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Caritas-Projekt Sprungbrett feiert Geburtstag
„Sprungbrett“ feiert zehnten Geburtstag

Neunkirchen. Das Projekt bietet Kindern aus bildungsfernen Familien Unterstützung und nimmt bei den Angeboten auch die Eltern mit ins Boot. Von Anja Kernig


Ja ist denn schon Weihnachten? Oder doch eher Schulanfang? Das war zumindest für die kleinsten Gäste des Jubiläums- und Familienfestes am Mittwochnachmittag hinter der Bachschule nicht eindeutig. Immerhin hingen in den Ästen der großen Platane im Innenhof bunte Schultüten. Und mit Oberbürgermeister Jürgen Fried und Landrat Sören Meng hatten sogar gleich zwei mehr oder weniger bärtige Männer sichtlich Spaß, Louis, Nasad, Ashley, Bezan, Stella und alle anderen Kinder zu beschenken.
Dazu gab es Rostwurst und Limo, und der Zauberer Kalibo begeisterte Jung und Alt mit seiner „Zaubersocke-Kindershow“ – das ist schließlich bereits Tradition, so feiert man alljährlich den Abschluss der Veranstaltungsreihe „Sprungbrett-Vorschulkarte“. Anders als sonst waren diesmal jedoch auch die Finanziers und Partner jenes Erfolgsprojektes des Caritasverbandes Schaumberg-Blies vor Ort. Gemeinsam beging man den zehnten Geburtstag von „Sprungbrett für Kinder und Eltern in Neunkirchen“. Dieses bietet Unterstützung beim Übergang von der Kindertagesstätte in die Grundschule. Das Hauptaugenmerk liegt dabei laut Projektleiterin Laura Lauermann auf fünf- bis siebenjährigen Kindern aus so genannten bildungsfernen Familien, die in der Mehrzahl unter erschwerten sozio-ökonomischen Bedingungen aufwachsen – sei es etwa mit alleinerziehenden Eltern, als Teil einer Großfamilie oder auch mit einem familiären Migrationshintergrund. Etwa 100 angehende ABC-Schützen aus der Evangelischen Kita Arche Noah, den Katholischen Kitas Herz Jesu und St. Marien sowie der städtischen Villa Regenbogen werden zu der Veranstaltungsreihe eingeladen. „Teil nehmen zumeist zwischen 50 und 60 Familien“, erklärt Laura Lauermann.
Die Reihe umfasst fünf Nachmittagstermine: An zweien wird gespielt und sich gemeinsam bewegt, an einem die Stadtbücherei erkundet. Ein weiterer fokussiert den Medienkonsum und den Umgang mit den neuen Medien. „Der letzte Termin ist immer bei der Neunkircher Tafel“, sagte Laura Lauermann, wo man über gesundes Pausenbrot nicht nur redet, sondern zusammen Brote schmiert, Gemüse und Obst schnippelt und damit eine Brotbox mustergültig befüllt. Manche Familien sind inzwischen schon mit dem zweiten oder dritten Kind dabei. „Wir sind ein bisschen zu einer Institution geworden“, freut sich Laura Lauermann. Anders als bei vielen anderen Angeboten wendet man sich ganz bewusst und gezielt an Eltern und Kinder: „Am Anfang denken die Mütter und Väter sehr häufig, sie könnten ihren Nachwuchs einfach nur bei uns abgeben“, berichtet Laura Lauermann. Doch das würde wenig bringen. „Es nutzt aber überhaupt nichts, wenn wir nur am Kind arbeiten.“
Caritasdirektor Michael Schütz dankte neben dem Landkreis insbesondere der Kreisstadt, die von Anfang an mit im Boot gewesen und dort auch geblieben ist: „Ohne Mitfinanzierung wäre das Projekt nicht zu ermöglichen.“ 55 Prozent der Kosten trägt Neunkirchen, 30 Prozent der Kreis und die verbleibenden 15 Prozent die Caritas. „Damit ist die Zukunft des Projektes sicher“, betonte Oberbürgermeister Jürgen Fried, der sich auch im zehnten Jahr noch für den fantasievollen, mehrdeutigen Namen „Sprungbrett“ überaus begeistern kann. „Überzeugt haben uns damals wie heute drei Facetten.“ Einmal, dass die Erziehungsberechtigten eingebunden sind. Dann die Kooperation der vier Kitas mit der Grundschule am Stadtpark und der Bachschule. Dritter Beweggrund sei das Alter der Teilnehmer: „In dieser wichtigen Lebensphase kann man die Kinder noch erreichen und so ihre künftige Entwicklung beeinflussen.“
Landrat Sören Meng hob außerdem den „Vorzeigecharakter“ des Projektes ganz deutlich hervor, das leider im Moment ausschließlich in Neunkirchen anzutreffen sei. „Nachahmungstäter“ wären da unbedingt zu wünschen: „Bedarf gibt es bei uns im Kreis genug.“