Wenn Fantasie auf Farbe trifft

Spiesen · Eine Gemeinschaftsausstellung von behinderten Künstlern ist derzeit in der Lebenshilfe-Galerie Farbtupfer in Spiesen zu sehen. Erstmals haben die Künstler Leinwand als Bildträger gewählt, deshalb der Titel „Leinwand(T)räume“ .

 Die Laudatorin Jana Lepple (2.v.l.) und einige Künstler plauderten bei der Vernissage mit den Besuchern über die Werke. Foto: anika Meyer

Die Laudatorin Jana Lepple (2.v.l.) und einige Künstler plauderten bei der Vernissage mit den Besuchern über die Werke. Foto: anika Meyer

Foto: anika Meyer

Farbe und Fantasie sind es, die einem zuerst entgegenspringen, wenn man die Galerie Farbtupfer in Spiesen betritt. In kräftigen, leuchtenden Tönen tun sich meist gegenständliche Szenen auf, die jedoch nicht einfach der Natur entnommen, sondern mit Komponenten gedanklicher Welten vermischt sind. So bei einer Szene, die Antilopen an einem Wassertümpel zeigt: Im Hintergrund erhebt sich ein transparentes Gebirge, dessen Regenbogenfarben über die gesamte Bildfläche ausstrahlen. Wie ein Traumerlebnis wirkt das Bild einer Frau, die auf einem geschwungenen Boot auf einer sich leicht kräuselnden Wasseroberfläche treibt. Kühle, ruhige Natur mit violettem Nachthimmel. Nur die Figur und der Mond scheinen in warmem Gelb- und Orangetönen hervor. Doch auch abstrakte Werke sind unter den Ausstellungsstücken.

Der Titel "Leinwand(T)räume" scheint gut gewählt für diese gemeinsame Ausstellung von Menschen mit geistiger Behinderung, die vom Behinderten-Werk der Lebenshilfe in Spiesen-Elversberg betreut werden. Die "Leinwand" wird dabei deshalb so hervorgehoben, weil die Maler sich erstmals an diesem Bildträger versucht haben, wie die Galerieleiterin Julia Günnewig erklärte: "Das war ein Schaffensprozess von etwa einem Jahr."

Grußworte gab es bei der Vernissage am Montagabend von Otto Dietz vom Vorstand der Lebenshilfe Neunkirchen, die Laudatio übernahm Jana Lepple. Das Malen stärke das Selbstbewusstsein, erklärte diese, und könne helfen, zu sich selbst zu finden. "Und es vermittelt ein Gefühl von Freiheit, das kann ich aus eigener Erfahrung sagen."

Die rund 30 ausgestellten Bilder stammen von den beiden Malgruppen der Künstlerin und Kunsttherapeutin Margit Bauer und der Grafikerin und Buchillustratorin Catrin Raber. Als Betreuerinnen greifen sie nur ein, wenn nötig, und sorgen für eine Weiterentwicklung der individuellen Fähigkeiten. Die Maler haben an dieser Art des Schaffens offensichtlich großen Spaß: "Ich male seit 13 Jahren", sagte die heute 20-jährige Anna Rosa Kampen. Das verhindere Langweile. Auf die Idee zu ihrem Bild mit den bunten Längsstreifen sei sie alleine und spontan gekommen: "Einfach so!" So geförderte Maler können es weit bringen: Nicole Richter beispielsweise wurde kürzlich in die Künstlergruppe der SaarArt aufgenommen, wie Lepple berichtete. In Spiesen zeigt Richter unter anderem eine zauberhafte Savannenlandschaft, mit naturalistisch gemalten Tieren und Pflanzen: "Diese habe ich mit einer Strukturpaste bearbeitet", so die Künstlerin. Der Sand und der rote Himmel hingegen verschwimmen in surrealer Einheit. Natur ist Richters Leidenschaft: "Wir müssen respektvoll mit ihr umgehen!" Musikalisch untermalt wurde die Vernissage von Wolfgang Purper.

Die Ausstellung kann besichtig werden bis Mitte April. Geöffnet hat die Galerie Farbtupfer, Hauptstraße 133, Spiesen , montags bis freitags, 9.30 bis 12.30 Uhr und 17 bis 20 Uhr sowie samstags von 9.30 bis 12.30 Uhr.

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