seien von Rom nicht verurteilt worden, so Harig weiter. „Missionarische Gemeinden und Hinwendung zu den Verlierern, Zukurzgekommenen und Notleidenden schreiben die Synode und Papst Franziskus uns ins Stammbuch.“ Die Synode habe auch nie den Neuzuschnitt der Pfarrei in den Mittelpunkt gesetzt. „Da haben wir uns anfänglich verführen lassen und aufs falsche Pferd gesetzt.“ Die Inhalte seien von Pfarreizuschnitten und Finanzängsten überdeckt worden und ins Hintertreffen geraten: „Schade. Ein Schaden.“

Oswald Jenni. Foto: Claudia Emmerich

„Der Reformkurs wird weiter gehen“, glaubt Rebecca Benahmed, heute Gemeindereferentin in eli.ja, Kirche der Jugend in Saarbrücken, früher St. Marien Neunkirchen. „Ich möchte mich nicht entmutigen lassen.“ Mit einem genauen Blick ins Abschlussdokument werde deutlich: „Rom verbietet nicht alles.“ Rom verbiete zum Beispiel nicht, diakonisch-missionarisch Kirche zu sein. Rom schränke nicht die Idee ein, den einzelnen Menschen in seiner jeweiligen Lebenssituation ernst und wahr zu nehmen und sozialraumorientiert zu arbeiten. Rom habe auch nichts dagegen, im Dialog mit der Welt zu sein. „Vieles ist möglich und wurde bereits angedacht und in vielfältigen Projekten und Ideen umgesetzt.“ Hoffnung setze sie auch in den synodalen Weg (siehe „Info“).

Rebecca Benahmed. Foto: Zeljko Jakobovac

„Der Gedanke, durch die Errichtung der XXL-Pfarreien das Strukturproblem grundlegend lösen zu können, ist und bleibt mir fremd“, sagt Oswald Jenni, Diakon in St. Marien Neunkirchen. „Die Kirche muss im Dorf, im Stadtteil, in der Straße zu Hause sein.“ Die Kirche werde mit weniger Personal auskommen müssen. Aber: Alle, die getauft und gefirmt seien, hätten doch auch Anteil am priesterlichen Volk Gottes mit allen Konsequenzen und Aufgaben. Er sei sehr zuversichtlich, dass sich einiges verändern lasse in der Kirche: „Es braucht Zeit, da unsere Entscheidungsträger oft zu stark in die bestehenden Systemen verwoben sind, dort innere Sicherheit finden und gewohnte Privilegien leben.“

 Sie sei „entsetzt über die Sichtweise, die in der Ende Juni veröffentlichten Instructio aus Rom dargelegt wird“, stellt Krankenhaus-Seelsorgerin Martina Paulus von der Marienhausklinik St. Josef Kohlhof fest. „Die geht an der Wirklichkeit hier in unserem Land vorbei und ist ein Affront für alle Nichtpriester, vor allem auch die Ehrenamtlichen. Und für die Priester selber ist es auch eine Zumutung, was Rom erwartet.“ Sie hoffe sehr, „dass unsere Bischöfe mehr Mut aufbringen, Rom zu widersprechen. Die meisten Katholiken und Katholikinnen tun dies sowieso schon, teilweise auch, indem sie unsere Kirche – leider – verlassen.“ Für sie persönlich sei es „aushaltbar, weil ich mich als dynamisch katholisch und nicht mehr als römisch katholisch verstehe“.

Im Oktober besucht der Bischof vier Dekanate im Bistum Trier, darunter mit Völklingen auch eines im Saarland. Thema: Synodenumsetzung. Wie kann es weitergehen?