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SR-Moderator Joachim Weyand pflegt beruflich und privat die Mundart

Interview mit Joachim Weyand : Worksen – ein Fall von Onomatopoesie

Der Internationale Tag der Muttersprache ist ein von der Unesco ausgerufener Gedenktag zur „Förderung sprachlicher und kultureller Vielfalt und Mehrsprachigkeit“. Er wird seit dem Jahr 2000 jährlich am 21. Februar begangen.

„Wer nur mit einer Sprache aufwächst, bleibt unter seinen Möglichkeiten.“ Professor Jürgen Meisel, der seit Jahrzehnten unter anderem an der Uni Hamburg erforscht, wie Kinder mit mehreren Sprachen aufwachsen, muss es wissen. Insofern hat Joachim Weyand – „ich bin zweisprachig erzooh“– die besten Voraussetzungen von seinen Eltern mitbekommen. Wie gut er mit Sprache umgehen kann, beweist der „Schiffwilla Bub“ Abend für Abend im Wechsel mit Sonja Marx als Moderator des Aktuellen Berichts. In der Regel in Hochdeutsch. Doch wenn es die Gelegenheit erlaubt, beispielsweise anlässlich des „Tags der Muttersprache“ am 21. Februar, wird auch mal die ganze Sendung in Schiffwilla Platt moderiert. Ein paar Bedenken habe es davor in der Redaktionssitzung schon gegeben, verrät der 55-Jährige. Wirkt eine Nachrichtensendung im Dialekt nicht unseriös und unfreiwillig komisch? „So schwätze mir, das is halt unser Sproch“, habe er argumentiert.

Wichtig sei, dass der Dialekt als eine Sprache wahrgenommen werde, in der man alles ausdrücken könne, auf was es im Leben ankommt. „Das ist nicht per se lustig.“ Obwohl: Wenn Joachim Weyand seine saarländischen Lieblingswörter erklärt, könnte man sich weglachen vor Vergnügen. Super „scheen, weil so lautmalerisch“, findet er zum Beispiel das Verb „gerksen“. Also das Geräusch, wenn man eine widerspenstige Schranktür öffnet („uffmacht“). Joachim „gerkst“ aus voller Kehle wie Omas 50er-Jahre-Kleiderschrank aus Nussholz-Furnier. Oder das Verb „worksen“. Joachim „workst“ so täuschend echt, dass sich die geneigte Zuhörerin überrascht an die Stuhllehne verzieht. Das nennt man Onomatopoesie, lässt der googelnde Gesprächspartner wissen. Die sprachliche Nachahmung von außersprachlichen Schallereignissen. „Sehr, sehr schön“ sei auch das Wort „Leiskaul“ für den Nacken oder „die Hupp“ für das Gesäß. „Ich tapp dir in die Hupp!“ klingt doch irgendwie netter als in den A... treten.

Ausdrücke, die den meisten Saarländern geläufig sind, auch wenn es keinen rein saarländischen Dialekt gibt. Im Saarland werden sowohl rheinfränkische als auch moselfränkische Dialekte gesprochen. Wobei es durchaus sein kann, dass sich die Ausdrücke und Sprechweisen sogar von Dorf zu Dorf unterscheiden. Die Neinkeija ziehen zum Beispiel die „Hosse“ an, berichtet der Journalist aus Schiffwilla, „mir die Hose.“ Und im Nachbarort Wemmedswella geht man „Klärder kafe“, in Schiffwilla wiederum „Kleeda“. Schade findet es der Fernsehjournalist, dass der ureigene Dialekt kleiner Orte immer mehr verschwimme. Die Heimatsprache verschleife sich, werde glatter. Adjektive wie „wurmatzisch“ hört man seltener, geraten nach und nach in Vergessenheit. Begriffe, die selbst seine Mama „ewisch nimmeh geheert hat“, sammelt Sohn Joachim im Kopf. Wie etwa den Ausdruck „gelinnich.“ Ein wunderschönes Adjektiv für einen milden, lauen Frühlingsabend, den man mit einem Gläschen Weißwein auf der Terrasse genießt.

„Unbedingt“ sollte der Dialekt gefördert werden, meint Joachim Weyand. „Er gehört zu unser ureigenen Sprache dazu.“ Im Gegensatz zu den Bayern scheuen sich jedoch die meisten Saarländer, ihren Dialekt in der Öffentlichkeit zu vertreten. Ausnahmen (Heinz und Hilde Becker) bestätigten die Regel. Unter dem ewigen Hin- und Hergeschiebe in der Geschichte hat wohl das Selbstbewusstsein der Saarländer gelitten. „Awwer mir misse uns net verschtecke“, ist Joachim Weyand überzeugt. Ein Blick auf die Uhr. Oleck, schon so spät?! Ich muss eigentlich fort. Wie antwortet der Saarländer? Jooh, näh, kumm, geh, bleib.